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Israelitische Annalen · 1840-11-20 · Heft 47 (20.11.1840) · p. Seite 395

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 47 (20.11.1840)
Date
1840-11-20
Page
Seite 395 (sequence 7)
Language
German
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395 zu führen. Was zur Lösung dieser Aufgabe von Innen heraus, b. h. von Seiten der Israeliten selbst geschehen kann, muß hauplsäckUch von der Schule ausgehen und ist namentlich durch Verbesserung des Religions-Unterrichtes notkwendig bedingt. Daraus folgt aber, daß die jungen Leute, die im Seminar zu künftigen Lehrern israelitischer Schulen gebildet werben sollen, nicht bloß in den allgemeinen pädagogischen Kenntnissen und Fertigkeiten unterwiesen und zu deren richtiger Anwendung angeleitet und geübt, sondern auch zur Ertheilung eines geläuterten, schrift- Vernunft- und zeitgemäßen Unterrichtes in der israelitischen Religion befähigt und für ihren künftigen heiligen Beruf, das ihnen glaubensverwanbke Heranwachsende Geschlecht auf die Höhe geistiger Bildung, wahrer Frömmigkeit und reiner Sittlichkeit zu heben und so zu nützlichen Mitgliedern der bürgerlichen Gesellschaft zu erziehen, begeistert werben. i. Lehrziel. Die israelitischen Seminaristen sollen in dem dreijährigen Seminar -Cursus 1) die hebräische Sprache gründlich kennen lernen und befähigt werben, die heilige Schrift A. T. in der Ursprache zu lesen und zu verstehen, . 2) mit der israelit. Glaubens- und Pflichlenlehre, einschließlich des Ceremonial- und Ritualgesetzes, insoweit es bei Letzterm ohne eigentliche Casuistik möglich ist, vertraut und 3) mit dem Wesentlichsten aus der Geschichte der Israeliten von den ältesten Zeiten lns auf unsere Tage bekannt gemacht werben. il. Bedingungen zur Aufnahme in Ansehung der Vorkenntnisse. 1) Fertiges Lesen und Schreiben des Hebräischen und Jüdisch-Deutschen. 2) Bekanntschaft mit dem Wesentlichsten der Wortbildung, der Formenbildung der Wörterklassen, namentlich der in der hebräischen Sprache so wichtigen Zeitwörter, und der Orthographie des Hebräischen. 3) Ziemliche Fertigkeit im Uebersetzen des Pentateuchs und der geschichtlichen Bücher des A. T. Ueberhauvt ist bei Aufnahme mehr auf praktische, als auf theoretische Kenntniß des Hebräischen zu sehen, da die Grammatik im Laufe von drei Jahren vollständig mügetheilt werden kann, aber ohne tüchtige praktische Vorbildung die Leute, denen im Seminar nicht viel Zeit für das Hebräische übrig bleibt, es nicht zu der dem israelitischen Lehrer nöthigen Fertigkeit in dieser Sprache dringen würden. — Bekanntschaft mit dem raddinischen Styl kann nicht gefordert werden, doch wäre es gut, wenn die Leute einigermaßen solche Kenntniß mit in's Seminar brächten, weil dann bei dem Unterrichte in dem ceremoniellen Theil der Religionslehre der Selmlekaa anich theiiweise benutzt und sie befähigt werden könnten, später als Lehrer sich in zweifelhaften Fällen aus dieser Quelle selbst Raths zu erholen. 4) Kenntniß der biblischen Geschichte des A. T. und 5) eines Katechismus der mosaischen Religion. ui. Lehrgegenstände nebst Bemerkungen *) in Bezug auf Vertheilung des Lehrstoffes auf die Jahre des Seminar - Cursus, Methode und Lehrmittel. 1) Hebräische Grammatik. So lange der israel. Gottesdienst noch in der hebräischen Sprache verrichtet wird, kann der Unterricht in derselben nicht aus der Zahl der Lehr - gegenstände der israelitischen Elementar- und Religionsschulen ausgeschieben werben und müssen die jüdischen Seminaristen eine gründliche Kenntniß derselben erlangen. In den beiden ersten Jahren wird der Unterricht nach Johlson's hebräischer Sprachlehre für Schulen (Frankfurt 1838)**) ertheilt, und zwar im ersten Jahre bis zum regu¬ *) Hier nur auszüglich mitgetheilt. **) Dieses Buch verdient, obwohl rücksichtlich der systematischen Ordnung Manches daran ausgesetzl ist, doch wegen lären Verbo inel., im zweiten bis zu Ende. Im dritten Jahre wird die ganze hebräische Grammatik noch einmal nach Gesenius und theilweise nach Bensew gelehrt, welcher Letztere zugleich Gelegenheit zur Uedung im Uedersetzen gewährt. Die heuristische Lehrform ist die vorherrschende, da die hebräische Grammatik sich sehr gut zu einer Behandlung nach dieser Lehrform eignet, indem die meisten Spracherscheinungen, insbesondere rücksicktlich der Formenbildung, auf etymologische Regeln zurückgeführt werden können. Jede Regel wird den Schülern durch Vorführung zahlreicher Beispiele veranschaulicht, und, wo es angeht, sie angeleitet, selbst aus den Beispielen die Rege! zu adstrahiren. (Schuß f.) Rheinpreußen, Nov. — Hier zu Lande herrscht noch ein bemerkenswerther Stillstand, und eine fast unerträgliche Indolenz, während man von allen Seiten Nachrichten von eingetretenen Verbesserungen vernimmt. Sehr sfr frage ich mich selbst, woher es wohl kommen mag, daß namentlich in Saarlouis und dem ganzen Kreise von den Fortschritten anderer Gegenden durchaus gar nicht zu einiger Thätigkeit angeregt wird. Am genannten Orte zählt die Gemeinde etwa 50 Familien, größtentheils nicht unbemittelt, aber obwohl es weder an Kräften noch an Subjekten mangelt, so vermißt man doch die anderswo langst in's Leben getretenen nützlichen Vereine, eine zweckmäßige Bildungsanstalt für die Jugend, und alles was die Verhältnisse und die Intelligenz bessern könnte. Die Schuld mag einzig und allein an der Zaghaftigkeit des Vorstandes liegen, welcher in seinem guten Willen nicht immer von Kraft und Beharrlichkeit unterstützt wird, vielmehr in allem zu viel Prioatrücksichten obwalten läßt. In der jüngsten Zeit ist daher hier nichts weiter vorgefallen, als daß der wohlunterrichtete Candidat Herr Cahen aus Wawern öfters seinen sehr erbaulichen Predigten die Mangel, welche hier wahrgenommen werben, uns in ein helleres Licht gestellt hat, ohne daß an Abhüife gedacht wird. Man hat hier eine prachtvolle Svnagoge erbaut, deren Kosten mancher Familie sehr drückend waren, aber leider muß man sagen, baß dies schöne Gebäude durch keinerlei Dienst-Ordnung verherrlicht, vielmehr durch die stehende Unregelmäßigkeit verunstaltet wird. Die Gemeinde hier und in der Umgegend sind eine hirtenlose Heerde; die Rabbiner haben sich nie um uns bekümmert und die Jugend befindet sich in einem Zustande gänzlicher Verwahrlosung. Selbst die bevorstehende Wahl eines Rabdinen in Trier gewährt uns keine Aussicht auf innere Umwandelung; das Einzige, was hier heilsam sein dürfte, wäre eine gänzliche Trennung der Gemeinden dieses Kreises von dem Trier'fchen Rabbinate. Dieser Gegenstand ist schon einmal zur Sprache gekommen, allein ungeachtet wir auf Unterstützung der Stadtdehörde wie der Genehmigung hoher Regierung zu solchem Schritte gewiß sein könnten, so fehlt doch alle Energie. Früher zählten wir in unsrer Mitte einige Männer von gehöriger Thatkraft, welche sich nicht scheueren, ein offenes Wort zu reden, und sich für bas Gute eifrig zu verwenden; sie haben uns aber verlassen, und wir müssen eS beklagen, daß sie nicht Nachfolger finden. Wir sprechen dies öffentlich aus, um damit darzutdun, daß nicht Alle die Indolen; lheilen; aber nicht jedem steht zu. wirksam einzugreifen. Möchte die öffentliche Stimme dazu bienen, auf das, was Notd lhut, aufmerksam zu machen und die schlummernden Kräfte zu wecken. Anm. d. Herausgebers. Aehnliche Bemerkungen sind uns aus jenen Gegenden bereits mehrere Male zugekommen; wir mögen indeß nicht gern in Allgemeinheiten uns verlieren. Specielle Uedersichten der statistischen Verhältnisse ganzer Kreise, mit Weglassung dessen, was nur lokales Interesse hat, werden wir gern aufnehmen. seiner Reichhaltigkeit an Beispielen zu jeder Regel und weil die Darstellung bei aller Gründlichkeit nickt zu gelehrt ist, den Vorzug vor andern hebräischen Grammatiken.

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