Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 50 (11.12.1840)
- Date
- 1840-12-11
- Page
- Seite 419 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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419 Gebietes ebenfalls bestellen. Er wählt hier das Leben der Patriarchen und symbolisirt die biblische Geschichte ganz nach alter Art unsrer Weisen der Vorzeit, die aus jedem Umstande, Ereignisse und Ausdrucke zu ziehenden Lehren, durch interessante Rückweisungen auf biblische und andere Lebren und Ansichten bekräftigend. Im Allgemeinen finden wir hier eine reiche Quelle gediegener Anweisungen zur Gewinnung einer mehr die Phantasie beschäftigenden Freude an der heiligen Schrift und gleichzeitig einer höhern Sittlichkeit. Ob darum alle Themata mit Glück durchgeführt seiend Die meisten der 20 Betrachtungen, das dürfen wir aus voller Ueberzeugung sagen, leisten viel und fast über die Erwartung. Nur die 5te, welche gar zu sehr im Eingänge sich an alte Ideen, die keinen Grund haben, anlehnt, und ohnehin diese Ideen selbst nicht darstellt, wie das auch gebilligt werden muß, konnte ihr Thema besser wählen. Wozu noch die Unnatürlichkeiten häufen, die in der Bibel nicht gegeben sind? Wo steht etwas von einem Krankenbesuch Gottes, und wenn es stünde, wo wäre der Sinn zu finden, wenn man es nicht j deutet? — Der Ausdruck ist überall rein, klar, leicht und i überzeugend. Wir wünschen, daß das Werk recht viele Theil-! nähme finden möge, damit der Vf. ausgemunlert werde, in j demselben Geiste 'weiter zu arbeiten. , Israelitische Fesipredigren und Casualreden, herausgegeben von Df. I. Maier, Königl. Würtemb. Kirchenrath und Rabbiner in Stuttgart, I. N.! Mannheimer, Religionslehrer in Wien und vr. G. S a l om on, Prediger in Hamburg. B. I. > Heft I. Stuttgart bei Metzler 1840. 84 S. in 8. i Eine Dreiheit von gutem Klang tritt hier auf, und wir! wünschen der betreffenden Literatur Glück zu dieser Verbini düng. Cs ist dies der beste Weg dem Publikum das wahr- : Haft Gute in gehöriger Auswahl vorzuführen, und die vielen einzelnen, oft ganz werthlosen Arbeiten in Vergessenheit zu bringen. Nur mochte es rathsam erscheinen, wofern diese Sammlung sich eines erwünschten Fortganges erfreut, daß auch von andern tüchtigen Rednern gediegene Predigten ausgenommen werden, theils damit die besten Leistungen sich hier concentriren, theils damit eine größere auf jeden Fall nützliche Mannigfaltigkeit in dieselbe gebracht werde. - Das vorliegende Heft enthält neun Festpredigten und j zehn Casualreden, vorläufig nur von Maier ünd Sai lomon. Der Erstere bevorwortet die Sammlung sehr zweckmäßig, indem er die Gründe kurz angiebt, welche jetzt die Synagoge veranlassen, öffentlich aufzutreten und ihre eigenen Gesinnungen zu entwickeln, zumal ihr langes Schweigen oft mißverstanden worden, und manches in der Lehre selbst noch so unklar sei, daß es an der Zeit erscheine, durch die ausgesprochenen Vorträge eine Verständigung zu erleichtern. Jedermann wird ihm darin befflichten. Wir haben schon früher darauf hingewiesen, wie wichtig es fei, daß die Predigten mehr die innere confessioneüe Seite behandeln und aus den seichten Alltäglichkeiten heraustreten, um einen bestimmten Charakter zu zeigen. Es ist erfreulich, daß die Koryphäen der Synagoge dies endlich selbst empfinden. In! der Folge werben wir sehen, wie weit dieser Vorsatz durchgeführt wird. Die Predigten, welche wir hier empfangen, scheinen mehr eine bloße Vorbereitung zu enthalten, denn! in das Dogma dringen sie nicht eigentlich ein, obwohl schon | verschiedene Andeutungen darauf hinzielen. 1) Von Maier, über I. Sam. ii. 1—10, am Neuj jahrsfeste; Thema: Was vergeht und'was besteht; 4Theile, in welchen die Gegensätze bilden: Erdengut — die That; . Erdenfreube — Erinnerung, Erdennoth — Gott, Leben —! Ewigkeit; die ersteren als Vergehendes, die letzteren als 1 Bestehendes. Ueber diese Gegensätze ließe sich rechten, aber! in der Auseinandersetzung rechtfertigt sich wenigstens der logische Zusammenhang. Confessionelles ist nur der Tag als > Neujahr; alles Uebrige allgemein, aber gut und eindringlich! dargestellt, schön specialisirt und geordnet. So ungern wir I Ausstellungen machen, so halten wir es gleichwohl für wich-! tig, einen Punkt anzuregen, den wir schon bei dem würtembergischen Katechismus zu tadeln Anlaß fanden, nämlich die Art, wie die Bibelverse übersetzt sind. Wir vermissen ein bestimintes Prinzip, und was schlimmer ist, die nölhige Gleichmäßigkeit. — Gleich im Eingänge wird übertragen: „Alles Fleisch ist Heu, und alle seine Güte ist wie eine Blume auf dem Felde, das Heu verdorrt, die Blume verwelkt; denn des Herrn Geist bläset darein." Das ist Luther's Ausdruck, den die Kirche annimmt, weil er da ist; heule wurde man nicht neu übersetzen: Heu, da der Ausdruck der Bibel Gras bezeichnet, was auch ein richtigeres Bild glebt, noch weniger aber Geist statt Hauch, denn wenn der Geist Gottes hinein bl äst (?) ist es wohl eher zur Belebung, nicht zum Verwelken. Indeß Luther ist eine Autorität; warum wird bann aber der eigentliche Tert wieder völlig anders und nicht nach Luther übersetzt? Und ist denn Sam. H. D. 3 ein Gott des Wissens richtig? Ein Theil ist streng bildlich übertragen, und wieder ein Theil umschrieben. Dies kann nicht gebilligt werden. Noch weniger aber, wenn in der Repelition des erstem zum Grunde gelegten Gedankens, S. 6 wieder steht: „Alles Fleisch ist Gras und seine ganze Schönheit wie die Blume des Feldes; Gras wird dürre und die Blume welkt." — Diese Willkühr in Predigten will uns wenigstes nicht Zusagen. Sollten wir eines Bessern belehrt werden, so nehmen wir es gern an. (Schluß folgt.) Der Geist -er thalmudischen Auslegung der Bibel. Von vr. H. S. Hirschfeld. Erster Theil. (Fortsetzung.) Zunächst werden nun die Zustände, welchen der Geist seine Richtung verdankt, burchgegangen. Die Zeit ist die vom ersten bis vierten Jahrhundert nach der Zerstörung des Tempels. Rom herrschte noch, obwohl mit verfallender Gewalt, durch den Schrecken seines Namens, noch lebhaft durch die Erinnerung an die bisherige Vernichtung aller besiegten Völker, welche zerschlagen und zu völliger Knechtschaft herabgewürdigt worden, — jetzt selbst immer tiefer sinkend und daher desto grausamer. Aus diesen politischen Verhältnissen erklärt sich auch der Verfall der Religion. Die Götter werden mit Satyre verfolgt, die Philosophie konnte die Mythologie mit aller Allegorisirung der Aler-andrinischen Schule nicht retten, bas einmal vorhandene aristotelische Licht verscheuchte die phantastischen Nebel und die Schallen verschwanden. Alles dies schildert Herr Hirschfeld recht gut, mitunter poetisch, wie in folgender Stelle § 20 „die Menschheit hatte lange lange in den Armen dieser Götter geruht, sie erwachte und sah sich dei'm hellen Glanz des Feuers, bas der Spott und der Witz, das der leuchtende Verstand um die Sitze der Götter gelegt, wie verhöhnt und verspottet; baar des frühern Nymbus in traurigen Gestalten zogen, wie bleiche Gespenster, diese Gottheiten nun ad, und man höhnte ihnen nach. Eine schreckliche Leere aber entstand in der Seele; die Menschheit erschrack, daß sie so lange Zeit nichtigen Tand in Ehren gehalten und abgöttisch angebetet. Der alte Glaube war dahin, ein neuer aber noch nicht an die Stelle getreten!" § 30. „So war der Zustand der damaligen Welt im Allgemeinen." Wir erlauben uns hier zu bemerken, daß wir zwar mit dem Vf. Rom für den Kern der civilisirten Welt und daher auch des geistigen Lebens damaliger Zeit betrachten, daß aber doch alles dies nicht berechtige, die Menschheit so ganz und gar zu concentriren. als ob alle Lebenspulse einzig und allein von Rom ausgegangen wären. Denn die asiatischen Religionen, welche allesammt einen ganz andern Charakter hatten, als die griechisch-römische Mythologie, waren durch Roms Herrschaft keinesweges erschüttert, und das aus dem Iudenthume bereits hervorgegangene und sich unter raschen Schritten verbreitende Christenthum bot allerdings einen das Gemüth erfüllenden Ersatz für die Mythen in den römisch-griechischen Ländern. Es ist daher doppelt unbegreiflich, warum hier der asiatischen Welt und der Umgebung, wel-'