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Israelitische Annalen · 1840-12-11 · Heft 50 (11.12.1840) · p. Seite 418

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 50 (11.12.1840)
Date
1840-12-11
Page
Seite 418 (sequence 6)
Language
German
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418 dem täglichen Beginn des Unterrichts mit der allgemeinen Morgenandacht auch dieses Gebet für Se. Majestät den König, als Landesherrn, in angemessener Weise verrichtet werde. K. Regierung von Mittelftanken, Kammer des Innern. In Abwesenheit des Präsidenten. Hussel, Dir. Gebet I. Für die jüngere Klasse der Schüler. Allgürigcr, himmlischer Vater! segne unfern huldvollen, gerechten und frommen König Ludwig I.! Verleih' Ihm noch ferner Deine Gnade und Deinen göttlichen Schutz; erhöre Seine frommen Wünsche und Bitten, und gieb Ihm, dem Beschützer der Religion und Tugend, ein langes hochbeglücktes Leben, auf daß er in Weisheit und Gottesfurcht noch lange die Völker beglücke, die du. Allmächtiger, Seiner väterlichen Regierung anvertrauet hast. Amen. H. Für die ältere Klasse und Feierlagsschüler. Allgütiger Vater, der Du, um Frieden, Ruhe und Ordnung auf Erden zu erhalten, fromme Könige einsetztest, die Völker in Deinem Namen und nach Deinem heiligen Willen zu regieren. Dir danken wir in tiefster Demuth, daß Du uns Deinen frommen Diener Ludwig l. zum König und Herrn gegeben, dessen väterliche Regierung und weise Gesetze, Tugend und Gottesfurcht, Wohlstand und Ruhe verbreiten. Gerechter Vergelter des Guten, sei Du sein Schild und Schirm, daß ihm kein Unfall und Leid widerfahre; verleih' Ihm ein langes glückliches Leben, daß er zu Baicrns Heil noch lange regiere; laß Seine weisen Unternehmungen gelingen; segne Seine Anstalten und kröne Ihn noch ferner mit Ehre nnb Ruhm. Erwecke und erstarke, o Gott, unfern Sinn, daß wir nach Deinem Gesetze leben, got csfürchtige Israeliten, gute, nützliche Bürger und treue Unterthanen werben; laß uns durch unerschütterlich feste Anhänglichkeit dem Vaterland gehorsam und dankbar bezeugen. Dazu helf uns Gott! Amen. Ein Schreiben aus Berlin meldet noch Folgendes: Im Großherzogthum Posen beginnen ebenfalls die Fortschritte merklicher zu werden. In Wolstein ist an der Stelle des verstorbenen Rabbinen ein junger Mann, Hr. Gebhard, von tüchtigen Universitätsstudien angenommen worden. In Kurnik denkt man ebenfalls daran einen Studirten anzustellen. In Czarnikow an d. Netze will man den alten Rabbinen pensioniren, um einen jüngern anzunehmen, welchem die Zeilmreressen nicht ftemd sind. In Posen hat sich wieder der gebildetere Theil, dem das Wohl der Frauen und Kinder am Herren liegt, erhoben, und dringt auf Anstellung eines Predigers, während man dem Rabbiner seine Functionen belassen will. Diele kleinere Gemeinden theilen den Wunsch, tüchtige Männer an die Spitze der Synagoge stellen zu können. In den Elementarschulen fangen die Lehrer an, sich mit dem Religionsunterrichte zu befassen; nur ist zu bedauern, daß das weibliche Geschlecht daran keinen Theil nimmt und baß die Rabbiner es nicht verstehen, eine Prüfung darüber abzuhalken. (Nölhige Bemerkung.) Die letzte Zeile der vorigen Correspondenz aus Berlin S. 411. Sp. 1. ist aus Versehen unter Lemberg eingeruckt. ' L iteratur. Das Leben der Patriarchen. Erbauungsschrift für gebildete Israeliten von vr. Hermann Sommerfeld, Prediger bei der Israel. Gemeinde zu Elbing. Elbing 1840 bei Neumann Hartmann. 254 cs. gr. 8. Der Verfasser dieses Merkchens ist uns bereits durch seine Predigtform bekannt, welche unsrer Ansicht nach genau den rechten Ton trifft, den Ausdruck populär und doch aus der edeln Sphäre wählt, und die Gedanken ansprechend zu ordnen weiß. Zum Abfassen eines Erbauungsbuches besitzt er augenscheinlich bas Talent, und was viel sagen will, den rechten Takt, um den angeregten Betrachtungen, ohne andächtelnde Frömmelei bei einfachen Gemüthern die wirksame Theilnahme zu verschaffen. Schriften dieser Art sind jetzt noch nicht zahlreich, und das Bedürfniß derselben fängt erst an, sich fühlbar zu machen; wir wagen es aber vorauszusagen, daß kaum ein derartiges Buch sich werde Bahn gebrochen haben, als schon eine ganze Fluth ähnlicher Schriften nachstürzen, die gleich den Meereswogen einander verschlingen werben. Jeder Landschullehrer wird diese Arbeit für leicht halten, und sich mit erbaulichen Betrachtungen in die Familien einführen wollen, zumal die Literatur der Predigten bereits nicht mehr Eingang findet, weil man schon die zu machenden Ansprüche besser kennt. Um so mehr möchten wir hier einige Grundzüge guter Erbauungsschrifien entwerfen, um die Leser vor dem allzustarken Andrang des hervorbrechenben Gewässers ein wenig zu warnen. Erbauungsschriften, wie wir deren bedürfen, sind nicht nach dem allgemeinen Maßstabe der Stunden der Andacht ober sonstiger für die große Masse berechneter Werke zu verfertigen, sondern das Bedürfniß der Israeliten als solcher muß in's Auge gefaßt werben. Bei diesen wird nicht eine Unkunde vorausgesetzt, wohl aber Unklarheit der Begriffe, nicht eine Gleichgültigkeit gegen das Religiöse (denn wo diese durch weltliche Bildung eingetreten ist, hören die Erbauungsschriften gänzlich auf zu wirken) sondern ein Schwanken in dem was eigentliches religiöses Moment sei, nicht der Leichtsinn und das Laster, sondern eine Unlust, sich mu dem Religiösen zu beschäftigen, weil es den Geist nicht genug in Thäligkeit setzt. Endlich darf man annehmen, daß sehr häufig die religiösen Eigenthümlichkeiten eine Verkennung des weltlichen Lebens zur Folge hat, bald einen fanatischen Eifer entzündet, bald ein Haschen nach jedem glänzenden Schimmer einer Reform erzeugt, bald auf die Erziehung einen einseititigcn Einfluß übt, und mancherlei Verhältnisse aus ihrer Lage rückt. Der Verfasser eines Volksbuches, das erbauen soll, hat sich daher die Aufgabe zu stellen, wie er den Minbersetbstständigen die Anleitung geben soll, alle solche Verhältnisse richtig zu ordnen, mit sich selbst über religiöse Lehren, Gesinnungen, und die entsprechende Handlungsweise einig zu werben, und neben der Befriedigung der gemüthlichen Sehnsucht, auch mit sicherm Schritt durch's Leben zu wandeln. Angeknüpft muß alles werden an die Wurzel religiöser Erkenntniß. die h. Schrift, woraus die Pflicht entspringt, die Auswahl so zu treffen, daß sie recht fruchtbar an Gedanken sei, und baß der religiöse Geist, welcher in der h. Schr. sich offenbart, immer hell herausleuchte und nickt verdunkelt werde von den oft aus den irdischen Gebrechlichkeiten entlehnten Bildern, Schilderungen und Vorstellungsweisen. Diese Aufgabe ist schwierig. Es tritt hiezu noch eine andere Aufgabe, nämlich die Einflechtung historischer Erinnerungen, welche überaus wichtig sind für die Erkenntniß der Bestimmung Israels, als auch für die Würdigung der Gegenwart und für die Betrachtung des Individuums als Theil oder Mitrepräsentant der Gesammtheit, die durch eine so eigene Geschichte in der Welt ihre besondere Stellung einnimmt. Außerdem versteht sich's von selbst, baß eine gewisse Symbolisirung der religiösen Gebräuche von hoher Bedeutung für die Erbauung ist. Das vorliegende Werk erfüllt freiltch noch nicht alle diese Wünsche, aber es bahnt sich den Weg, und wahrscheinlich wird dessen Verf. noch die minder angebaueten Theile dieses

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