Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 47 (20.11.1840)
- Date
- 1840-11-20
- Page
- Seite 391 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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391 Tage zuvor bewilligt worden war, in ein anderes Licht brachte, begab ich mich sogleich zum Pascha. Ich hatte mit S. H. eine sehr lebhafte Unterredung; ich setzte ihm mit möglichster Klarheit auseinander, daß wir unmöglich eine Begnadigung annehmen könnten, indem diese ein Geftändniß der Strafbarkeit enthielte. Der Pascha verstand mich recht gut, und niemals har der gebildetste und geistreichste Fürst in Europa mit größerem Wohlwollen und mit liebenswürdigern Worten ein Verlangen berücksichtigt, welches nach den Sitten und Gewohnheiten dieses Landes gewiß höchst seltsam erscheinen mußte. Er befahl, die Worte, welche mir in seinem Schreiben nicht geeignet schienen, zu streichen, und ein anderes Schreiben mit Auslassung derselben auszufertigen. Ich war wirklich überrascht von diesem liebreichen Entgegenkommen, und fand keine Ausdrücke für meinen Dank. Sie empfangen hierbei eine Abschrift dieses Befehles. *) Als ich ihm sagte, daß denselben Morgen die Juden in Alexandrien für ihn gebetet harten, und daß bald dasselbe in allen jüdischen Gemeinden der Welt geschehen werde, antwortete er: Es ist mir lieb, daß die Juden zufrieden sind mit dem, was ich gethan. Nun sind unsre unglücklichen Brüder aus dem traurigen Kerker erlöst! O! könnten wir auch den vier armen Schlachropfern das Leben wieder geben! Ich möchte jetzt, und hoffe es auch, vom Pascha einen Ferman erlangen, worin er förmlich die Anklage für eine Verla'umdung erklärte. Erst dann halte ich meine Mission für vollendet. Im Interesse unsrer Brüder, Deren Leben stets vom Schwerte bedroht war, hat sich der Pascha ausgesprochen: sie sind frei. Aber zur Ehre unsrer so friedlichen und so reinen Religion bedarf es einer starken Erklärung. Spricht sich der Pascha mit edler Offenheit über die schändliche Beschuldigung, daß wir Menschenblut vergießen, um solches in die Ofterkuchen einzukneten, unumwunden aus, so ist meine zwiefache Aufgabe gethan. Später bleibt Vorbehalten, darüber nachzudenken, was zu thun sei, um den Familien der Verstorbenen, und denen, welche die Qualen überlebt haben, einige Genugthuung zu. verschaffen; das muß aber der Zeit und der Vorsehung anheimgeftellt bleiben. Wenn meine Stimme in gelegener *) Wir haben denselben schon mitgetheilt. Zeit noch nützlich wirken kann, wird sie stets denen, die sie fordern, zu Dienste sein. Seit letzten Dienstag befindet sich der Pascha unwohl, daher wir ihm unsere neue Bitte nicht Vorbringen können. Aber seine Unpäßlichkeit ist nicht von Bedeutung rc." — Ein anderes Schreiben aus Alexandrien vom 17. September berichtet von dem freudigen Eindruck, welchen der Ferman des Pascha in Damask hervorgebracht hat. Die befreieten Gefangenen eilten zuerst in die Synagoge, wohin nicht bloß viele Glaubensgenossen, sondern auch sehr viele angesehene Moslemen sie begleiteten, welche gern öffentlich das Zeugniß gaben, daß sie diese in unsrer Zeit unerhörte Verfolgung verabscheueten, und an den Dankgebeten, welche endlich wieder statt des Jammergeschrei's zum Himmel stiegen, herzlichen Antheil nahmen. Christen waren nicht zugegen, was man vielleicht der Partheilichkeit zu Gute halten darf, da wohl selbst die Besserdenkenden es nicht magren, ihre Gesinnung zu offenbaren. Worüber aber die Welt erstaunen muß, das ist, daß der französische Consul die Freilassung im höchsten Grade mißbilligte, und dagegen schriftlich proteftirte. Wir mögen das Verhalten dieses Mannes den türkischen Behörden gegenüber nicht commentiren. Es mag ihm schwer fallen, seine Uebereilung und entsetzliche Unmenschlichkeit so allgemein erkannt zu sehen, und schon deshalb nöthig scheinen, seine ersten Ansichten auftecht zu halten. Traurig aber ist es, daß ein Franzose so sehr die vaterländischen Grundsätze verläugnet,. und noch dazu in Frankreich Anerkennung für seinen angeblichen Eifer sucht, wozu finstere Blätter als Organ dienen. — Die Theilnahme, welche das Unternehmen dieser frommen und zugleich großherzigen Pilger überall gefunden hat, beginnt sich immer mehr zu offenbaren. Aus den verschiedensten Gegenden sind Unterftützungsgelder nach London an das Comite gesandt worden. Ein Privatbrief aus Jamaica vom 2. Sept. c. meldet, daß zugleich mit dem Packet, welches den Brief befördert, von dort virva 1300 Lst. (über 15,000 fi.°) nach England abgehen, als Beitrag zu den Zwecken Monrefiore's und Cremieux. Nicht bloß Die Israeliten jener Insel, sondern auch Christen haben unaufgefordert zu dieser Summe beigefteuert. — Wir dürfen hiernach um so mehr uns der Hoffnung 47*