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Israelitische Annalen · 1840-11-06 · Heft 45 (6.11.1840) · p. Seite 379

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 45 (6.11.1840)
Date
1840-11-06
Page
Seite 379 (sequence 7)
Language
German
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379 Acngstlichkeit an den Buchstaben zu hakten, und ohne der Uebersetzung nur leise Anklänge aus dem Urtexte zu lassen, — wie dleß Löwisohn und Andere gethan — hat der gemütvolle Uedersetzer, seiner allerdings freien, Bearbeitung der alten Gebete und Gesänge eine Innigkeit, eine Zartheit, eine psalmische Naivetät einzuhauchen gewußt, so daß oft das harte, im Dienste des Reimes und anderer Künsteleien stehende Original der trefflichen Uebersetzung nicht gleich kommt. Die Anmerkungen zum Siddur und Machsor nehmen auf die neuesten Ergebnisse der Kritik Rücksicht, sind mit einer sehr rühmenswerlhen Genauigkeit gearbeitet, und werben nebenbei nicht wenig zur Erhöhung der Theilnahme an den kritischen, jetzt so beliebten Forschungen beitragen. AlS eine sehr zeitgemäße Erscheinung wirb auch Sulzer's Schir Zion begrüßt, welches Gemeinden und Vorsängern nicht genug empfohlen werden kann; es ist von früheren Erscheinungen der Art wesentlich verschieden, und wird besonders durch das geniale Anschließen an die allen Weisen, so wie durch die. geschickte Behandlung dieser herkömmlichen Melodien selbst die „zurückgebliebenen" Gemeinden für die neuere Synagvgenmusik empfänglich machen. Zur Bereicherung der neu-hebräischen Literatur ist manches Beachtenswerthe erschienen. Brecher's Commentar zum Kosri ist mit vieler Klarheit und ausgezeichneter Sachkenntniß abgefaßt. Die Beleuchtung vieler kabbalistischer Momente (Adschn. IV.) wird in manchen Kreisen von besonderem Nutzen sein; auf wissenschafilichem Standpunkte wäre freilich ein tieferes Eingehen auf die kabbalistischen Quellen wünschenswerth gewesen. Es ist in gegenwärtiger Uebersicht der Ort nicht, jenes Gelebrsamkcit und Fleiß beurkundende Werk ausführlich zu beurlheilen; aber die Bemerkung kann ich nicht unterdrücken, daß der Krilicism des Derf. ihn die kabbalistischen Ideen und Redeweisen der Kabbalisten allzu kraß nehmen, und somit mehr subjektiv als objemv beurlheilen ließ. Wie nun Jehuda halevi in Brecher einen tüchtigen Bearbeiter seiner Religionsphilosophie gefunden, so fand er in Prof. Luzzato einen gelehrten Herausgeber seiner geistlichen und weltlichen Lieder. Das neueste Heft des Lerem Chemed enthalt wahre Bereicherungen der Kritik und Literaturgeschichte; von ungleich geringerem Werthe sind die Schriften von Chajuth, Rabbiner zuZolkiew — die aber gleichwohl zeigen, daß die kritische Methode auch bei eigentlichen Thalmubisten Eingang gefunden — und des Roeh. Die Verfasser des Letzter» zeigen in der Tbat viel thalmudische Gelehrsamkeit, und es ist sehr zu bedauern, daß ihnen der kritische Sinn so ganz und gar abgeht.') Eine nähere Beachtung verdient Dr. Wolfg. Wessely's Katechismus, der vor Kurzem die Presse verlassen. Der, von vielen pädagogischen Autoritäten empfohlene, mit der biblischen Geschichte beginnende Lehrgang im Religionsunterrichte, den auch Dr. W. verfolgt hat, ist schon im Jahr 1837 von Skreinka in Arad versucht worben.2) Dieser Versuch ist aber nach Anordnung und Darstellung so mißlungen2), daß l) Das Buch Roeh ist, wie wir vernehmen, auf Befehl des Bücher-Rev.-Amt verboten, und die Vorgefundenen Exemplare wurden verbannt. * D. H. *) Vorübungen zum Unterrichte aus der rabbinisch-mosaischen Religion, der biblischen Geschichte und Sittenlehre. Mit hinzugefugten Erläuterungen einiger dahm beziehlichen (,) fremdartigen Stücke. Arad 1837. 144 S. *) Hier nur einige Proben aus diesem Schulbuche, das erst neulich so sehr gepriesen worden. S. 5: Gott aber hat Alles aus Nichts werden lassen; darum hat er Alles erschaffen. S. 6 Sehen kann ein ganz gesunder (?) Mensch mit den Augen. S. 9 ist von körperlichen Sinnen die Rede. S. 10 wird „die Seele" folgendermaßen definirt: „d. S. ist dasjenige in uns Menschen, bas die Kraft hat zu wissen, was man durch keinen Theil des Körpers wahrgenommcn hat, und die Kraft, nicht unserer Lust zu folgen." S. 13 „Gott verbietet nur das, was unrecht, schlecht und schändlich ist." Sehr gut! S. 10. Das Lickt ist um die ganze Erde herum, und steckt in allen Körpern. S. 20 „Weil er wohl füglich hätte unterbleiben können. Ohne allen Vergleich besser, und in jeder Beziehung gelungener ist W.'s Katechismus, der unter dem Titel eines „biblischen" erschienen; wiewohl in demselben auch Nicht-biblisches Platz gefunden. * *) Am Schlüsse meines heutigen Berichtes erwähne ich noch M. Bl och's Versuch einer ungarischen Bibel, der nur lokales Interesse hat, aber als Beförderungsmittel der magyarischen Sprache Würdigung findet. Der Verfasser ist zum correspvnbirenden Mitgliede der ungar. National - Akademie ernannt worden. — Stern's metrische Uedersetzungen der „Vätersprüche" hat viele, recht gelungene Stellen. Schade, daß der Verf.. seltsam genug, den guten Alten „Mystificationen" zuschreibt, — mystlficiren wollten sie doch wahrlich nicht. Großherz. Baden. Rand egg. — Zn Nr. 16 der Annalen sprach ich den Wunsch aus, daß wir einen zeitgemäßen Bidelcommentar für den Schulunterricht bekommen möchten. Es hat dieß hie und da die Bemerkung veranlaßt, baß es fast den Anschein habe, als beabsichtige man den hebräischen Unterricht aus den Schulen zu verdrängen. Die Frage, ob es überhaupt an der Zeit sei, den hebräischen Unterricht aufzugeben, ist von pädagogischer Wichtigkeit, und ich will diese hier nicht in ihrer ganzen Ausdehnung behandeln. Dahin aber glaube ich mich erklären zu müssen, daß die Schulen Nicht allein diesen Unterricht keineswezes abschaffen dürfen, sondern ihn sogar so gründlich als möglich ertheilen sollten. Sogar wenn, was hiemit noch nicht zugegeben wird, die Gebete eben so gut in der Landessprache abgehalten würden, bliebe noch immer eine nähere Kenntniß der biblischen so wie der spätem theologischen Quellen und der Gesetze wesentlich genug, um ihretwegen auf ein gründliches Studium zu dringen. Selbst die Gegner müssen eingestehen. daß sie ihre neuern Ansichten über die zweckmäßige religiöse Bildung nur der Quellenkunde verdanken, wahrend die, welche letzterer entbehren, durchaus gar keine glimme bei diesen Fragen haben. Wo sollen denn, wenn die Schulen keine Grundlage mehr gewähren, bie Rabbinen und Lehrer ihren ersten Unterricht erlangen? Will man etwa von solchen, die als Jünglinge mittelst 2—3 Stunden wöchentlich in Grammalik und spater einiger Vorlesungen über Exegese, die Quellen lesen, die nöthige Tüchtigkeit erwarten? Da würde es am Ende auch mit uns dahin kommen, daß die Theologen alle ihre Kenntnisse aus Eisenmenger und dergleichen schöpfen, und eine dichtere Finsterniß würde unsere Theologie bedecken, als die frühere, über welche man so sehr klagt. Selbst Seminarien würben dem Nebel nicht Vorbeugen, denn bleiben die wenigen Individuen, welche aus solchen Anstalten hervorgehen, im alleinigen Besitz aller Sachkennlniß. so schützt uns nichts vor den Verirrungen Einzelner; fanden ja doch schon selbst die Neuern Gelegenheit, sich über die Schriflverdrehung derer, welche von den alten Formen sich abwendeten, mit Recht zu beschweren. am siebenten Tage das Beste und Schönste entstanden ist,... so ist dieser Tag der Tag der Vollkommenheit. S. 23 wirb gegen die heilige Schrift behauptet, baß nur der Mensch rPH heiße. S. 11 wird behauptet, es sei den Israeliten befohlen worden, daß sie nach und nach den andern Menschen von ihrer Lehre so viel mittheilen sollen, als sie (?) davon anzunehmen fähig sind." Diese Proben mögen hinreichen, das Büchlein, dessen Styl und dessen Werth genügend zu charakterisiren. *) Der Herr Correspondent verbreitet sich hier über Einzelnes in diesem Buche, an welchem er manches auszusetzen findet. Wir haben bereits von dem Werke gesprochen, und dasselbe nach seinem Werthe empfohlen, und wünschen nicht noch einmal einiger, wenn auch nicht ungerechten Ausstellungen wegen, darauf zurückzukommen, da so viel Material vorliegt. Bei einer übersichtlichen Recension der neuern Katechismen findet sich wohl noch Gelegenheit, die Bemerkungen zu benutzen.

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