Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 47 (20.11.1840)
- Date
- 1840-11-20
- Page
- Seite 392 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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392 überlassen, daß der Vorschlag des Hrn. Romanini aus Venedig, zur Verewigung der beiden Namen, welche nunmehr in der Geschichte glänzen werden, eine milde Stiftung zu gründen Anklang finden werde. Der Centralpunkt zu einer deßfallfigen Subscription dürfte am zweckmäßigsten Hamburg sein, wo ein vollständiger Plan abseiten des Comite entworfen werden könnte, dessen Wirkung das befriedigendste Resultat haben würde. Wir sind unsrerseits gern bereit, die Sache durch Verbreitung und Annahme betreffender Meldungen, so wie überhaupt durch alle uns zu Gebote stehenden oder zu stellenden Mittel zu befördern. Weitere Nachrichten über die Israeliten in Algier. Die unerfreulichen Berichte, von denen wir bereits einen Auszug gegeben haben, verbreiten sich noch weiter über mannichfache Verhältnisse mit derselben Einseitigkeit, die wir zu rügen schon Anlaß fanden. Wir liefern hier noch dasjenige, was sie tharsächliches enthalten, ohne bei den offenbar befangenen Urtheilen zu verweilen. Die- Israeliten in Algier feiern die Festtage mit einem gewissen häuslichen Luxus, welcher gegen die an den übrigen Tagen sich zeigende Armuth sehr abfticht, und fast ihnen eben so zum Vorwurfe gereicht, wie den vielen christlichen Familien, die an einem Feiertage mehr ausgebcn, als der bisherige Ertrag ihrer Geschäfte oder Arbeiten ihnen übrig läßt, und die Leihhäuser in Nahrung setzen; (wir möchten jedoch sehr bezweifeln, daß die Israeliten dort, Behufs der Festesfeier, „Silberwaarcn und Gewänder versetzen.") Die Feste vereinigen die Familien noch immer acht patriarchalisch, obwohl die Wochengeschafte alle Familienbande zerreißen und Brodneid keine Verwandtschaft achtet; wie selbst an öffentlichen Plätzen aus der gegenseitigen Behandlung sichtbar ist. (Woher sollen diese armen Leute eine bessere Haltung haben?) Sir sind aller Art der Vorurtheile und des Aberglaubens ergeben, sie glauben an Zauberei und Schicksal und Einfluß -der bösen Geister. Alles dies schreibt sich nun aus dem entsetzlichen Druck her, den sie his zur französischen Occupatio» zu erdulden hatten. Einiges davon mag hier noch erwähnt werden. Jeden Abend um 6 Uhr durften die Juden nicht mehr über die Straße gehen, es sei denn mit einer ausdrücklichen von der höchsten Behörde auf den Grund einer sehr wichtigen Angelegenheit ertheilten Genehmigung. Keiner durfte eine Laterne tragen; nur eine Wachskerze in der'Hand, die der Wind leicht ausblies, war ihm gestattet. Ihre Kleider mußten von düsterer Farbe sein, der Burnus blau, die Mütze oder Chachia schwarz; ein Turban war verboten; eben so Schuhe, höchstens Halbschuhe, so kurz, daß die Ferse stets ganz das Pflaster berührte. Jedem Muselmann mußten sie rechts ausweichen, überhaupt alle mögliche Demuth beweisen. Auf Uebertretung stand Baftonnade oder Geldstrafe; Beleidigung konnte der Muselmann sogleich mit dem Tode strafen, was ihn höchstens eine kleine Geldstrafe kostete, oder einen an die Familie zu erlegenden Blutsolv. Ein Janitschar hatte für solch einen Fall nur i1/* Pfund Rauchtabak an die Magazine zu liefern. Als Abgabe zahlten sie zusammen 28,000 Budjus monatlich, wöchentlich 7000; alle Freitag Abend brachte der Judcnkönig (der Vorsteher) diese in die Jan in a oder Casbah, wo sie der Basch a in Empfang nahm, der für die Auflage verantwortlich war, und sie nach Gutdünken vertheilte. Alle andern Gemeinden zahlten natürlich nach Verhältnis. Trotz dem allen, genießen sie allgemeines Vertrauen, welches mit der Behandlung contraftirt, und zu allen wichtigen Geschäften werden sie ihrer ausgezeichneten Intelligenz wegen gebraucht. Der Ruf ihrer ungemeinen Geschäftsumsicht hat ihnen seit 1830 auch das Vertrauen der Europäer erworben; sie sind überall thätig, und in allen Bureaux findet man jüdische Jünglinge und Burschen, und man ist durchweg mit ihnen sehr zufrieden. Was überhaupt Fähigkeit betrifft, so machen sie namentlich in Kenntniß der französischen Sprache und der durch sie eingeführten Schulkenntniffe bewundernswürdige Fortschritte. Ihre eignen Schulen sind noch in sehr schlechtem Zustande, die Lehrer selbst unwissend, der Unterricht beschränkt, unmethodisch und höchst dürftig; meist in t>en Synagogen. Eine von den Franzosen eingerichtete Schule zählte bald 200 Zöglinge, wahrend die für die Mauren ganz unbesucht blieb. Aber sie ging wieder ein,