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Israelitische Annalen · 1840-11-27 · Heft 48 (27.11.1840) · p. Seite 403

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 48 (27.11.1840)
Date
1840-11-27
Page
Seite 403 (sequence 7)
Language
German
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403 Wolfs in Copenhagen (einen tüchtigen Mann, wie er ihn nannte) kenne!unb mit ihm in Verbindung stehe? und entließ sie dann mit den Worten: „Ich werde Ihr Bestes wahrnehmen!" — Alles deutet darauf hin, daß es des Königs ernstlicher Wille ist, eine Umgestaltung vorzunehmen. und auf jeden Fall sehen wir einer bessern Zukunft entgegen. *) Wilna, Ende Septemb. — Vor dem Versöhnungstage versammelten sich hier auf Befehl der Regierung die deputirten Hebräer aus den Gubernien, Minsk, Brisk, Hrodno, Wilna. Der Gegenstand ihrer Berathung ist, wie die Schulen der Juden zu verbessern seien. Es soll nämlich der Unterricht in der russischen Sprache und in noch andern neuern Sprachen, so wie in andern gemeinnützigen Kenntnissen eingeführt werden. Es soll ferner ein einsichtsvoller und gebildeter Oberraddiner gewählt werden, welcher im Stande sei. die Hebräer bei der Regierung zu vertreten, und insbesondere fähig über Wissenschaft und Kultur unsrer Zeit ein Urlheil adzugeben. Zwei Männer aus Wilna, Herr N. Rosenthal und Herr H. Kl acki, glühen von Eifer, Bildung zu befördern, so daß fast besorgt wird, sie dürften allzufrüh unmäßige Ansprüche machen, und die Früchte zu eilig zeitigen wollen, so daß leicht die Projekte mißlingen dürften. Sie behaupten, es sei dringend nolhwenbig, als Oberrabbinen einen der berühmtern Gelehrten zu berufen, und weil sie im Lande keinen tüchtigen Mann zu finden wähnen (vielleicht weil der Prophet in der Heimath nicht erkannt wird) so richten sie ihr Auge auf Männer des Auslandes, welche bei deutscher Gelehrsamkeit auch thalmudische Kenntnisse besitzen. Es ist aber jedem Verständigen einleuchtend, daß in einer Zeit, wo hier noch die Wissenschaft so tief steht, kein Gelehrter dieser Art mit Glück wirken würde; ein solcher fände nicht die gehörige Autorität, und die Wissenschaft selbst würde durch die entstehende Spaltung nnr noch tiefer sinken. Gesetzt auch, es sammelte sich eine kleine Schaar Anhänger um einen solchen Oberrabbinen, so würden sich doch alle diese völlig isolirt sehen, und es würde nimmer ein gegenseitiges Vertrauen statt finden. Zudem steht auch nicht zu erwarten, daß lauter Wohlgesinnte sich dem Vereine des Gebildeten (wie sie sich gern nennen) anschließen werden, vielmehr suchen die meisten nur Befreiung von jeder religiösen Satzung, nicht aber die Beförderung des Gemeinwohls, indem sie die Bildung selbst nur im Abschaffen des Lästigen sehen, nicht aber in kräftiger Einflößung religiöser Gesinnung. Man kann daher nur hoffen, daß die Deputation sich jeder Uebereilung enthalten und vielmehr danach streben werde, aus den Landes-Eingebornen diejenigen Männer zu ermitteln, welche den im Lande herrschenden Geist näher kennen und zu lenken verstehen; es fehlt hoffentlich noch nicht an tüchtigen Männern, welche das Vertrauen ansprechen. — Nächstens ein Mehreres hierüber. Aegypten. — Neuern Nachrichten zufolge shat Herr Cremicux in Cairah zwei Schulen errichtet und sie gut zu unterstützen versprochen. L iteratur. Vortrag zur Feier der Huldigung Sr. Maj. des Friedrich Wilhelm IV., gehalten am Hüttenfefte des Jahres 5601 (18. Oktober 1840) in der Gemeinde-Synagoge zu Berlin, von vr. Zunz. Berlin. Veit nnd Comp. 13 S. 8. Eine Predigt zur Huldigungsfeier ist etwas Leichtes oder Schwieriges, je nachdem der Redner sich seine Aufgabe stellt. *) Aehnliche Erwartungen schöpften wir bereits aus der zu Kiel bei Baumeister und C. erschienenen Predigt am Krönungstage .... gehalten zu Glückstabt von Dr. Heilblut, Rabbiner; welche hauptsächlich die Verhältnisse der Israeliten in's Auge faßt. Wir machen hiermit auf dieselbe besonders aufmerksam. D. H. Gemeinhin findet er so viele Phrasen vorräthig, daß nur noch allerlei Redesiguren und Floskeln eingelegt zu werden brauchen, so ist die Rede fertig, sie macht etwas Geräusch durch hochgegriffene Worte, wirkt auf die festlich gestimmten Zuhörer angenehm, weil sie hören, was sie wollen, einige Lobeserhebungen, einige Anregungen, und allenfalls einige Hoffnungen. Don solcher alltäglichen Art ist die vorliegende Predigt — denn das ist ihr Name, wenn er auch, Gott weiß warum, verpönt ist — keinesweges. Eine Predigt des Dr. Zunz in der Synagoge hat schon an und für sich eine ernstere Bedeutung; die bloße Thatsache ist durch die bisher vorherrschende verkehrte Ansicht, daß in der Berliner Synagoge nur das elende geradebrechte Halddeutsch, das sich vom Jargon-Roste nicht losmachen kann, heilig und zulässig sei! historisch geworben, — denn man hat einmal wieder reines Deutsch, klare Darstellung', logische Ordnung in der Synagoge vernommen! Und der Inhalt dieser Predigt ist bei aller Einfachheit der Sprache und der Form ganz dazu geeignet, weiter fortzuwirken, und hat somit noch bleibendern Werth. Sie hat zum Texte Jes. 42, 1. 3 und knüpft sehr angemessen das Hüttenfest an das Fest des Thrones, als ein recht prägnanter Gegensatz. Ihr Thema: 1) Was wir erwarten, 2) was wir erlangen und 3) was wir geben. Diese Punkte veranlassen überall scharf gezeichnete Beziehungen auf innere und äußere Verhältnisse anzudeuten, die der Redner, stets die Festlichkeit im Auge haltend und darum nichts allzugrell ausmalend, mit der bekannten Rundung seines Ausdrucks so bemerkbar und in einem so klaren Lickte vorführt. Die Gedanken werden ruhig entwickelt, die Wünsche geregelt, die Anregungen in's Bestimmtere detaillirt. Was Noth thut, ist genügend nachgewiesen. Wir hoffen, daß diese nickt auf ganz steinigen Boden ihre Saaten gestreut haben werbe. Der Geist der thalmudischen Auslegung der Bibel. Von Dr. H. S. Hirschfel-. Erster Theil. Halachische Exegese. Ein Beitrag zur Geschichte der Exegese und zur Methodologie des Thalmuds. Berlin bei Simion, (Athenaeum) 1840, XII und 484 S. gr. 8. Wir haben in Nr. 46 der Annalen von dem allgemeinen Eindruck, welchen dies Werk auf uns gemacht hat, Rechenschaft gegeben, und es als Grundlage zu neuen äckt wissenschaftlichen Studien gewürdigt: Eine weitere Beschäftigung damit und Prüfung des Inhalts hat denselben nur verstärkt, wenn gleich wir mit dem Ergebniß uns nicht immer einverstanden erklären möchten. Es sei uns nun vergönnt, hier von dem Werke und seinen Leistungen ausführlicher zu sprechen, da dasselbe schon an sich eine starke Bedeutung anspricht, und außerdem der Anfang zu noch mehreren Werken dieser Art sein soll. In dem Vorwort, welches hauptsächlich dahin abzielt, den Regierungen die Nothwendigkeit eines gründlichen Quellenstudiums in der jüdischen Religionswissenschaft nahe zu legen, sagt der Hr. Vf. weiterhin: „Eine Arbeit, wiedie vorliegende, die die Exegese der Juden in den ersten Jahrhunderten christlicher Zeitrechnung, so weit sie das biblische Gesetz betrifft, ausführlich behandelt und darstellt, wird hvffentjich dem gelehrten Publicum willkommen sein. Denn wenn gleich sie nur, einen geringen Beitrag zur Kennmiß der jüdischen Regligionsgeschickte liefert, so eröffnet sie doch immer die Aussicht in ein bis jetzt ganz unbekanntes Gebiet. Ob es mir gelungen ist, meinen Gegenstand richtig aufzufassen und darzustellen, darüber habe ich kein Urtheil; doch bin ich mir bewußt mit Fleiß und Eifer, ohne jedes Vorurtheil meine Quellen behandelt und durchforscht zu haben." Dann wird endlich noch hinzugefügt: „Schließlich habe ich nur noch zu bemerken, daß in vorliegender Untersuchung mein Standpunkt kein dogmatischer, sondern ein rein-wissenschaftlicher war. Nur in solcher Auffassung kann mein Buch richtig beurtheilt werden." Das Ganze zerfällt in zwei Abtheilungen; 1) die Grundidee und der Geist der thalmudischen Exegese im Allgemeinen,

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