Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 51 (18.12.1840)
- Date
- 1840-12-18
- Page
- Seite 424 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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424 ihre Aufmerksamkeit zu bezeugen. So überreichte ihm eine Deputation der Preßburger Gemeinde eine sehr geschmackvoll ausgestattete Dankaddresse, (verfaßt von dem Rabbinats-Candidaten Herrn Leopold Löw), in welcher besonders hervorgehoden wird, baß die Kunde von den Damascener Verfolgungen mit den Landtagsverhandlungen über die Emanzipation der Juden zusammenfiel, und also eine den Juden ungünstige Stimmung heroorzubringen drohte. Zum Ruhme der ungarischen Legislatur und Presse wird dann hinzugefügt, daß die orientalische Anklage weder bei jener noch bei dieser die geringste Berückfichtigung gefunden. Die Nikolsburger Gemeinde brachte ihm das Morenudiplom vom mährischen Landesrabbiner. Die Auszeichnungen, die er sich von Seiten hoher Personen zu erstellen hatte, sind durch die Tagesblätter bekannt. Gestern Abend verließ Herr Cremieur Wien, begleitet von den besten Wünschen aller seiner Glaubensgenossen die des edeln Mannes stets mit Liebe gedenken werden. Dankaddresse der Wiener Israeliten an Herrn Adolph Cremieur. Hochgeehrter Herr. Die Gemeinde der Israeliten zu Wien, beseelt von der regsten Theilnahme für die heiligen Interessen und Rechte ihres Volkes und Glaubens, durchdrungen von der innigsten Hochachtung und Bewunderung für die edeln Männer des Wortes und der That, die sich für die Interessen und Rechte herausgestellt und im heiligen glorreichen Kampfe bewährt^ haben, ergreift mit aller Bereitwilligkeit die Gelegenheit, die sich ihr bietet. Ihnen, hochverehrter Herr, der sich in diesem Kampfe in die »ordern Reihen hat gestellt und siegreich den Lorbeer hat errungen, ihre innigste Hochachtung und Bewunderung zu bezeugen. Wenn wir die Gabe des Wortes und die Kraft und Gewalt der Rede, die Ihnen Gott in Fülle verliehen hat, um so mehr bewundern, je umfassender und eindringlicher ihr Erfolg ist, und darin die Gnadenwaltung Gottes erkennen, daß er in einer Zeit, wo Geist und Talent sich zur herrschenden Macht erheben, auch in unfern Reihen hat Männer auferstehen lassen, die des göttlichen Geistes voll sind, und das Wort in Wahrheit. Klarheit, mit Freimuth und siegender Kraft zu führen wissen; wenn wir mit einem Worte das Talent bewundern, das Ihren Ruf gegründet. Sie als Redner und Anwalt den Gefeiertesten Ihres Standes gleich gestellt hat, so achten und ehren wir doch mehr noch die edle Gesinnung, den heiligen Eifer für das Recht, der Sie in der Erfülluyg und Ausübung Ihres göttlichen Berufes und der- Veredlung dieser unschätzbaren Geistesgabe bisher so glücklich hat geleitet. Sie haben das Recht vertreten, wo und wann es gegefährdet war. Sie haben dem Mächtigen Ihren Schutz angedeihen lassen, als ihn das Glück verlassen, und der gefallenen Größe sich ritterlich angenommen. Sie sind für Ihre Glaubensgenossen in die Schranken getreten, alS man ihnen Eid und Schwur, und somit Treue und Glauben in Israel verdächtigen wollte, und haben die Schmach von ihnen abgewälzt, den letzten Schimpf getilgt, der ihnen noch anhing, in dem Lande, wo man ihnen alle Schranken geöffnet, aber nicht bas Vorurtheil besiegt, dem Juden Besitz und Recht, Amt und Würde hatte vergönnt und eingeräumt, und dennoch den Zweifel und Verdacht an seiner Rechtlichkeit und Treue nicht hatte beseitigen und überwinden können. Sie haben seine Ehre gerettet, und gezeigt, daß von Abraham und seinem Samen, der zuerst hat die Hände emporgehoden zu dem allgewaltigen Gotte der Himmel und Erde hat geschaffen, der Glaube ist ausgezogen, der die Welten füllet, und sie auf die Grundsäulen des Gesetzes, deS Rechtes und der Sitte fest und sicher stellt. Diese edeln Bestrebungen haben Sie nun, hochverehrter Herr, gekrönet, und Ihren Namen in die Jahrbücher der Geschichte unseres Volkes, die so alt ist, als die Geschichte der Welt, unvergänglich eingetragen, indem Sie für die unglücklichen Schlachlopfer der Tyrannei und der Glaubenswuth, deren furchtbares Geschick nicht nur alle Stämme Israels, sondern auch alle Edeln und Wohlbenkenden in der Welt mit Grausen und Entsetzen füllt, ritterlich und brüderlich sind in die Schranken getreten. Sie haben Haus und Heimath verlassen, wie einst die Propheten der alten Zeit, sind über's Meer gezogen hin in's alte Egyptenland, wo Seuchen wüthen, Krieg und Zerwürfniß bas Leben bedrohen; Sie haben vor dem.Gewaltigen bas Wort geführt, und für Ihr Volk und Ihren Glauben, und wie Moses einst zu den Pharaonen gesprochen: „Gieb mir heraus die gefesselten Söhne meines Volkes, daß sie mir bienen." Sie haben die Fessel gebrochen an der Hand der Gefesselten, die Eingekerkerten erlöset aus ihrer Hast, wie der Prophet es als einen göttlichen Beruf bezeichnet. Sie haben die bereits Geächteten frei und ungebunden dem Leben wieder gegeben, das Schwert in seinem Falle aufgehalten, das bereits an einem Haare über ihrem Haupte geschwedet, und haben diejenigen, welche Sie nicht retten konnten, die bereits unter Martern sind aus der Welt gegangen und in einer höhern Welt und vor einem höhern Richterstuhl und Thron, als die ein Mensch richten kann, ihre Unschulbserklärung und Rechtfertigung gefunden haben, die haben Sie von der Schmach erlöset, die ihnen noch in den Tob gefolgt, und haben ihre Namen unbefleckt ihren Kindern und Kinbeskinbern wieder gegeben. Gottes Segen über Sie! Sie haben ein göttlich Gebot erfüllt, welches das heiligste ist in Israel, Sie haben geheiligt den Namen Gottes, Sie haben bas Gebot der Liebe erfüllt, das bas Höchste ist. Sie haben wohlgethan den Tobten und den Lebenden. Wenn der Name Damaskus, der sich auf den ersten und ältesten Blättern der Geschichte verzeichnet findet, in neuester und letzterer Zeit wieder eine trübselige Berühmtheit erlangt hat, Erinnerungen zurückläßt, die für uns eben so unvergeßlich als schmerzlich sind, so werden die Namen der Edeln, die in dem Kampfe gefallen, nun ihr Leben geopfert haben, für die Heiligung des göttlichen Namens, und der Name