Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 45 (6.11.1840)
- Date
- 1840-11-06
- Page
- Seite 376 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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376 verläugnung und Unterdrückung des Unwillens, der jedes Edeln Brust durchglüht, wenn empörende Ungerechtigkeit begangen wird. Es ist seine Absicht, den oftmals so unwürdig geführten Kampf, selbst vor dem minder reifen Volke zu veredeln. Allein alles das ist noch fruchtlos. Der Gegner erweckt die ganze Grattenauer'sche Epoche aus dem Tode, dem sie verfallen schien, und sucht nicht bloß den angefochtenen Verhältnissen das Wort zu reden, sondern stellt sich auf den Standpunkt eines halben Jahrhunderts rückwärts, die Wirkungen der Zwischenzeit ganz verkennend. In andern Gegenden des Preußischen Staates können solche Broschüren fast gar keine Wirkung mehr erwarten, in Breslau scheint man die Brand'sche Fehde doch nicht für gleichgültig zu halten, denn eine Antwort ist erfolgt, freilich nicht von Herrn vr. Francolm, welcher doch wohl nicht allzusehr herabfteigen mag, sondern von Herrn Miro, welcher es auf sich nimmt, dem Gegner auf gleichem Boden die Stirn zu bieten. Von ihm ist eine „Z u r ü ck w e i su n g der Antwort eines Christen rc." erschienen, welche geradezu sich dahin erklärt, daß sie nicht des Herrn Francolm „Worte eines Juden" vertheidigen wolle, da diese keiner Vertretung bedürfen, sondern nur die Anmaßung der Unwissenheit und Glcißnerei zu würdigen beabsichtige. In der That bedauern wir es, daß Herr Miro es der Mühe werth fand, sich zu stellen und den Handschuh aufzunehmen. Da es aber einmal geschehen ist, so folgen wir ihm, wie er die Angriffe des Herrn Brand parirt. Im Ganzen wird freilich dieses Kampfspiel, am meisten aber die Derbheiten und eingestreucten Witzeleien, der literarischen Welt unerquicklich erscheinen, indessen ist das Recht,' in Betreff der Wahrhaftigkeit der Behauptungen, sicherlich eher auf Seiten des Herrn Miro. Ueber Einzelnes zu berichten halten wir nicht für angemessen, da das Ganze nur die Wiederholung längst vergessener Rechthaberei ist. Wünschen aber müssen wir, daß die Literatur nicht mehr mit solchen Unwürdigkciten belästigt werde, die, selbst da, wo sie provocirt erscheinen, immer nicht dem Standpunkte der Bildung angemessen sind, den unsere Literaten durchschnittlich einnehmen oder doch einnehmen sollten. Kritische Studien. Einleitung zu einer gründlichen Kritik der Werke des Joseph Salomo del Medigo. Von R. (aus Lithauen eingesandt.) Nachdem durch die Biographie des genannten Gelehrten von Herrn vr. Geiger die Aufmerksamkeit wiederum auf dessen Wirken sowohl als insbesondere auf seine hinterlassenen Werke hingelenkt worden, denen man zum Theil einen allzugroßen Werth beilegt, ist es auch wohl an der Zeit, dieselben nach ihrem innern Gehalte zu würdigen, damit dieser nicht, wie es gewöhnlich bei literar-historischen Arbeiten geschieht, überschätzt werde. Bei unserm Autor sind der Anlässe zur Bewunderung sehr viele, und sie ist ihm in hohem Maße gezollt worden. Merkwürdig bleibt er immer, sowohl seiner Kenntnisse als seiner eigenthümlichen Ansichten wegen, die durch seine Reisen noch einen besondern Reiz erhalten. Er ward auf der Insel Kreta im Jahr 1591 geboren, und zeichnete sich schon früh durch seine Fortschritte im Wissen aus; dann reiste er nach Aegvpten und von da nach der Türkei, Italien, Polen, Rußland bis über Wilna und dann wieder nach Deutschland, überall sich einen guten Namen erwerbend. Als er 38 Jahre alt war, gab er zugleich zwei Werke heraus, Elim in Amsterdam und sein Tiiaalumoth Chochma in Basel, denn seine Werke thcilten seine Unstättigkeit. Seitdem weiß man wenig von ihm, nur daß er 1652 noch in Worms gesehen worden, ist nachzuweisen (s. Geiger's Melo choplnrnjim). — Die eigentliche Idee, welche diesen Mann beseelte, ist nicht recht zu erforschen; denn dieser Gelehrte unterscheidet offenbar zwischen dem, was er veröffentlicht und dem, was er für wahr hält, obgleich er an einer Stelle sehr wohl dieses Geheimniß den Verständigen verräth, ohne sich auszusprechen. Unsre Absicht ist es nicht, diese nachzuweisen, indem wir am Ende wohl auch irren können, und es jedenfalls nutzlos ist, gegen eines sehr anerkannten Gelehrten Aufrichtigkeit Zweifel zu erheben. Die Sache möge daher auf sich beruhen. Seine Zeitgenossen sahen in ihm einen sehr rühmenswerthen Denker; so Jom Tob Heller (geb. 1579) veraok. I. 1. und der Jore deah. 89, 16. Jair Cliajim im Cliav. Jair 270. Dahingegen halte ich es für angemessen, das Werk Elim mit kritischem Auge durchzugehen, zumal dasselbe mit ungemeinem Geräusche auftrat, und als der Inbegriff aller 7 Wissenschaften begrüßt ward (damals nannte man, wie noch jetzt häufig, die Zahl 7 als den Cyklus humanistischer Kenntnisse) so daß man diejenigen glücklich pries, welche dasselbe verstehen. (Vergl. bas Gedicht des Joel Baal schem im Eingang zu Nezach Jisrael)} und der zuletzt genannte ZeitAbnosse des Verfassers freuete sich, daß es ihm gelungen war, einige Capitel aus Elim zu commentiren. Dies Aufsehen ist natürlich, denn der Verf. stand mit seinen Kenntnissen ganz allein da, und kein Einziger trieb die mathematischen Wissenschaften. Del Medigo wußte dieß, und benutzte es.