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Israelitische Annalen · 1840-11-27 · Heft 48 (27.11.1840) · p. Seite 404

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 48 (27.11.1840)
Date
1840-11-27
Page
Seite 404 (sequence 8)
Language
German
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404 und zwar insbesondere betreffend die objektive Auffassung der Bibel und die subjektive Meinung und die daraus entstandene Interpretation; 2) die besondern Gesetze der Exegese, in Rücksicht der Hermeneutik, der Folgerungen der Commentation und der Conjectur. — Eine Einleitung gehl voran, in welcher mancherlei allgemeine historische Ansichten aufgestellt werden. In dieser Einleitung wirb nun zunächst das Wort Exegese, als „Ermittelung,Auffindung und Erkennen des Gedachten oder Geahnten" definirt, und darauf hingewiesen, daß in dieser Auffassung des Begriffs eine eigentliche Geschichte der Exegese nicht vorhanden sein könnte, daß aber in der relativen Wahrheit der verschiedenen Exegesen gleich, wohl eine geschichtliche Entwickelung wahrgenommen werbe- — Wir gestehen, daß uns weder diese Definition, welche dem Worte eine bisher nicht geltende Bedeutung giedt, auch den Begriff in der Thal von seiner Stelle rückt, da Exegese immer nur die Auslegung eines gegebenen literarischen Produktes zum Vorwurf hat, nach obiger Definition aber etwas ganz anderes leisten soll, — noch die allzu pretiöse und wirklich sehr complicirte Auseinandersetzung der § §. 1—4, recht zusagen will. Die ganze Sache ist zu einfach, um eines so hochgegriffenen Apparates zu bedürfen. Nichts ist leichter, als den Beweis zu führen, baß die Exegese der heil. Schrift eben wegen des großen Einflusses, den letztere auf Studien und Leben übte, eine Geschichte habe, deren innere Nothwendigkeit, freilich eum grano salis, — denn es ist mit den philosvpisch - historischen Nothwendigkeit der neuern historischen Schule nicht immer so richtig, wie sie vorgiebt — oder vielleicht besser deren genetische Entwickelung sich Nachweisen lasse, so daß jedes Studium seinen Ring in der. Kette bildet, nnd auch für sich selbst ein würdiger Stoff zur geschichtlichen Investigation sein kann. Wozu so viel Weitläufigkeit, und so viel schwer zu fassende Perioden aus der philvsopischen Schule, bloß um einen so einfachen , jedermann verständlichen Satz zu beweisen? — In der That spricht sich der Verf. in §. 5 und 6 recht gut über das Resultat der vorherigen Betrachtungen aus, und dasselbe wird jeder als richtig anerkennen. „Die Geschichte der Exegese ist vom höchsten Interesse; sie eröffnet uns einen liefen Blick in die verschiedenartigsten Richtungen des menschlichen Geistes, eine überraschende Aussicht über die wunderbaren Gestaltungen seiner Ueberzeugungen; ferner zeigt sie, wie der Geist sich nicht durch sich selbst, aus dem Kreise, in yrelchem er sich befindet, herausfinben kann, sondern durch eine höhere leitende Gewalt der Umstände und Verhältnisse, die sich in der Weltgeschichte wunderbar fortspinnen (gelenkt wird?). Sie zeigt es mehr als die Geschichte jeder andern Wissenschaft, weil der Gegenstand ihrer Betrachtung (hier sieht man, daß der Verf. seine obige Definition selbst nicht mehr beachtet), von Menschen gedacht, dem menschlichen Geiste verwandter, vom Menschen ausgesprochen, dem Menschen verständlicher und begreiflicher sein mußte; ein Irrthum also weniger möglich, eine Aberration unwahrscheinlicher sein fdllte, daß dennoch die Gewalt der subjektiven Ueberzeugung über alles siegt, sich gegen alles geltend macht, und auch das starre, stabile Zeichen, das Wort, die selbstgesetzte Bezeichnung seiner Begriffe zu verändern und umzukehren weiß." Sehr wahr; aber das Object der Exegese war eben nicht nachgewiesen worben, und die eben angeführte Stelle hat ihren klaren Sinn nur für die, welche das Wort Ex e g e se in seiner herrschenden Bedeutung verstehen. (Fortsi folgt.) min pwn Gebete und Gesänge zum Gebrauche bei der öffentlichen Andacht der Israeliten rc. von L. Stein. (Fortsetzung.) Die Heiligung, S. 16 ff., inProse, überträgt möglichst getreu das schwierige Original. Auch hier finden wir die Ausdrücke öfters gesucht, z. B. Alles, was eine Seele in sich hat, — warum nicht das schöne: Was Odem hat? „Einen Nachlaß gewähren von der großen Schuld," will uns, obgleich ti im Original steht, nicht ansprechen, die Bil» der sollten aus der Verkehrswelt und ihrer Prosa nicht gewählt werden. „Wenn du zu Gerichte dich niederlässest." Der Richter setzt sich zu Gerichte, und sitzt schon, wenn die Partheien erscheinen. Sich niederlassen paßt also nicht in dies Bild. Eden so in folgenden, ähnlichen Stücken. Da diese die größte Strenge in der Wahl der Worte fordern, so halten wir es für Pflicht, das Unangemessene anzumerken. „Deine Weisheit hat keinen Grund (?) und kein Ende." So: „Dein ist die Erde und was sie füllet ist deiner Füße Schemel." Was sie füllet, kann kein Schemel sein. „Du bist ausgezeichnet unter deinen Schaaren," sehr unpassend. „O Fels! Vollkommen ist dein Werk!" Warum nicht das edlere Hort? „Und die Sünden werden ausgewogen und die Missethaten von Gott hinweg genommen," ist nicht wohl zu rechtfertigen. In dem neuen prosaischen Gebete, S. 23. ff., an sich sehr gut, nur vielleicht zu lange bei emer Idee beharrend, möchten wir nicht sagen: „Laß uns nie vergessen, wie sehr wir dir verpflichtet sind." Cs verstößt gegen die Würde. Desgleichen: „Rechne uns die Freuden des vergangenen Jahres nicht an der Summe unsrer ewigen Seligkeit ab u. s. w." „Rechtfertige, o Herr, unser Vertrauen, erfülle unsre Hoffnungen!" Ist denn andernfalls das Vertrauen eitel? Vortrefflich abgefaßt erscheint uns das Gebet Nr. 12. Nur möchte S. 28. die Wendung: „Gedenke.und mehre ihre Güter . . . ." nicht ganz zweckmäßig sein. Auf irdische Güter soll das Gebet höchstens in der einen Beziehung Rücksicht nehmen, daß dadurch recht viel zum Heil der Dürftigen und zur Förderung der Religiosität und Gesittung gethan werben könne. Als Lohn für bas Gethane darf man irdische Güter niemals betrachten, am wenigsten erflehen! — Auch die hebräischen Gebete, welche solchen Ausdruck enthalten, sind zu tadeln. — (Forts, folgt.) B eantwo rtungen. Seit einiger Zeit bringen unsre Correspondenzen öfters Seitenblicke auf andere Blätter, theils um falsche Gerüchte zu widerlegen, theils um Plagiate zu rügen, ober sonst mißfällige Bemerkungen einzustrcuen. Wir erachten es daher für Pflicht, auf den schon früher ausgesprochenen Grundsatz der Anna-len, jeden derartigen, meist auch sehr unergiebigen Conflict vermeiden zu wollen, wiederum hinzuweisen; hinzufügend, baß wie bisher in Fällen, wo eine Rüge der Sache wegen unumgänglich erscheint, weder das betreffende Blatt noch der Verfasser des zu berichtigenden Artikels namentlich zu erwähnen sind. Alles was der öffentlichen Besprechung nicht würdig ist, bleibt gänzlich auf sich beruhend. Die Redaktion der Israelitischen Annalen. A «zeige. So eben ist bei Heinrich Franke in Leipzig erschienen und in allen Buchhandlungen zu haben: I)r. E. Kley, K atechismu s der mosaischen Religionslehre. Dritte völlig umgearbeitete Auflage. Preis geheftet 12 gr. Druck und Verlag von Johann David Sauerländer in Frankfurt am Main.

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