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Israelitische Annalen · 1840-11-13 · Heft 46 (13.11.1840) · p. Seite 387

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 46 (13.11.1840)
Date
1840-11-13
Page
Seite 387 (sequence 7)
Language
German
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387 eigends darauf ausgehen, die Gebräuche zu antiquiren, manche j aus Unwissenheit. manche aus Widerwillen, manche aus > Gleichgültigkeit. Oie meiste Schuld trage allerdings die Verj Änderung, welche die Zeit bervorgedracht hat; aber doch sei j die Religion unentbehrlich. Devons-nous donc, et que notre voix fasse un dernier appel aux coeurs deineures^ si non fermes, du moins ä peu pres fideles! Ein Urtheil über die Ausführung möchte noch zu voreilig sein. Aus Tyrol. — Der Bericht über St. Simonin in Trient ist hier mit vielem Interesse und innigem Danke gegen den hochgelehrten und biedern Verfasser gelesen worden, und es wäre zu wünschen, daß alle derartige, für unsere Väter so unheilvolle Sagen .einer solchen Prüfung unterworfen und mit dem Lichte einer unpartheiischen Kritik beleuchtet würben. Es giebt nämlich hier zu Lande, und vermuthlich auch anderswo, viele sonst sehr wohlwollende und vorurtheilssreie Katholiken, namentlich Geistliche, die da glauben, die mittelalterliche Blutbeschuidigung noch nicht ganz fahren! lassen zu dürfen, obgleich sie sowohl das Iudenthum wie dessen Bekenner davon frei sprechen. Es könne, ober müsse vielmehr, sagen sie gestützt auf alle Uederlieferungen, doch einzelne Sektirer oder Fanatiker gegeben haben, die (trotz den ausdrücklichen Worten der Schrift, denen sie einen! andern Sinn untergeschoben haben mögen) von Menschenj blut zu religiösen Ceremonien Gebrauch gemacht, wie die j Geschichte auch Beispiele von Christen aufzuweisen hat, die > sich von religiösem Fanatismus zu Menschenopfern verleiten! ließen. So modificirt findet die Sache nur auf historischem Wege ihre Erledigung, wo sie auch verfolgt zu werden verdient. Denn gibt man auch vor, durch diese Behauptung weder dem Iudenthum noch der Gesammtheit der Juden nahe zu treten, so will man doch damit die Denkmale recht- I fertigen, die den jüdischen Namen der Schande preisgeben und beim Volke, das nicht weiter unterscheidet, Vorurtheile und Erbitterungen erzeugen. Sie kommt ferner so viele Jahrhunderte hindurch in so verschiedenen Gegenden vor, daß sie, sobald sie für mehr als einen Volkswahn*), wie *) Zur Verbreitung und Unterhaltung dieses Wahnes scheint mir sehr belgeiragen zu haben, die gewaltige Scheu, den Wein, meistens rothen (nach Prov. 23, 31), der häufig zu religiösen Ceremonien gebraucht und auch auf Reisen mitgefuhrt wurde, von Nichlisraeliten berühren zu lassen, was natürlich Verdacht erregen ober wenigstens Böswilligen zur Erregung von Verdacht eine willkommene Gelegenheit bieten mußte. In M. Fischer's j „jub. Memorabilien" (Prag; die Jahreszahl kann ich nicht angeden, da ich das Buch hier nicht habe) wird auf fast ähnliche Weise erzählt, baß zu Anfang des vorigen Jahrhunderts ein Palästinenser, der in kleinen Papierchen von der, den Gläubigen so theuren, Erde des heiligen Landes bei sich führte, m einem piemontesiscken Dorfe, wo er visitirt wurde, dadurch Verdacht erregte, und da er der Landessprache unkundig hierüber nicht Auskunft zu geben vermochte, und von dem Weine, in den man ein solches Pulver gerührt, zu trinken sich standhaft weigerte, als der Giftdereitung überwiesen, lange im harten Kerker schmachten mußte, bis dieser glücklicher Weise vom Landesfürsten besucht und die sich dergleichen so viele finden, gehalten wird, dennoch dem Iudenthum zur Last fiele, weil es zu solchen gräulichen Mißverständnissen wenigstens Veranlassung gegeben haben müßte. Und wer bürgte uns dann dafür, daß dergleichen, besonders in weniger erleuchteten Gegenden, nicht wieder entstehen könnten? Dank daher all den Männern, die sich Mühe geben, den einzelnen Thatsachen aus dem Mittelalter auf die Spur zu kommen und deren Grundlosigkeit an den Tag zu legen. — Indessen muß man es den braven Tyrolern nachrühmen, daß, ungeachtet in ihrem Lande noch ein ähnliches Schandmal unseres Namens, der sogenannte Judenstein bei Hall, bestehet, ungeachtet es da sehr wenig ansässige Juden gibt, und es daher an vorgefaßten Meinungen beim Volke nicht fehlen kann, diejenigen, die sich des Handels wegen hier aufhalten, in wenig Ländern besser ausgenommen und freundschaftlicher behandelt werden. Selbst die Plünderung, welche die Juden zu Insbruck beim Volksaufstande im Jahre 1809 erlitten, ist nicht etwa einem Retigionshaß zuzuschrnben, sondern wurde veranlaßt durch die damals absichtlich verbreitete Meinung, daß dieselben die von der daierischen Regierung veräußerten Kirchengeräthe der eingezogenen Klöster, worüber eben das Volk erbittert war, gekauft hätten. Auch wurde bald das Meiste, das entwendet worden, zum Theil auf Ermahnung der Geistlichen auf der Kanzel und im Beichtstühle, wiedererstattet, obwohl nicht Alles zum rechten Eigcnthümer gelangte, und manche Familie dadurch zu Grunde gerichtet wurde. Lemberg, 16. October. — Vorläufig bient zur Nachricht, daß die Gebildetern und Wohlgesinnten zusammengelreten sind und beschlossen haben, einen neuen Tempel zu gründen und den Gottesdienst nach Art der in mehren deutschen Städten getroffenen Einrichtung anzuordnen. Das Nähere so bald die Sache vorgerückt ist. Königsberg. — Hier ist der Prospectus eines Werkes erschienen, bas die Realkenntniffe zu fordern bestimmt ist, und wahrscheinlich sich durch Gründlichkeit und Vollständigkeit auszeichncn wird. Es wirb den Titel führen: „Allgemeine biblische Geographie mit besonderer Rücksicht auf die bisher unbenutzten hebräisch-rabdinischen Quellen nach dem vielfach vermehrten hebräischen Originale Erez Kedumim von Jakob Kaplan aus Minsk, vom neuesten wissenschaftlichen Standpunkte deutsch bearbeitet von Dr. M. S. Freystadt; mit einer ganz neuen Karte von Palästina." Der Herausgeber, in der literarischen Welt durch seine Schrift Cabbalistica et Pantheismus rühmlich bekannt, versichert, baß bas an sich vortreffliche Werk des Herrn Kaplan noch durch anderweitiges Quellenstudium bereichert vorliege, und daß er, Dr. Frevstadt, es übernommen habe, das gesammte Material für die gelehrte Welt mit Zuziehung aller anderweitigen Hülfsmittel umzuarbeiten, so daß das Sache des armen Fremdlings von neuem untersucht wurde, wo es sich denn fand, daß die Pulver nichts als Thonerbe enthielten, und daß der Inquisit nicht diese, sondern den Wein, als verboten, gescheut. K.

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