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Israelitische Annalen · 1840-11-06 · Heft 45 (6.11.1840) · p. Seite 377

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 45 (6.11.1840)
Date
1840-11-06
Page
Seite 377 (sequence 5)
Language
German
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377 % um in der Wüste einen Baum zu pflanzen, dessen Früchte jeder anstaunte. Anders aber ist der Eindruck bei denen, welche nach Wahrheit forschen, und im Stande sind, ihm nachzugehen und seine Lehren zu prüfen; obwohl deren nur Wenige sind. Leider ist die Nachtreterei und Nachbeterei, die eigentliche Verderbniß aller ächten Wissenschaft, so vorherrschend, daß selbst die Freunde dieser Kenntnisse sich wie kleine Kinder von einem verehrten Vorgänger leiten lassen und sich fürchten, allein zu stehen, obwohl jeder Denker wissen sollte, daß auf diesem Gebiete nur Forschung, nur Prüfung, nur Vorbringen einen Werth hat, und jeder zunächst prüfen sollte, ob die „Siebenzig Dattelpalmen und Quellen," so del Medigo vor 200 Jahren geschaffen, noch Labung gewähren können in unsrer bei weitem fruchtbarern Zeit? — Nein, ich sage noch mehr, bereits zu seiner Zeit war man viel weiter in der Mathematik, es blühete schon die Wissenschaft, er aber blieb nur in den nieder» Regionen und kannte die höhere Geometrie gar nicht. Wie lange soll daher noch dieses Werk in so hoher Achtung stehen, daß die Jünglinge dasselbe als den Inbegriff alles Wissens studiren? Leicht wird dadurch der junge Studirende verleitet, sich, nachdem er mit vieler Mühe und bedeutendem Zeitverluste einiges aus dem Werke erlernt hat, einzubilden, er sei wirklich in die Wissenschaft eingeführt worden. Darum habe ich mir vorgesetzt, ohne den Ruhm des Verfassers beeinträchtigen zu wollen, seine Lehren zu zergliedern, und da wird sich denn zeigen, was eigentlich daran ist. Nach dieser Einleitung geht der Verfasser tiefer ein und bewährt nur gar zu sehr seine Behauptung, so wie er nebenher auch die übrigen jüdischen Mathematiker deurtheilt. So > gründlich die Arbeit ist, um so mehr bedauern wir es, daß die Annalen für weitläufige mathematische Abhandlungen keinen Raum darbieten, vielleicht gelingt es uns, einen Theil dieser schönen Fortsetzung anderweitig zu veröffentlichen. Leider dringt sich uns die Uederzeugung auf, daß auch der Ruf jenes Werkes selbst für die Zeit, in welcher es entstanden ist, bei weitem übertrieben worben, und zwar bloß weil es den Zeitgenossen etwas Neues war. Diese traurige Erfahrung machen wir noch jetzt täglich, daß nämlich Werke, die einen bisher in dem Kreise, wo sie entstehen, etwas neue Materie darzubieten scheinen, alsbald mit großem Lobe, oft in der edelsten Absicht, anemvfohlen werden, und am Ende sich doch als ganz unbedeutend erweisen. Einige Bemerkungen aus dieser Abhandlung scheinen uns doch auch hier der Erwähnung werlh: Auf dem ersten Brief des Fragestellers Serach heißt es: Geschrieben am Montage, 11. Jjar, 23 der Zählung, im Jahr 38V der Welt, (b. i. 162V), dieß ist unbegreiflich, denn der erste Jjar war in diesem Jahre am Montage, also war der nächste Montag der 8te, nicht aber der Ute; auch kann dieser niemals nach unserm Kalender auf den Montag fallen; daraus geht hervor, baß der Schreiber einem andern Kalender folgte. Der 23. der Zählung stimmt mit unserm, indem damals gerade das Wochenfest auf einen Sonntag fiel, mit dem Karaitifchen zugleich. (Vergl. hiermit Geiger M. Ch. XXXV. Anm. unten.) Unter den 1v Fragen (Bl. 42) des Ali aus Kahirah befindet sich: 1) wie man aus den 3 Winkeln eines nicht rechtwinklichen Dreiecks das Verhältnis der Seiten finde? — Was jeder Schüler weiß. 2) Wie man den Flächeninhalt eines regelmäßigen gleichseitigen Achteckes finde? Der Vers, will hier eine neue Methode erfunden haben; die Sache hat aber bekanntlich gar keine Schwierigkeit. Bei der Lösung der vierten Frage kommt er auf die Lösung der Gleichungen vom vierten Grade; er sucht die Lösung einer Gleichung vom dritten Grade auf schwierigem Umwege und macht davon großes Aufhebens, giebt sie auch für eine Erfindung des Franc. Vieta aus, während schon Hieron. Cardanus (1545) dies Verfahren hatte drucken lassen, welcher wiederum es vom Tartaglia hatte, der es selbst als Geheimniß vom Scipioni erlernte. Die Lösung der Gleichung vom vierten Grade hatte B a m b e l u s schon 1519 bekannt gemacht. Dies Wenige mag einen Begriff von der gesunden Kritik unsers verehrten Correspondenten geben. Nachrichten und Correspondenzen. Berlin. — Zur Huldigungsfeier, an welcher die hiesige Gemeinde mit derselben Begeisterung Theil genommen hat, welche alle Preußen in diesem Augenblicke durchglüht, hat dieselbe auch ein dauerndes Denkmal der Mildthätigkeit, durch Aufbringung der Kosten zum Aufbau eines Hospitals für alte Männer und Frauen errichtet, über dessen Ausführung seiner Zeit das Nähere erfolgen soll. Die Aussichten für die Zukunft gestalten sich in vielen Beziehungen günstiger. Cs leidet keinen Zweifel, daß namentlich wenn der Friede besteht und keine politische Störungen eintreten, die Regierung die vielseitigen Anträge, auf Verbesserungen unsrer kirchlichen Angelegenheiten berücksichtigen werde. Kultus und Schulwesen, letzteres ohnehin schon seit vielen Jahren bedeutend fortgeschritten, werden sicherlich eine bestimmtere Bewegung erhalten, und nicht mehr den Schwankungen der Partheien so sehr unterworfen sein. Ueber andere Punkte läßt sich für jetzt nichts bestimmtes sagen, doch scheint es, daß manche kleinliche Beschränkungen und Beschwerden ohne Verordnung aufgehoben seien, wie denn überhaupt es fast das Ansehen hat, als werde die bessere Praxis den Weg bahnen zur Gesetzgebung. Es ist dieß der langsamere, aber doch zuverlässige; wie wir aus der ftühern Geschichte sattsam ersehen. Durch die vielen einzelnen Begünstigungen unter Friedrich n. und seinem Nachfolger gelangte man zu der Gewißheit, daß der Staat durch deren Verallgemeinerung nur gewinnen könnte, und schon 1192 war die Gesetzgebung auf dem Punkte, die Bürgerrechtserklärung auszusprechen, welche aber durch anderweitige Verhältnisse verschoben ward, dis zwanzig Jahre später die Zeit

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