Mannheim
Compact Memory

Israelitische Annalen · 1840-11-20 · Heft 47 (20.11.1840) · p. Seite 396

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 47 (20.11.1840)
Date
1840-11-20
Page
Seite 396 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3133765-3133820-3133868--0923-3135115
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

396 Literatur. Predigt, gehalten am letzten Sabbath des Jahres 5600 in der Hauptsynagoge zu Mannheim. Von L. I. Lindmann, Rabd.-Candidatcn und Prediger. Mannheim bei Benshcimer. 1840.16S.in 8. Als eine Probe des Fortschreitens in Mannheim rechtferligl sich die Herausgabe.dieser Predigt. Sie ist vortrefflich stylisirt, wohlgeordnet, populär und jedenfalls geeignet, bas Predigen anzuempfehlen und von ihrem Verfasser einen günstigen Einfluß auf die Gemeinde zu versprechen. mn p'iTn Gebete und Gesänge zum Gebrauche bei der öffentlichen Andacht der Israeliten, oder: Bausteine zur Aufbauung eines veredelten Synagogengottcsdicnstes. Erste Lieferung. Neujahr und Versohnungstag. Herausg. v. Leopold Stein, Rabbiner. Erlangen bei Enke. 1840. VIII. 134 S. in 8. ,-.ES ist gewiß, sagt der durch mehrere literarische und besonders poetische Versuche bereits rühmlichst bekannte Vf., daß früher ober spater in deutschen Gemeinden die Synagoge dem deutschen Gebete ihre Hallen wirb öffnen müssen, wenn der göttliche Dienst (?) darinnen für die Dauer eindringlich, anziehend und beseligend werden soll. Zst nun auch bei allen alten Originalausgaben (soll wohl heißen: Ausgaben der allen Gebete un Original oder in der Ursprache) der hebräischen Sprache ihr wohlerworbener Platz zu vindiziren, um dadurch nicht nur ihr heilsames Verständniß unter uns zu einer gegebenen Norhwendigkeit zu machen, sondern ganz vorzüglich bas öffentliche Gebet seines altehrwürdigen Gewandes nicht zu entkleiden, so sollte doch bei allem, was eine spätere Periode lediglich zur Ausfüllung der Gcderzeit hinzugelhan, eine Sichtung in der Art statt finden, daß bas Ungeeignete völlig ausgeschieden, das Geeignete aber in deutscher Uebersetzung dem Sinne und dem Herzen der Andächtigen näher gebracht werben, (sie.)" Nach diesen etwas zu sehr an einander gedrängten Sätzen, welche es im Dunkel lassen, ob sse nur die Ausgaben des Originals als Mittel zur Erhaltung der hebräischen Sprache vorfübren, ober ob man sich auch desselben bei'm Beten bedienen solle (was der Vf. doch zu billigen scheint), zeigt er, daß von den ,päl nachgelragenen Stücken nur die Responsorien beizubehalten, die übrigen aber deutsch vorzutragen seien, und daß für einzelne Dienst-Abschnitte neue Gesänge nothwenbig wären. So wie die bisherigen Gebetbücher allmählich entstanden seien, so möge es ferner geschehen, daß sich aus der Zelt und aus dem Bedürfnisse die Sammlungen bilden, welche die Folgezeit anwenden werde. Das vorliegende Heft sei der Anfang zu einem solchen Cvklus. an welchen sich zunächst Gebete und Gesänge für die 3 Feste anschließcn sollen. Was uns der Vf. hier darbietet, muß mit Anerkennung ausgenommen werden. Vornehmlich tritt das Talent desselben, die kirchliche Poesie unsrer Sänger, oft weder orientalisch noch vrcider,tausch, sondern nur durch Wortspiel der Schriftsprache und Rückblicke auf die Bibel bestimmt, recht scbön in wohlklingenden deutschen Versen zu bearbeiten, auch hier stark hervor. Schon bas einleitende Gedicht, nach spanisch-hebräischem Verbilde, macht einen angenehmen Eindruck, die Verse fließen leicht und der Refrain schließt sich gut an. Der zweite Vers, in der vierten und in der letzten Strophe scheinen hart und bedürfen noch der Feile. Em Gebet vor der Predigt in Reimversen (S. 3 und 4) möchte nicht den erwarteten Eindruck machen; es glossirt den Pf. 121 etwas zu ausführlich-; die Zdee selbst ist ansprechend-. — Das prosaische nach der Predigt (5. 6) will uns nicht Zusagen, die Gedankenfoige konnte besser geordnet sein; Rebefiguren, poetische Formen und flache Prosa sind ohne gehörige Wirkung gemengt, die Figuren selbst sind bald biblisch, bald stemdartig. Z. B. „Du gabst uns Brod zu essen und ein Kleid zum Anziehen. Im Winter hast du uns genährt und im Sommer hast du uns gesegnet. <Dieser Parallelism muß erst erläutert werden). Du hast unser Haupt mit dem Oele deines Segens übergossen (!) unser Becher war stets voll von den nem Ueberflusse. Zuweilen hast du uns auch wohl (sehr prosaisch!) deine Hand strafend fühlen lassend). Manchmal (!) hast du den Boten des Verderbens (ist unsrer Ansicht nach kein guter Ausdruck) in unser Haus geschickt und er nahm die theuersten Pfänder unsrer Liebe für unsre Schuld dahin." Wirklich für unsre Schuld? Glaubt bas ein Betender unsrer Gemeinde? Darf er bas glauben? soll er es glauben? Das Schlußgedicht ist gut. Unter den Mvrgengesängen v. S. 8 an ist das erste für den Vorbeter so übertragen, baß die strophischen Schlußverse harmvniren; die einzelnen Verse sind jedoch zu stark vom Reime abhängig gemacht. Z. B. O richte nicht zu streng! Mach dein Erbarmen kund: Schließ du, o Herr, mir auf den Mund! wo das auf uns auch nicht recht klingen will. — Ja sorgsam (?) bin ich wohl, so vor dir dazustehn. So leer, ach, an Verdienst, worauf du könntest sehn; . und ähnliche Verse dürften wohl bei sorgsamer Revision noch Anordnungen erleiden. Eben so lm folgenden Gebete gleicher Art: Dann walte über uns Heil und Barmherzigkeit, wo Heil kurz, und dagegen lang ist. Befiehl dein Heil, o Herr, der Nation der treuen, wo Nation, an sich nicht schön, noch obendrein dreisilbig wird. Auch die übrigen lassen noch Verbesserungen zu. Etwas gehaltener ist der Wechselgesang S. 11, in welchem frerlich kein Metrum herrscht, und der Rhythmus nur im Reime zu finden. Gelungener erscheint die Bußbetrachtung, S. 12 ff., worin geschtchrltche Anspielungen, weiche in den Noten erläutert sind. _ (Schluß folgt.) Wichtige literarische Notiz. Der Herausgeber der Annalen empfängt so eben mehrere der bedeutendsten Werke der Karaiten, fo in den Jahren 1834 und 1835 in Ewpatoria in der Krimm gedruckt worden sind, und hofft nunmehr in Stand gesetzt zu sein, eine größere Arbeit über die Geschichte, die Lehre und das Religionswesen dieser Secte gründlicher durchfuhren zu können, als mit den bisher beschränktem Hulfsmitteln. Unter den angekommencn Werken befindet sich das schon früher in diesen Annalen erwähnte Buch in 4tu (die übrigen sind alle in Folio), welches eine Sammlung von Merkwürdigkeiten enthält. Ob es der Mühe werth war, 3 hebräische Briefe des 0r. Jost an Herrn S. Bobowilsch und an den Chacham in Ewpatoria, vom Jahr 1830, nicht bloß abzudruckcn, sondern auch mit einer tatarischen (?) Uebersetzung (in hebr. Lettern) zu begleiten, möge dahin gestellt bleiben. Aber wichtiger ist, baß der ganze Brief des Josef Salomon bei Medigo, welchen Herr l)r. Geiger im Spätjahre 1839 zum ersten Male m Druck zu geben vermeinte, sich bereits in dieser Sammlung befindet. Bei Vergleichung der Ausgaben fanden wir bedeutende Varianten, theils zum Vortheil der einen, lheils der andern Ausgabe. So z. B. hat die Krimmische gleich Anfangs pm: st. des Geiger'schen Teptes welches offenbar unrichtig ist, daher auch die Uebersetzung: „mich aufhaltend," nicht dem Sinn völlig entspricht. — Wir werben diese Varianten im Zion nachwelsen und erörtern. Druck und Verlag von Johann David Sauerländer in Frankfurt am Main.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.