Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 48 (27.11.1840)
- Date
- 1840-11-27
- Page
- Seite 401 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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401 trag des Hebräischen und seine sonore Tenorstimme werden allgemein gepriesen. Cr ist ein Mann, der einem ausgedehnten Wirkungskreise gewachsen wäre, den ihm auch jeder, so ungern wir ihn hier vermissen, gern wünscht, da die hiefige kleine Gemeinde nicht viel zu leisten vermag. Inzwischen ist es erfreulich zu sehen, daß junge Männer anfangen, ihren Beruf zu erkennen, und denselben zum allgemeinen Wohl auszufüllen. Möge deren Zahl sich mehren und ihr Wirken auch den fruchtbaren Boden finden! Marburg. L. S-d. Hildvurghausen, 14. Oktober 1840. (Schluß).— Zum grammatischen Unterrichte werden im Laufe des ganzen Seminar-Cursus wöchentlich 2 Stunden verwendet. Ferner werben in einer wöchentlichen Stunde praktische Uebungen, theils schriftlich, theils mündlich, vorgenommen. Diese Uebungen sind theils orthographische, theils Uebungen im Uebersetzen aus dem Hebräischen in's Deutsche und aus dem Deutschen in's Hebräische, wobei unter anderm das als treffliches Hülfsmittel erprobte „praktische Elementarbuch zur Erlernung der hebr. Sprache" von Ehrenberg (Berlin 1838) benutzt wird. Auch haben die Zöglinge privatim Analysen und Uebersetzungen aus beiden Srachen zu fertigen. 2) Bibelübersetzung. Da vorausgesetzt werden muß, daß die Zöglinge eine ziemliche Fertigkeit im Uebersetzen leichterer Bücher der Bibel mitbringen, so werden vorzugsweise (Behufs der Vorbereitung vorher bezeichnete) Stücke aus schwierigen Büchern vorgenommen, wie z. B. aus Hiob, Iesaias rc. Das Verfahren ist auch hier in so fern heuristisch, als bei jeder schwierigen Stelle die Schüler durch Winke, Andeutungen und Fragen zur Auffindung des richtigen Schriftsinnes, wo nur irgend möglich, veranlaßt werden. Die Erklärug geschieht nach den Regeln einer gesunden, natürlichen Hermeneutik; doch wird bei wichtigen Stellen auch die traditionelle Auslegung neben der natürlichen angegeben. Die Zöglinge werden angehalten, in den Arbeitsstunden den Pentateuch und die übrigen Jeichtern Bücher der Bibel fleißig in der Ursprache zu lesen. Zur Bibelübersetzung ist wöchentlich eine Stunde bestimmt. 3) Religion. Auf den Unterricht in der Glaubens¬ und Pflichtenlehre wird wöchentlich eine Stunde verwendet, und dabei das Würtembergische Lehrbuch zu Grunde gelegt. Das Verfahren ist theils heuristisch, theils katechetisch, theils direkt belehrend. Die Wahrheiten und Vorschriften der mosaischen Religion werden in vollkommener Uebereinstimmung mit der heiligen Schrift (bei den Ceremonial- und Ritualgesetzen nach der traditionellen Auslegungsweise) gelehrt; jeder Lehrsatz ist daher mit einer oder mehrern Bibelstellen zu belegen. Die Seminaristen haben neben dem erwähnten Lehrduche auch das Würtembergische Spruchbuch in Händen, woraus sie die wichtigsten Belegstellen, nachdem sie hinlänglich besprochen worden sind, deutsch und hebräisch zu memoriren haben. Im ersten Jahre wird die Glaubens-, im zweiten die Pfiichtenlehre (mit steter Rücksicht auf die erstere, als die Grundlage der letztem) vorgenommen, und dabei dasjenige, was eigenthümlich israelitisch ist, besonders ausführlich behandelt. — Bei den Ceremonialgesetzen wird die Bedeutung und der Zweck jedes einzelnen Gebrauches nachgewiesen, und überall gezeigt, wie diese Symbole nur Mittel sein sollen zur Beförderung der wahren Frömmigkeit, die in einem sittlichen Lebenswandel besteht. Im dritten Jahre wird das Ceremonialgesetz mit größerer Ausführlichkeit, als bisher, behandelt, und zugleich die Glaubens- und Pflichtenlehre wiederholt. 4) Geschichte der Israeliten. Dieser Gegenstand verdient in den israelitischen Schulen mehr Berücksichtigung, als ihm bis jetzt in den meisten zu Theil geworden ist. Die Geschichte zeigt, wie und wodurch das Iudenthum und die Judenheit so geworden sind, wie sie in der Gegenwart erscheinen, und ist am besten geeignet, das Vorurtheil, als sei Ersteres ganz und gar von dem Principe der Stabilität beherrscht, zu verscheuchen. Dieser Gesichtspunkt ist bei dem Unterrichte in der israelitischen Geschichte stets festzuhalten, und das Iudenthum mit seinen Institutionen in seiner steten Entwickelung zu zeigen. Nächstdem verdient das biographische Element, so wie das wichtigste aus der Geschichte der so reichen jüdischen Literatur vorzüglich berücksichtigt und hervorgehoben zu werben. Als Lehrmittel wird den Schülern El kan's „Leitfaden bei'm Unterricht in der Geschichte der Israeliten" (Minden und Leipzig 1839) in die Hände gegeben. Im ersten Jahre: zuerst eine übersichtliche Recapitulation der biblischen Geschichte bis zur Rückkehr aus dem babylonischen Exil; dann ausführlicher die Geschichte der Juden bis zur Zerstörung der Reformation (wenn der Gegenstand nicht bis auf unsere Tage fortgefüdrt werden kann). Im dritten Jahre: von der Reformationszeit bis auf die neueste Zeit. Ergänzung, Wiederholung. Die Schüler werden angehallen, sich chronologische Ta bellen zu entwerfen. Zu diesem Unterrichte wird gewöhnlich eine Stunde verwendet; zum gesammten Religionsunterrichte demnach sechs Stunden. Aus Mittelfranken in Baiern. — Das Intelligenzblatt für Mittelfranken Nr. 83 d. I. enthält folgende Bekanntmachung: Im Namen Sr. Majestät des Königs. Der Unterzeichneten König!. Regierung ist zur Kenntniß gekommen, daß die Mehrzahl der Rabbinen in Mittelfranken ein Amtssiegel führen und in ihren dienstlichen Erlassen in Anwendung bringen. Dieselbe sieht sich daher veranlaßt, nachstehend die in Betreff des Gebrauchs eines Amtssiegels von Seiten des Rabbiners zu Ansbach schon am 10. Juni 1821 ergangene höchste Ministerial - Entschließung unter dem