Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 45 (6.11.1840)
- Date
- 1840-11-06
- Page
- Seite 378 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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378 nicht mehr damit zurückhalten konnte, ohne mit sich selbst in Widerspruch zu gerathen. Was seit dem geschehen, hat nur zu sehr gezeigt, daß ein solcher Widerspruch unverträglich ist mit dem Fortgang der Intelligenz hier zu Lande; und um so eher läßt sich von dem eingetretenen Wendepunkt aus eine Umgestaltung zum Bessern auguriren. — Hamburg. (Schluß.) 8) „Die wir aber eine Untrüglichkeit nicht kennen, wie vermögen wir zu ermessen, was göttlich, ewig ist, was nicht? — Denn ist nicht gerade das auch der Fall in unsrer Zeit, daß der heilig vreist, was der Andere verwirft, — der Bedingung zur Seligkeit, was dem Andern unannehmlich dafür erscheint? — O, wir haben ein solches Zeichen für die Wahrheit! Ein sicheres und untrügliches, ein gewisses und unfehlbares! Und der Prophet nennt es in unserm Texte: "G"i '»BQ nyatsn „höre das Wort aus meinem Mund e." „Und dieses Wort ist klar, erleuchtet die Augen; — und diese Quelle ist rein und hält sich rein, mit wie vielen fremdartigen Bestandtheilen man sie auch zu trüben suchte. Und es spricht's eine frühere Schriftstelle' mit so bestimmten Worten aus, daß eine Fälschung unmöglich ist, dem Wahrheit, dem Gott Suchenden: „Wenn Einer zum Propheten sich aufwirft in deiner Mitte rc." (5. B. M. 13,2—5.) Hier das Zeichen des Aechten und Unächten, des Wahren vom Falschen, des Göttlichen vom Menschenwerk, der Lehre Israels, von dem was nicht israelitisch! — Ueberlieferung oder keine Freilich Ueberlieferung! Aber für die Göttlichkeit dieser dient derselbe Maaßstad! Jede Auffassung der Gotteslehre in dem Sinn, daß sie uns zum Wandel nach Gott.führet, (f'obn Ti TPiN) ist göttlich, wahr. Was reine Furcht des Herrn in uns weckt und belebt, bas hat Gott gesprochen; — was euch seine Gebote im rechten Geiste auffassen lehrt, daß sie euch werden Mittel zur Vervollkommnung, daß sie euren Willen im Guten und für das Gute stärken — das ist göttliche Ueberlieferung! — Was euch lehrt, den eignen Willen dem des Höchsten unterordnen, seine Beschlüsse zu preisen, ob sie auch euren Wünschen nicht entsprechen, — ihm zu geben, zu lassen euer Bestes, Theuerstes, und wenn auch das Herz im Augenblick blutete, in dem Glauben, daß er der Gütige, der Barmherzige, der liebevolle Vater ist, wenn er nimmt, wie wenn er giebt, wenn er versagt, wie wenn er gewährt — dies haben wir überkommen von dem HErrn HErrn, dies geht aus von Gott, denn es führt zu ihm. — Jede Lehre für den Dienst Gottes, die euch zeiget, wie ihr ihm dienend, euch selber frei machet vom Dienste der Sinne und der Sünde, in seinem Dienste die Pflichten gegen euch und Andere übet und pfleget: die istvom Sinai, die erging von Gott an Moseh, an Josua, von diesem an die Aelkesten, und erhielt sich bis herab auf uns, und wirb sich halten und vererben von uns auf unsere spätesten Nachkommen. Und was euch an ihn, den Eineinigen, weiset, in jeder Lage, in jeder Noth und in der Nacht des Lebens euch in ihm erblicken läßt Licht und Hülfe, daß ihr nie euch verlassen, nie vergessen, immer gehegt, immer in liebendem Herzen, von liebenden Armen getragen glaubet und wisset —: sehet, dieß ist ein T>BD")2T«n T"D1 — Also habe ich's gefunden im Forschen nach Wahrheit dis heule; also habe ich's gelehrt, und die Lehre hat sich bewährt : also werde ich fortan hören auf das Wort des Herrn und es euch kund thun, eingedenk der letzten Worte der erlesenen Schriftstelle: □mkX mriTV" — An diese letzten Worte des Textes ward der vierte praktische Punkt geknüpft, der die besondere hiesige Gemeinde im Auge hatte; daher ich hiermit schließe. Ich enthalte mich über das Mttgetheilte alles weitern Lobes; es wird und muß sich selbst loben; umgekehrt wie in gewöhnlichen Fällen darf man dem Redner und Lehrer zurufen: *pD -if -£6rp- Des Wächters größtes Lob aber bleibe immer der Dienst, aus daß er darin treu befunden werde bei seinem Herrn. Dr. Kley. Ueber die projektirte Encyclopädie. Trier. — Es hat an sich etwas Erhebendes, wenn Gelehrte, die räumlich so weit getrennt sind, geistig sich nähern und vermittelst Ew. Wohlgeboren sehr geschätztes Blatt sich die Hände bieten, um gemeinschaftlich ein großes Werk auszuführen. Was nun die Einwendung Ihres gelehrten Correspondenten aus Oesterreich betrifft Ann. Nr. 32.181V, so ist es allerdings wahr, baß die wichtigsten Fragen über geschichtliche Ereignisse re. noch im Dunkeln liegen. Aber wollte man mit einer Encyclopädie warten, bis dieses Alles, ober auch nur größten Thesis aufgeklärt sei, so hieße das, dieselbe ad graecas calendas aufschieben. Erst durch ein solches Werk, worin über jeden Gegenstand die Quellen und die Literatur angegeben sind, kann jenes Dunkel nach und nach aufgehellt werden. So ist es bei allen Wissenschaften; man denke nur an die alte Geschichte der Griechen und Römer. Die Dunkelheit über die wichtigsten Fragen hielt die Gelehrten nicht ab, sich an ähnliche Werke zu machen zum großen Nutzen der Wissenschaften und der Bequemllchkeit der Forscher. Die Erforschung der Wahrheit soll dadurch gefördert, aber nickt geschlossen werden. Ein Beispiel möge dies erläutern. Das Wort nsy wird bekanntlich verschieden erklärt. Beiläufig bemerke ich, baß Herxheimer zu 6eu. 1v, 25. mit Unrecht die Erklärung vom Jenseitigen, weil Abraham vom Jenseit des Euphrath gekommen, zurückweiset, weil „v;2 immerauf den Stammvater deutet, und nicht auf den Ort der Herkunft." Diesem steht entgegen Q2, b22 *>j2* In der allgemeinen Geschichte des israelit. Volkes behauptet Dr. Jost, die Hirtenvölker hießen allesammt Ebräer. In den Annalen Nr. 32. 1840 findet man genügenden Aufschluß hierüber. Eine Encyclopädie würbe nun unter diesem Worte alles dies angeben, ein Jeder kann darüber Nachdenken und der Nutzen ist unschätzbar. Dagegen muß ich durchaus mit Ihrem Correspondenten aus dem Holsteinischen übereinstimmen a. a. O., baß die Arbeit nach Fächern getheilt werden und vorher eine Uebereinkunft stattfinden sollte. Unter der Rubrik: 4) Fest- und Feiertage daselbst verstand ich Beides, deren Feier und deren Chronologie, aber auch ihren Ursprung und ihre Bedeutung. M. Heß. Oesterreichische Zustande. Von der Donau, (Schluß.) Ich komme nun auf die literarischen Erscheinungen der nächsten Vergangenheit, um dieselben, dem Zwecke meines heutigen Briefes gemäß, übersichtlich zu erwähnen. Die erheblichste Erscheinung des vergangenen Jahres ist wohl Mannheimer's Bearbeitung der Liturgie, des Sidburs sowohl, als „der Festgebete nach der gottesdienstlichen Ordnung im israelitischen Bethause zu Wien und in mehreren anderen Gemxinden." Ohne sich, wie Heiden heim, mit