Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 46 (13.11.1840)
- Date
- 1840-11-13
- Page
- Seite 386 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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386 fiel Hm. Abraham Lattes, damaligem Hofmeister bei Hm. Ritter Jakob Treves von Bonfili ein, eine sogenannte Leihgesellschaft zu bilden, deren Mitglieder jährlich L. 5V bezahlen sollten. Dieser Fond wurde dazu bestimmt, jungen Handwerkern die nöthigen Werkzeuge und Materialien zu verschaffen, sie aber zur Wiedererstattung des dazu erhaltenen Geldes in kleinen wöchentlichen Raten anhaltend, wodurch zwei wesentliche Vortheile erreicht wurden, einmal, daß sie aus dem erlernten Handwerke Nutzen ziehen konnten, und dann, daß sie sich zur Ordnung und Pünktlichkeit gewöhnen. So ist das sich auch immer vermehrende Kapital beständig in Umlauf, indem durch die zurückbezahlten Gelder andere Handwerker unterstützt werden, und das Resultat war so befriedigend, daß die Gemeinde im 1.1838 ihren eigenen Fond (nunmehr jährlich L. 1200) dem der Gesellschaft einverleibte, welche nun aus 10 Mitgliedern mit einem Kapital von L. 7000 besteht, und unter denselben den würdigen, hoffnungsvollen Joseph Ritter Treves v. Bonfili, den Sohn des Herrn Jakob, zählt. Es ist ihr sogar gelungen, die Kinder unentgeldlich bei ihren Meistern in die Lehre zu geben, und so werden die L. 1200 der Gemeinde auf Ermunterungsgeschenke verwendet; üderdieß hat der mehrmals rühmlichst erwähnte Hr. Ritter Jakob Treves voriges Jahr L. 500 zur Austheilung an die verdienstvollsten Lehrlinge gegeben, und dieses Jahr das Geschenk wiederholt. Beide Brüder Hrn. Ritter Jakob und Isaak Treves von Bonfili nebst ihrer Familie, sind ein Muster aller häuslichen und bürgerlichen Tugenden, und des ächtesten religiösen Sinnes. Die Armen, und milde Stiftungen finden bei ihnen immer freigiebige Unterstützung; auf ihre Ver- > anlassung wurde der Choralgesang in den hiesigen israel. j Gottesdienst eingeführt, die schönen Künste haben an ihnen! geschmackvolle und großmüthige Gönner, die Stadt ließ auch jüngst den tiefen Einsichten und der warmen Vaterlandsliebe des Hrn. Ritter Jakob wohlverdiente Anerkennung dadurch werden, daß sie ihn zum Mitglied der lomb.-venez. Eisenbahn-Commission ernannte, und als seine Zeit um war, mit lautem Beifall von neuem bestätigte. Durch diese Mittel und Ermunterungen gedeiht also die Verbreitung der Handwerke unter der Jugend der niedersten Klassen immer besser. So haben wir nun hier 25 Handwerker, als Schneider, Tischler, Messingsarbeiter, Uhrmacher, Hutmacher, Schuster, Glaser, goldener Ketten- und Stistperlen-Arbeiter, Buchbinder, Tapezierer, Zeichner u. s. w. Die Lehrlinge stehen unter der beständigen Aufsicht der Gesellschaft, deren Mitglieder sie unerwartet, in ihren Werkstätten besuchen, und sich dann wenigstens einmal wöchentlich versammeln, um sich wechselseitig die eigenen Ansichten, Erfahrungen, und bei den Lehrmeistern eingeholten Erkundigungen mitzutheilen. Am Samstag werben auch die Zöglinge zusammenberufen, und über ihre Fortschritte u. s. w. befragt, wodurch zur Wettciferung, zur Entwickelung der Ideen, zum wechselseitigen, liebreichen Umgang und zur Wirkung des wohlthätigen Einfiusses der Vorgesetzten, Anlaß gegeben wird. Am Sonntag erhalten sie zwei Stunden lang Unterricht im Lesen, Schreiben, Rechnen, Zeichnen. Alle sechs Monate liefert ein Jeder bei geschlossener Thüre eine Probe seiner Kunst, und nachdem ihnen die vom Lehrmeister gerügten Fehler bemerkt worden sind, erhält der verdienstvollste die Prämie. Von dieser Einrichtung läßt sich also das Beste für die Zukunft hoffen. Auch für schon Erwachsene und Alten möchte der würdige Rabbine durch eine Arbeits- und Versorgungs-Anstalt sorgen, ja er legte selbst ein Kapital von L. 2000 zu diesem Behufe nieder, und andere Beiträge werden dazu gesammelt. Mit den Zeitbedürfnissen wohl bekannt, ist er übrigens den vernünftigen, sich mit den Grunblehren unserer Religion vertragenden Reformen und Verbesserungen nickt abhold. So hat er im Sinne, sobald es gewisse Umstände erlauben werden, die langweilige und andachtstörenbe Wiederholung der rrPpy und das nunmehr ganz unpassenden Verbot des Bartabscherens im fi abzuschaffen, dagegen Confirmation und eine Religionsprüfung für die Braut vor der Hochzeit einzusühren; hauptsächlich aber geht sein Ziel dahin, das Studium unserer heil. Bücher und der hedr. Literatur im Allgemeinen mehr unter uns zu verbreiten und beliebt zu machen. Gott segne sein edles Trachten! Samuel Romanini. Padua, 25. October. —Das gegenwärtige Fest erinnert an einen vorjährigen Bericht, in welchem Ihr Correspondent (I. 350) sagt, die ganze Gemeinde zu Triest von 6000 Seelen (es sind bekanntlich nur circa 3000) habe nur 12 Lulabim (Palmen zum Feste) gehabt; vielleicht gilt das nur von einer der vier Synagogen. Diese unrichtige Notiz hat mich veranlaßt, mir über die von den verschiedenen Gemeinden dieser Provinzen angeschafften Palmen genauere Nachrichten zu verschaffen, und kann ich nun für gewiß angeben, daß dieses Jahr in Triest 70, in Venedig 63, in Padua 43, in Verona 22 und in Mantua gegen 120 vorhanden waren. In Venedig waren voriges Jahr wohl nur 12, und man hätte in diesem Jahre deren nicht mehr angeschafft, wenn nicht der Rabbiner Abraham Lattes dem Mißbrauche, der durch den Handel mit den wenigen Eremplaren verübt wurde, gesteuert hätte. Er selbst ließ dießmal die Eremplare aus Genua und Corfu kommen, und vertheilte sie zu dem kostenden Preise, während er einige an Uebemitteite verschenkte. S. D. L. Paris. — Als eineCuriosität ist die Erscheinung eines Tableau's mit einem erklärenden Büchlein dazu, auch außerhalb merkwürdig, zumal der Künstler, Herr Rosenberg, dieß Werk für das letzte Mittel hält, die Ungläubigen wieder für den Glauben zu gewinnen. Es hat den Titel: L’origine du Culte Mosaique und soll den Geist des mosaischen Cultus und den Ursprung aller dahingehörigen Gebräuche darstellen. In der Ankündigung drückt der Verfasser sein Bedauern darüber aus, daß man seit einigen Jahren (?) die Paralvsie unsrer Religion wahrnimmt, und daß viele Religionsgenossen