Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 51 (18.12.1840)
- Date
- 1840-12-18
- Page
- Seite 423 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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423 digt werden. Zu diesem Ende nun haben wir bestimmte Befehle erlassen, daß die Juden, so in allen Theilen unsers Reiches wohnen, eben so sollen beschützt werden, wie alle anderen Unterthanen der hohen Pforte, und daß sie auf keine Weise beunruhigt werden, sei es in Betreff der freien Uebung ihrer Religion, sei es in Betreff ihrer Sicherheit und Ruhe, — es wäredenn ein gegründeter Anlaß vorhanden. Gegenwärtiger Ferman, oben geschmückt mit unsem Hoomacion (Handsiegel) und aus unserer herrschaftlichen Kanzelei erlassen, soll der jüdischen Nation zugefertigt werden. Der Oberrichter soll von diesem Ferman Kenntniß nehmen und demgemäß nach Vorschrift verfahren, und damit in der Folge nichts geschehe, was demselben entgegen sei, hat der Oberrichter den Inhalt desselben in die Archive des Gerichtes niederzulegen, alsdann ihn der jüdischen Nation auszuhändigen - und dafür Sorge j zu tragen, daß unsre Befehle befolgt werden, indem dieser Ferman unfern allerhöchsten Willen ausdrückt." Gegeben zu Conftantinopel, den IS. Ramazan 1256 (6. Nov. 1840)." Nachrichten und Correspondenzen, j Cremieur auf der Rückreise. Wien, 3o. November. Die Anwesenheit dieses ausgezeichneten Rechtsgelehrten wurde von den hiesigen Israeliten auf eine so bezeichnende und glänzende Weise gefeiert, baß sie in Berücksichtigung der Sympathien, die sie geweckt und gestärkt, der Manifestationen, die sie veranlaßt, so wie des nachhaltigen bleibenden Eindrucks, den sie verspricht, ein für die hiesige israelitische Gemeinde unvergeßliches Ereigmß genannt zu werden verdient. Schon der Empfang von Seiten der Vertreter der isr. Gemeinde und unsers Predigers, Hrn. Manheimer, war auszeichnend und feierlich. Der Vertreter, Herr Joseph Wertheimer, hielt die Begrüßungsrede, worin er die Verdienste des Herrn Cr. um sein Volk und seinen Glauben schilderte, und die Gefühle der Gemeinde in sehr würdiger .Weise aussprach. Diese Bewillkommungsworte beantwortend, lehnte Herr Cremieur das ihm gespendete Lob in ungekünstelter Bescheidenheit ad, brückte die Hoffnung aus, baß die gegründete Schule in Cahira, und die noch zu gründenden in Alexandria, Aleppo und Jerusalem auf die religiösen, sittlichen und socialen Angelegenheiten der orientalischen Juden einen sehr wohlthätigen Einfluß ausüben würden. — ES ist bereits bekannt, baß Herr Moses Montefivre und vorzüglich Hr. Munk' sich der Gründung dieser Lehranstalten sehr thälig angenommen haben. *) *) Herr Cremieur hat bei seiner Anwesenheit in Frankfurt am Main die Gewogenheit gehabt, dem Herausgeber der Annalen, zur Berichterstattung über die Errichtung der Schulen in Cahira, sein Tagebuch zu übergeben. Wir haben bei der Kürze der Zeit uns nur auf das Wesentlichste beschränken müssen, werben aber doch mehrere interessante Details geben und auf jeden Ich übergehe die Reihe einzelner Aufmerksamkeiten, mit welchen man sich von allen Seiten beeiferte, dem gefeierten Gaste seinen hiesigen Aufenthalt angenehm zu machen. Die allgemeine Theilnahme zeigte sich auf eine wahrhaft unbeschreibliche Weise Samstag, am Listen, im Tempel, wo Herr Cr. dem Gottesdienste beiwohnte. Der Tempel war so überfüllt, daß es schon um neun Uhr nicht mehr möglich war, hinein zu kommen. Bei'm Gottesdienste selber ward die Anwesenheit des geehrten Gastes in so fern berücksichtiget, als Herr Manheimer seiner und des Herrn Montefiore in dem gewöhnlichen deutschen Gebete für das geliebte Kaiserhaus erwähnte, und nachdem er zur Thora gerufen wurde, einen sehr schönen in biblischem Hebräisch verfaßten Segenspruch recitirte. Nachmittag ward er in der sefardischen Synagoge feierlich empfangen. Ein glänzendes Diner ward Sonntag den 23sten dem Gefeierten gegeben. Hier las Herr Mannheimer die deigehende Dankadbresse, welche auf die zahlreiche Versammlung einen tiefen Eindruck machte, und die Herrn Cr. in einem sehr kostbaren, im Atelier des Herrn Biedermann verfertigten, cylinderförmigen Etui überreicht wurde. Herr Cr. sprach drei Mal; der Enthusiasmus der Anwesenden nahm bei jeder Rede zu. Die inhaltreiche Dankrede, die er bei dieser Gelegenheit hielt, wirb in französischer Sprache gedruckt zu lesen sein. Auch Herr Mannheimer sprach bei dieser Gelegenheit schöne, kräftige Worte, die mit Begeisterung ausgenommen wurden. Die darauf folgenden Tage besuchte Herr Cr. unsere Religionsschule, wo er wieder Gelegenheit hatte, sein glänzendes Rednertalent zu bewähren, und die Herzen der zahlreichen Anwesenden gewann; dann das israel. Spital, wo er seine Anerkennung dieser musterhaften Anstalt und den darin angestellten Aerzten in ein vor Kurzem eingerichtetes Fremdenbuch in sehr schmeichelhaften Ausdrücken niederschrieb. Der allgemeine Enthusiasmus theilt sich auch der jüdischen Damenwelt mit, welche nicht nur durch das geschmackvolle Arrangement des Festes, welches insbesondere die F. F. Na nette Edle v. Wertheimstein, Louise Edle v. Wertheimstein und Regine Biedermann übernommen, sondern auch durch ein, der edeln und liebenswürdigen Geberinnen würdiges Geschenk, das sie der Madame Cremieur zum Andenken überreichten, ihre Theilnahme für den edeln Kämpfer in Israel auszudrücken strebten. Emen „Nachsegen" zu den Genüssen der letzten festlich begangenen Tage sprach Mannheimer am Schluffe seiner herrlichen Predigt am vergangenen Sabbath über Gen. 25 , 22, in welcher er die Wiedergeburt der Zeit, und die dieser Wiedergeburt vorhergehenden Nöthen und Wehen mit gewohnter Meisterschaft und mit scharfsinniger Benutzung des Textes besprach. Auch auswärtige Gemeinden beeilten sich, Herrn Cr. Fall manche durch die Zeitblätter verbreitete Entstellung der Thatsachen berichtigen. Wir fügen hinzu, daß uns die Aussicht eröffnet worden, über alles was diese in der Geschichte der Humanität höchst merkwürdige Reise und deren Folgen betrifft, fernerhin aus authentischer Quelle Bericht erstatten zu können. Die Redaktion. 51*