Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 49 (4.12.1840)
- Date
- 1840-12-04
- Page
- Seite 411 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3133765-3133820-3133870--0940-3135134- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
411 anderer sank in ein finsteres Meer hinab! da kann niemals eine Aussöhnung bewirkt werden, und käme ein Vermittler vom Himmel herunter, so würde er nichts ausrichten und nur beiden Partheien verhaßt sein. Darum ist es besser, baß einer Spaltung vorgebeugt werbe, und dies geschieht durch ein weises Verhalten derer, die an der Spitze stehen, und die nicht dulden, daß man nach irgend einer Seite hin zu weit gehe, dadurch werden die Abwendigen allmählich wieder für die gute Sache gewonnen. Diese neue Gemeinde oder vielmehr der Tempelverein wird ohne Zweifel kräftig blühen, denn in ihm zeigt sich ein regsames Leben und wahres Streben zum Heile der Gesammtheit, während die Gegner desselben, und es giedt ja bei jedem ebeln Unternehmen auch böswillige, denen es miß-. fällt, bloß weil es entsteht, nicht gerade störend einwirken, wie denn überhaupt bei der ältern Parthei mehr Schlaffheit herrscht. Die angeseheneren Familien, unter andern der wackere Rachmiel Mieses mit seinen Freunden unterstützten diesen Verein und selbst die mittlere Klasse tritt ihm größten Theils bei. Die Cbassibim find natürliche Feinde der neuern Einrichtungen; dessen ungeachtet haben einige derselben doch anständige Beiträge gegeben. Freilich finden sich Geizige, welche ihre Rückhaltung mit Prinzipen entschuldigen, und sich an eine entgegenstehende Menge halten, um dem Vorwurf zu entgehen und zugleich sich eine gewisse Geltung zu geben; andere bleiben völlig indifferent, und das Wohl und Weh des Ganzen kümmert sie nicht. Dennoch wird man auch diese von der Wohlthängkeit des Unternehmens überzeugen und hofft bann auch sie für die Sache zu erwärmen. Alle Mitglieder des Vereins haben sich feierlich verbunden, diesen Gegenstand mit dem größten Ernste auch im profanen Leben zu behandeln, und sich alles Scherzens und Witzelns darüber zu enthalten. (Letzteres ist sogar, wegen der Neigung so vieler zur Satyre. mit 25 fl. Strafe belegt worden.) Bis jetzt sind bereits 20,000 fl. C. M. zusammengedracbt, und die Subscription ist noch nicht geschlossen; man hofft auch, von der Liberalität vieler edeln Häuser aus Broby unterstützt zu werden. Nächsten Sommer, so Gott will, gedenkt man den Grundstein zu diesem Neubau zu legen, bis dahin wird man ein besonderes Lokal zum Gottesdienste miethen. Der berühmte Hr. Sulz er in Wien, welcher mit seinem ausgezeichneten musikalischen Talente den dortigen Gottesdienst so sehr verherrlicht, hqt sich erboten, auf eigene Kosten hierher zu kommen, und den Chor einzuüben, um seinerseits das Gute zu befördern. So steht es jetzt. Der Herr gebe seinen Segen dazu. B. 2- Lemberg, October. — Nächstens erscheint die Abhandlung des ür. Zunz über Kasein, aus der Zeitschrift für Wissenschaft des Judenthums (1822 u. 23) von Herrn S. Bloch, rühmlichst bekanntem Verfasser der Geographie, in's Hebräische übersetzt, und mit vielen gelehrten Bemerkungen erweitert. Diese Arbeit ist schon über 15 Jahre alt. und nur besonderer Rücksichten wegen noch nickt gedruckt worden. Eine ausführliche Vorrede besagt das Nähere, auch weis't sie verschiedene anonym auf den Verf. gerichtete Angriffe würdig ad und beantwortet dieselben gebührend. Alles unter dem Gewände der Freundschaft, während indessen der Sachkenner die Winke versteht. Wäre diese Abhandlung früher erschienen, so hätte Herr B. Blumenfeld vielleicht die richtige Methode gefunden, die Witzeleien des Mehlsak gegen Zunzens Werke besser zu würdigen und auf ihren wahren Werth zurück zu führen. Der Vorsteher Dr. Veit sprach mit Kraft und Wärme. Berlin. — Am I8ten Nov. ist das israelitische Sckul- Lehrer-Seminar, welches Herr vr. Zunz leiten wird, feierlich eingeweiht worden. Auch Herr Dr. Geiger betritt nun wieder seine literarische Laufbahn mit der Fortsetzung der theologischen Zeitschrift, welche in ihren ersten vier Jahrgängen sich vielfältigen Beifalls zu erfreuen hatte, und nicht wenig zur Gründung einer andern Ansicht der jüdisch-theologischen Studien beigetragen hat. Ohne Zwetfel werden jetzt gediegenere Arbeiten dieses treffliche Unternehmen auszeichne» und die vielen neu herangereiften für tüchtige Wissenschaft, lichkeit begeisterten jungen Männer sich demselben anschließenunb durch gemeinsame Anstrengungen die jüdische Theologie zur Wissenschaft erheben. Möge die Zeitschrift recht kräftig aufblühen und gebührende Anerkennung finden. Berlin, 22. Nov. — Der schon feit mehr als einem Jahre projeclirte Cultur-Verein zur Beförderung wissenschaftlicher und künstlicher Bestrebungen unter den Juden, wird nunmehr in's Leben treten. Die Statuten desselben sind bereits höher» Orts genehmigt. Das Comite, welches denselben interimistisch leitet, besteht aus 1v würdigen Männern (den vvr. MI. Auerbach, Stern und Zunz, Dr. jur. Rubo, DDr. med. Bruck, Joel, Steinkhal, und den Vorstehern I. Lehman und I. Muhr, so wie dem Hrn. Leffer, als Dichter unter der Chiffer Ludwig Lider bekannt) Bereits sind über 100 beitragende Mitglieder unterzeichnet, und man darf sich von der Wirksamkeit des Vereins viel Gutes versprechen. Literatur. Iran pin Gebete un- Gesänge zum Gebrauche bei -er öffentlichen Andacht der Israeliten rc. von L. Stein. (Schluß.) In dem Gesänge Nr. 13 vor dem Blasen ist die Dersification leicht. Aber: „Und laßt den Sünden lauf!" ist undeutlich, st. verlaßt. — Hiernach liefert der Df. einige neue hebräische Gebete, statt der kabbalistischen, die bisher üblich waren. In dem ersten dürsten die Ausdrücke so wie cTDosn jnpm besser durch andere ersetzt werden; auch tyDVtf 22^? will uns nicht Zusagen. Warum überhaupt die 1 Sing, mit dem 1 Plur. wechselt, ist nicht abzusehen. — Das mittlere Gebet bewegt sich ebenfalls selbst in der Kürze schwerfällig. Wenn schon Gebete gedichtet werben, so darf man wohl auf einen erhabenen Styl und logische Anordnung rechnen. Beides vermissen wir hier. Die Uebersetzung ist ftei gehalten und mindestens besser als das Original. Dagegen wird man den Gesang nach der Handlung in jeder Beziehung rühmen müssen, und ist ihm eine recht angemessene Composition zu wünschen. — Es folgt wieder eine Bußbetrachtung vom Kaliri, recht gut metrisch übertragen, doch mit etwas zu großer Licen; im Rhythmus, wie auch im Ausdruck. Nr. 15 ist bereits aus den „Stufengesängen" des Vf. bekannt. Nr. 16. 17. 18 bilden die drei Gebete, das Reich Gottes, das Gedächtniß und die Stimme Gottes, in deutschen Alexandrinern kunstvoll nach. Wir finden hier nichts zu erinnern, außer daß bas Metrum vielleicht nicht feierlich genug erscheint. Zahlreiche Anmerkungen erläutern den Inhalt, und werfen auf die Quellen hin. — Eine bedeutende Härte enthält der Vers S. 68. Wird einst das schwache Herz die Schuld nicht mehr bethören. Verschließen nicht das Öhr, um Gottes Stimm' zu hören rc. Wer verschließt? die Schuld verschließt das Ohr, um zu hören! Dieß ist offenbar höchst undeutlich. 19. 20. 21 behandeln denselben Stoff in Prosa, recht populär, klar und gemüthlich. Den einleitenden Gesang zum Vorabend des Versohnungstages kennen wir bereits. Er ist vortrefflich gedichtet; die Musik dazu hat Herr I. M. Ochs nach der altherkömm-