Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 50 (11.12.1840)
- Date
- 1840-12-11
- Page
- Seite 416 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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416 Frankfurt am Main, Der. 1840. — Dem Herrn > Adolph Cremieur ist folgende von einer großen Anzahl achtbarer Männer hiesigen Ortes und mehrern auswärtigen Gelehrten Unterzeichnete Addresse überreicht worden. (Eine ähnliche ist, dem Vernehmen nach, mit den respectiven Abänderungen, für Sir Moses Montefiore bestimmt.) An Herrn Adolph Cremieur bei seiner Rückkehr aus dem Oriente. Sie kehren von einer Reise wieder, deren Zweck zu den edelsten gehört, welche Biedermänner sich vorsetzen, welchen Freunde der Menschheit nachstreben können. Es galt dem Fanatismus und der Bosheit ihre Beute zu entreißen, eine Verläumdung zu beschämen, die so unsinnig sie auch ist, doch die blutigsten Folgen hervorgebracht hatte, die Unschuld zu befreien, der Wahrheit den Sieg zu erkämpfen. Es galt eine schwache Minderzahl zu vertreten, deren Schicksal es seit Zahrtausenden zu sein scheint, als erstes Opfer zu fallen, wenn Finsterlinge die Dummheit zur Hülfe der Bosheit aufrufen, um die blinden Leidenschaften der Menge aufzuregen. Es galt gegen die Barbarei für das Recht, gegen den Wahnsinn für die Vernunft, gegen die Finsterniß für Licht und Wahrheit, gegen Lieblosigkeit für Menschenliebe zu streiten. Cs galt diesen Kampf in Landen zu führen, wo die Folter das Recht in Unrecht zu verwandeln weiß, und die schüchternen Anfänge einer von Europa eingebrachten Bildung von Leidenschaften bekämpft und erstickt werden, die, nicht minder von Europa eingebracht, leichter Wurzel fassen als die zarte Pflanze der Cultur und Humanität. Cs galt den Gefahren, welchen das Vaterland der Pest, so wie den weit größer» Gefahren zu trotzen, denen die Rache entlarvter Bösewichter aussetzt. So vereinigte sich in dem Ziele, für welches sie so kräftig mitgewirkt, die schönste Aufgabe des menschlichen Herzens: mit eigener Gefahr zu kämpfen für die Schwachen und Unterdrückten, mit der edelsten Aufgabe des menschlichen Geistes: die Lüge zu bekämpfen, die Wahrheit zu vertreten, den Fortschritt zu fördern. Dank sei es dieser edeln Hingebung, unterstützt von den kräftigen Verwendungen europäischer Mächte! Die Unschuldigen sind großentheils gerettet, ihr Blut der Grausamkeit ihrer Henker entzogen, sie selbst dem Leben, der Freiheit, ihren Familien wiedergegeben. Konnte auch die Gerechtigkeit ihren vollen Triumph noch nicht feiern, so ist die Bosheit doch beschämt, die Lüge erkannt und ein großes Beispiel gegeben, das Früchte tragen wirb nach vielen Richtungen hin. Sie haben diesem Siege des Rechts und der Wahrheit den Sieg der Civilisation beigefügt. Unfern Glaubensgenossen in Aegypten fehlte die beste Waffe gegen die Ungerechtigkeit, der kräftigste Schild gegen die Ungebühr: Bildung, und Wissenschaft, welche der Gerechtigkeit eine Sprache verleihen, dem Unrecht den Spiegel Vorhalten, den Crscheinun-! > gen der Zeit, Mit- und Nachwelt zu Zeugen geben, der Wahrheit den Sieg versichern, die Lüge vor sich selbst erröthen machen. Sie kamen, ein Kämpfer für das Recht, und Sie gingen, nachdem sie zugleich die Saat der Bildung und der Erkenntniß ausgestreut. Zu allen Zeiten haben Sie das Wort der Wahrheit, die Sprache der Begeisterung der heiligen Sache der Menschheit, der Liebe und des Fortschritts geweiht. Darum kämpften Sie zu Nimes für Protestanten wie für Israeliten, je nachdem die Unduldsamkeit gegen diese oder jene gerichtet war. Zn ähnlichem Sinne haben Sie in Colmar gewirkt und Zhr beredtes kräftiges Wort hat der guten Sache da wie dort den Sieg gesichert. Wir können uns nicht versagen, Ihnen den innigsten Dank auszusprechen für das, was Sie gefördert, gewirkt und gewollt, für Ihre edle Sorgfalt, für Licht und Wahrheit, für Fortschritt und Recht. Wir fühlen das Bebürfniß, Zhnen zu sagen, daß Ihre Glaubensgenossen und alle Freunde der Menschheit Zhr edles Streben zu schätzen, zu würdigen und zu lieben wissen. Znnigst freuen wir uns. Sie in unfern Mauern zu wissen; aber wir haben diesen Augenblick nicht erwartet, um Ihrer in Liebe zu gedenken. Längst hallten unsere Tempel, unsere der Andacht geweihten Stätten von den Namen der ehrwürdigen Männer wider, welche für die Sache der in ihren Glaubensgenossen unterdrückten Menschheit nach dem Oriente gezogen, von Gebeten an den Allgütigen, daß er die Fülle seines Segens über sie und ihre Sendung ergieße! — Gott, der Vater alles Guten lohne Zhnen durch Verbreitung des Guten! Mögen die Vorurtheile, welche den Geist so vieler Menschen umdüstern, die Lieblosigkeit, welche das Herz so Vieler verhärtet, be^ fortschreitenden Einsicht und Bildung weichen! Möge es nie wieder solcher Opfer, solcher Kämpfe bedürfen, um dem Unsinn zu begegnen, die Bosheit zu besiegen! Möge der Geist der Liede, der Geist wahrer Religiosität die Menschheit immer mehr burchdringen, und Rückschritte fortan zur Unmöglichkeit machen! Nachrichten und Correspondenzen. Padua, 16. Nov. 1840. — Neulich hat Piperno, Rabbiner zu Livorno ein Bändchen herausgegeben, welches ent-! hielt 1) onENCn mzo ein bisher noch nicht edirtes Werk! des Arztes Nathan b. Samuel, welcher um 1300 lebte, s. d6 Rossi Cod. 1108. 2) Das Schriftchen m.1N von Aden Esra, welches ich schon im 4. Band des K. Ch. hatte abbrucken lassen. Piperno, ein Mann von altem Schlage, wußte von diesem Abdruck nichts. Da er indeß die Zahrzahl seines Buches durch das Wort -prßiyö =600 (1840) angiebt, aber aus Unachtsamkeit des Correctors das zweite Zod ausgefallen ist, so könnte dieß leicht den Zrrthum veranlassen, als sei das Werk des Piperno zehnZahrefrüher { erschienen, und lange vor meiner Edition. Zch schrieb beßjl halb an Piperno, und er antwortete mir vorigen Sept.: