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Israelitische Annalen · 1840-11-27 · Heft 48 (27.11.1840) · p. Seite 400

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 48 (27.11.1840)
Date
1840-11-27
Page
Seite 400 (sequence 4)
Language
German
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400 Nord. Dort, wo ruhen alle heiligen und reinen Seelen, dort, wo alle Edeln und Frommen, dort, wo jeder, der Tugend und Wohlthat geübt hat, und seinem Namen auf Erden ein Denkmal gelassen, wie es heißt: Chor. Ein guter Name ist besser als gutes Oel (und der Tag des Todes besser als der der Geburt.) Vorb. Unter ihnen und in ihrer Gemeinschaft steige empor,zur Gnade vor dem, der in dem All thronet, Herr des Alls, Schöpfer des Alls, — dos Andenken der Seele unsers Herrn und Königs, des frommen Königs von Preußen, Friedrich Wilhelm in., welcher heimgegangen ist, welcher Tugend und Wohlthat geübt hat gegen alle, die unter seiner hohen Obhut standen, und so auch der Gemeinde Israels! Gott gedenke ihm dies Alles zum Guten, verleihe ihm wohlverdiente Seligkeit und seiner Seele werde ewiges Leben zu Theil! Friede begleite ihn und seinem Ruheplatze sei Friede! wie es heißt; Chor. Zn Frieden gehen sie heim, und ruhen auf ihrem Lager. Amen. Am I3ten fand bei'm Nachmittagsgottesdienst eine angemessene Trauerfeier statt. Der Vorbeter sang mit 8 Choristen den Ps. 145 und nach Wiederholung obigen Gebetes wurden Ps. 15. 16 gesungen. Der Rabbinatsassessor trug eine Rede vor, in deren ersten und zweiten Schlußpunkten angemessene Verse und zuletzt Ps. 29 gesungen ward. Dann kam das Königsgebet und das große Hallelujah. Einen wohlthuenden Eindruck machte der Gesang, aber einen desto niederschlagendern der eben so inhaltsals formlose Zargon-Vortrag der erwähnten Rede in der odenein vom Feste her grün (!) decorirten Synagoge! Solche entsetzliche Geschmacklosigkeit ist die natürliche Folge der Lethargie, in welcher die hiesige rabbinische Gemeinde schon so lange Zeit dahin schleicht. Der Vorstand, aus wohlgebildeten Männern bestehend, schämte sich mit Recht dieses elenden Vortrages, welcher, wie natürlich, von der Schuljugend seine Kritik erfuhr , so wie des ganzen bizarren Contrastes. Bei der Huldigungsfeier war man hiernach in nicht geringer Verlegenheit. Sie mußten einen Entschluß fassen, und übertrugen dann die Festrede dem Herrn vr. Zunz, während der Rabbinatsassessor den Austraa erhielt, ein hebräisches Gebet auf das Wohl Zhrer Maj. des Königspaares zu sprechen. Zu dieser Feier wurde eine schöne geistliche Musik, von dem hiesigen jüdischen Musiker, Herrn Heinemann componirt, und mit 40 Chorsängern aufs Beste eingeübt, aufgeführt. — Die Feier fand am 18. Oct. Nachmittags 3 Uhr statt. Eine erstaunliche Menge strömte herbei, Zung und Alt, Gläubige und Ungläubige; dem Andrange widerstanden vergeblich die Gensdarmen, Polizeicommissarien und die Vorsteher, es kam zu Thätlichkeiten, und man mußte die Masse gewähren lassen. Die Ordnung der Feier ist aus deM gedruckten Programme ersichtlich. *) — *) Gebet und Festgesang für Se. Maj. den König Friedrich Wilhelm IV. und für Z. M. die Königin Elisabeth Luise gehalten in der Synagoge zu Berlin den 18. Oct. 5691. (Diesefsinnlose Zahrzahl läßt man in Berlin drucken! Hat denn 5601 einen October, oder ein October 5691? Sowohl der musikalische Theil, als insbesondere die salbungsreiche Rede, über die Wichtigkeit und Bedeutung der Feier machten einen tiefen und unvertilgbaren Eindruck. Welche Wünsche aber dadurch angeregt wurden, bedarf kaum einer Bemerkung. Man hatte nach langer Zeit wieder einmal eine wahrhaft belehrende und erbauliche Predigt gehört, und fühlte um so tiefer die bestehende Lücke in der Leitung der kirchlichen Dinge. Desto trauriger ist es, daß der sonst so regsame Vorstand noch immer den Wunsch, drei studirte Männer als Rabbinatsassessoren anzustellen, nicht verwirklicht. Der Mißstände giebt es gar viele, die einer Abhülfe bedürfen! Ave jüdischen Vereine feierten ebenfalls die Huldigung, wie dies durch die Zeitungen genugsam bekannt worden. Wir bemerken nur noch schließlich, daß am 29. Oct. auch zehn jüdische Bürger zur Königs Tafel geladen waren, und natürlich dieser hohen Einladung folgten. Aus diesem und ähnlichen anderweitigen Berichten, welche zu erkennen geben, daß das Ausschließungssystem sich nicht mehr halten werde, darf man wohl die Hoffnung schöpfen, daß der Genuß derjenigen Rechte, die theils aus dem Edikte von 1812, theils aus persönlichen Leistungen hervorgehen, wie z. B. das regelmäßige Avancement im Heere und Versorgung der Invaliden, fernerhin nicht mehr vom Religionsbekenntnisse abhängig sein werde. Aus Kurhessen. — Nur wenige Synagogengemeinden nehmen in diesem Lande an den Fortschritten unserer Zeit Antheil. Oie Ausübung des Gottesdienstes bietet noch überall ein trauriges Bild, und läßt noch eher weitere Rückschritte erwarten, als die so sehr wünschenswerthen Veränderungen zum Bessern. Nur hie und da zeigen sich Lichtpunkte und diese sind der Anerkennung wcrth. Zn gegenwärtige Zeitschrift, welche sich's zur Aufgabe macht, Wahrheit und Licht in dem verwaisten Hause Zsraels zu verbreiten und dies»' theilweise dadurch löst, daß sie den auf dem Gebiete unsrer kirchlichen Verhältnisse sich zeigenden Mängeln mit unpartheiischer Rüge entgegentritt, dagegen gute Bestrebungen der öffentlichen Aufmerksamkeit würdiget, glaube ich, daß es am rechten Orte sei, die Leistungen unsers Gemeindelehrers und Vorsängers, Herrn Joseph Stern aus Rhina, welcher seit drei Jahren hier thätig wirkt, zur Anerkennung und Nachahmung aufzustellen. Bei seinem Amtsantritt fand er nur Kaltsinn gegen alle Kultusverbesserungen. Er hat die Schwierigkeiten und Hindernisse überwunden, eine lebhaftere Theilnahme anzuregen gewußt, und es ist ihm gelungen, unter Anleitung des um's Schulwesen in Oberhessen sehr verdienten Rabbiners Gosen, dem Gottesdienste eine besonders würdige und weihevolle Gestaltung zu geben. Ohne ihn wesentlich zu ändern, hat er ihn durch Vereinfachung und den geregelten Chor, den sein treffliches musikalisches Talent unterstützt, überaus veredelt. Sein Vor- Bei dieser Gelegenheit bemerken wir, daß auch zu Wesel die Beschreibung der Huldigungsfeier zu Essen im Druck erschienen ist, unter dem Titel: DaS Ganze der gottesdienstlichen Feier rc. von H. L. Lippmannssohn, Wesel 1849 bei Prinz. Auch recht zweckmäßig. —

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