Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 44 (30.10.1840)
- Date
- 1840-10-30
- Page
- Seite 370 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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370 Danaos et dona ferentes nicht sonderlich verargen. Auch ist nicht zu übersehen, daß da, wo sich nicht durchgreifend wirken, und sich das Ganze nicht auf ein höheres Stadium führen läßt, die halben Maßregeln besser unterlassen werben, und nicht „zweierlei Saamen" gesäet wirb im Weinberge Gottes. (Schluß folgt.) Aus dem Preußischen. — Von verschiedenen Seiten her kommen uns Berichte über Feierlichkeiten, welche ij die Synagoge, an allen Punkten Preußens begangen hat. | tbeils zur würdigen Trauer über den Hmtrilt des hochseligen! Königs, theils zur Darlegung der allgemein gefühlten An-! hänglichkeit und der treuen Gesinnungen auch für des nunmehr regierenden Königs Majestät, dessen segenreiches Wirken die Saaten des unvergeßlichen Vaters zum vollen Gedeihen bringen wird. Wir können nicht alle Berichte aufnehmen; sie stimmen sämmtlich darin überein, daß die Israeliten, ungeachtet noch auf vielfache Weise beschrankt, und von dem Mitgenusse der ihnen gesetzlich zugestandenen Rechte, deren sie sich in jeder Beziehung auch würdig gemacht haben, ausgeschlossen, dennoch mit liebevollem und dankbarem Sinn die Wohlthaten erkennen, welche sie aus der Hand des ruhmgekrönten Königs emhfingen, welcher sie aus zurückgesetzten und verachteten Schützlingen zu achtbaren Staatsbürgern erhob, und daß ihre dankbaren Herzen für das Königshaus schlagen, welches durch crhöhete Intelligenz nicht bloß den Staat groß zu machen, sondern auch das ganze Volk zu erleuchten und für die höchsten Staatsinteressen zu gewinnen wußte. Unter den Trauerreden erwähnen wir noch die erst spät in Druck gegebene, zu Myslowitz in Schlesien am 30. Juni > vom Rabbiner David Deutsch gesprochene, welche die -! großen Verdienste des vorigen Königs um die Wohlfahrt des j Landes, wie um Beförderung wissenschaftlicher Anstalten und i Bestrebungen, und religiöser Duldung, entwickelt, und eben! so sehr von dem Talente des gemüthlichen Redners, als von! dem bedeutend fortgeschrittenen Geiste der Rabbinen, selbst jj in den kleinen Städten, ein würdiges Zeugniß giebt. Wir!! können nicht umhin, diesem außerdem sehr kenntnißreichen Radij bmen einen ausgedehntern Wirkungskreis zu wünschen. jl Betreffend die Festlichkeiten, welche der neue Regierungs-! antritt hervorgerufen hat, bemerken wir einige, in denen sich j besonders der versöhnliche Geist offenbart, welcher für die Zukunft friedliche und überhaupt erfreulichere Zustände erwarten laßt. In dieser Beziehung lesen wir in der Kreuznach er Zeitung vom 16ten Oct. in welcher löblichen Eintracht die beiden christlichen Confessionen und die Zsraeliten zu Kreuznach die Feste des fünfzehnten (Geburts- und Huldigungstag Sr. Majestät) begangen haben. Hier der wörtliche Bericht aus derselben, so weil er diesen Gegenstand | betrifft: „In der katholischen Kirche warb mit dem Te Deum und dem üblichen Gebete für den König und Sein Haus der i Gottesdienst geschlossen. Hierauf begaben sich der größere Theil der Anwesenden aus beiden Kirchen, auch die Herren Geistlichen, in die Synagoge hier, wo in feierlich ernster Weise und trefflich ausgeführten mehrstimmigen Gesängen, deren orientalische Nachklänge das Interesse nicht wenig erhöhten, mittelst einer in deutscher Sprache durch den Raddinats-Candibaten, Herrn Hirsch, in würdiger Weise gehaltenen Rebe, der Gottesdienst der Feier des Tages sich anschloß. War der Redner beflissen, die Begründung der religiösen Gesinnungen seines Stammes auf Rechtschaffenheit und Vaterlandsliebe zurück zu führen, und die Vorurtheile zu beleuchten, die andere Meinungen aufkommen ließen, und denen ein mehrere tausend Jahre altes Bestehen widerspreche, was nur auf dem Grunde, nicht des Menschlichen, sondern des Göttlichen, möglich sei, so konnte ihm die wärmste Tbeilnahme der dicht gedrängten Zuhörer aller Confessionen nicht fehlen, und man glaubte den einzigen Weg deutlich zu sehen, auf welchem derselbe, aus eigener sittlicher Kraft, zu der gewünschten völligen Gleichstellung am schnellsten kommen könne." Es leidet keinen Zweifel, daß solche Eintracht der Gesinnung, und solche liebende Tbeilnahme der Behörden endlich alle Anlässe zu Differenzen vertilgen, und der bereits lebendig angeregte Wille der dortigen Gemeinde, des Vaterlandes aut alle Weise sich würdig zu zeigen, die kräftigste Unterstützung und gebührende Anerkennung finden werde. Hamburg. (Fortsetzung.) Wer mehr als der Lehrer des Volkes hat darüber zu wachen, daß die Lehre, daß der Glaube in so lebendiger Größe aufgefaßt werde; wer mehr zu hüten, daß Alles, dem entgegen, fern gehalten bleibe! Was lebt, gebiert Leben, schafft Neues, bildet sich selber fort, entwickelt, vervollkommnet sich. Die Offenbarung ist eine solche lebendige; als unmittelbar von Gott an Einzelne ergehend, hat sie mit den letzten Propheten aufgehört ('v^ j-VHDI ■’in ,iiT2£'£) — aber ihr Ende erreicht hat sie nicht, und nicht minder als in der Schrift offenbart sich Gott in der Geschichte; und - da hat er verheißen, nie zu verlassen sein Volk, für Israel in der Entwickelung seiner Lehre. — Nicht minder als über die Erhaltung des lebendigen Geistes der Schrift, hat der treue Wächter zu wachen über die Auffassung des lebendigen Geistes der Geschichte. Dem forschenden Blicke entgeht der immer sich offenbarende Fortschritt nicht; dem denkenden Geiste bleibt nicht verborgen, wie, ob Zeiten kommen und vergehen, heute das Gestern, und morgen das Heut verdrängt, wie nichts beständig ist als der Wechsel, — doch über allem dem der göttliche Geist, der Geist der Wahrheit schwebt und sich erhält und bleibt; dem gewissenhaften Wächter entgehen die Anknüpfungspunkte nicht zwischen dem Ehemals und Jetzt, aber er kennt kein Aufhören, kein Stillefteben. Und in der Offenbarung und in der Entwickelung des göttlichen Werkes der Menschenveredlung, in der Herbeiführung des i-i&' rvC^D' des Gottesreiches, sollte ein Stillstand möglich, wirklich sein? — Das ist das Leben, das der Geist der Geschichte überhaupt, das Leben und der Geist der Geschickte Israels und seines Glaubens insbesondere, daß alles Geschehene in einem Geschehenen seinen Grund hat, daß scheinbare Rückschritte sichern Fortschritt in sich tragen, daß ein Stillstehen unmöglich ist bei dem was lebt, was