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Israelitische Annalen · 1840-12-11 · Heft 50 (11.12.1840) · p. Seite 417

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 50 (11.12.1840)
Date
1840-12-11
Page
Seite 417 (sequence 5)
Language
German
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417 Sie können überzeugt sein, daß.ich von Ihrer Ausgabe des rQtt'ri max keine Kunde hatte, sonst hätte ich e»n anderes, bisher nicht edirtes Merkchen statt besten geliefert. Der Fehler des Datums thut mir sehr leid, und wären nicht bereits über 200 Exemplare des Merkchens ausgegeben, so würde ich den Titel von neuem drucken lassen. Ich bedaure sehr, daß ohne meine Schuld etwas Ihnen Mißfälliges geschehen ist. Im Uebrigen enthält die erwähnte Sckrift moralische und philosophische Bemerkungen zu jedem Wochenabschnitt des Pentateuchs und verdient gelesen zu werben. Es ist erschienen in der Druckerei des Ott ölen g hi. Gentilomo ist schon seit 2 Jahren tobt. Dieser hat, so viel ich weiß, niemals thalmubische oder kabbalistische Werke gedruckt, wie der Orient Nr. 37 behauptet. Gentilomo gab die von ihm übersetzten Psalmen, ferner bas Gebetbuch, ebenfalls von ihm selbst übersetzt, und das nach italienischem Ritus, welches ich übersetzt habe, heraus. Er hatte auch eine kleine hebräische Sprachlehre von mir angefangen, aber die Arbeit ward durch seinen Tod unterbrochen. Wenn in Livorno nur thalmubische und kabbalistische Werke erscheinen, so hat das seinen Grund in der Nähe Afrika's, wo man dergleichen Schriften liebt; in Toskana selbst ist die hebräische Literatur ganz ausgestorben. Gentilomo wollte etwas zu deren Wiederbelebung thun, ward aber in der Blüthe seiner Jahre hingerafft. Um so merkwürdiger erscheint es, daß eine deutsche Zeitschrift diesen Mann als den Begünstiger thalmudischer und kabbalistischer Studien darstellt, ihn, welcher wegen ungenügender Kenntniß der thalmubische» Literatur in unserm Collegium abgewiesen worden und nicht den Grad eines Radbinen erlangen konnte. Die Blätter des Examen rigorosum, dem er sich zu unterziehen hatte, zeigen seine Unkunde in diesem Fache; er konnte das Fähigkeitszeugniß nicht ansprechen, und begab sich hierauf nach Livorno, wo er erst Hauslehrer war und dann eine Druckerei anlegte. — Mit Kabbala hatte er sich früherhin ein wenig beschäftigt, aber er trat ganz auf die Seite der Rationalisten über. Ich war ihm innigst befreundet, obwohl unsere Ansichtenvöllig bivergirten, und bedauere nur, daß das Verbot der Einführung auswärts gedruckter Werke mir den Wunsch versagt, seine Ausgabe der Psalmen zu besitzen. Seltsam genug muß ich ihn jetzt (risibils dict») gegen den Vorwurf, er habe durch, seine Presse den Mysticismus bestärken wollen, in Schutz nehmen! — Sonst glaubte ich, daß es, um Artikel für Zeitschriften zu verfassen, genüge die Büchertitel zu lesen, jetzt aber sehe ich, daß man sich auch diese kleine Mühe nicht einmal geben mag, und leichtsinnigerweise einer Offizin Ausgaben beilegt, die auf der Stirn ganz andere Namen tragen. Und da will man mir noch Unrecht geben, wenn ich die Schule der Aufrichtigkeit und Wahrheitsliebe anempfehle und rühme! Man höre die Worte eines Bewunderers der entgegengesetzten Richtung: „Ueber die Druckerei in Livorno wirb sehr geklagt, daß sie nur kabbalistische und thalmubische Werke druckt. aber der Besitzer ist Gentilomo, ein ehemaliger Zögling aus dem Collegium Rabbinicum, wo man Maimuni und Aden Esra nicht sehr achtet!" Wenn ich sehe, wie meine Zeitgenossen so dreist ohne alle Sachkenntniß schreiben, muß ich da nicht immer mehr die Ueberlegenheit der Schule der Aufrichtigkeit über die der Eitelkeit empfinden? Wer auch immer der kecke Verfasser der angeführten Zeilen sei (und ich glaube ihn zu kennen, und sogar ihm mehr als einmal geschrieben und Unterstützung gewährt zu haben) so muß ich mich doch sehr wundern, wie bje achtbare Redaktion einer so argen Verläumdung hat einen Platz einräumen können!*) S. D. L. Aus Mättelfranken in Baiern. — Im Laufe dieses Jahres sind den christlichen Schulen Mittelfrankens Seitens der allerh. Stelle mehrere, durch die zuständigen gericht; lichen Behörden verabfaßte Gebete für den König zugesandt worben. Die königl. Regierung von Miltelfranken, von welcher man in Wahrheit sagen kann, baß sie die israelitisch-deutschen Schulen bei allen vorkommenden Fragen materieller und geistiger Natur in gleiche Erwägung mit den christlichen nimmt, hat bei dem Mangel einer israel. Oberkirchenbehörde, mehreren Rabbinaten die Einsendung solcher Gebete für israel. Schulen befohlen und die eingegangnen Arbeiten dem königl. Staatsministerium zur Prüfung und Genehmigung vorgelegt. — Durch nachstehenden allerhöchsten Erlaß ist den desfallsigen Formularen des Distriktsrabbrners in Schnaittach der Vorzug gegeben worben. Wir theilen solche den Lesern dieser Blätter mit. Ansdach, den 24. Oct. 1840. Im Namen Sr. Majestät des Königs. Nach einer höchsten Ministerial- Entschließung vom 8. v. M. ist unter den von Seite mehrerer Rabbiner in Mittelfranken vorgelegten Gebeten für Se. Majestät den König, das vom Distrikts-Rabbiner in Schnaittach angefertigte als das zur allgemeinen Einführung in den israel. Elementar- und Religionsschulen geeignete erkannt worden. Den einschlägigen Distriktsschulbehörden wird daher im Anschlüsse ein Abdruck des allerhöchst genehmigten Gebetsformulars unter dem Aufträge mitgetheilt, sogleich anzuordnen, daß in allen israel. Schulen ihres Distrikts vor *) Wir haben diese polemische Stelle, und zwar so mild als möglich übertragen, aufnehmen müssen, weil in der Thal der angezogene Artikel einen literar-histonschen Irrlhum enthält, der aufgebeckt werben muß. Andrerseits mag es dahin gestellt bleiben, ob man jenen Zeitungsbemerkungen eine so große Bedeutung beizumessen habe, daß nach ihnen der Werth der einen ober der andern Schule bestimmt werden könne. Oft sind die Verfasser solcher Artikel weder der einen noch der andern zugethan, ja noch öfter gar nicht mit deren Wesen bekannt, und schreiben eine Bemerkung siüchtig hin, ohne sonderlich um deren Wahrheit bekümmert zu sein. Was daher unser gelehrter Corresponbent daraus schließt, möchte nicht daraus zu folgern sein, aber gewiß pflichtet ihm ein jeder bei, wenn er größere Gründlichkeit, Sachkenntniß und Wahrhaftigkeit fordert, Eigenschaften, die unerläßlich sind, wofern die Zeitschriften einigen Werth haben sollen. Die Redak.

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