Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 44 (30.10.1840)
- Date
- 1840-10-30
- Page
- Seite 368 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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368 abgesehen davon ist er als derjenige zu betrachten, welcher zuerst die jungfräuliche Schrift sich aneignet." Die auffallende Schwierigkeit, diesen Worten einen bestimmten Sinn abzugewinnen, hat manchen veranlaßt, sich in der Urschrift Rathes zu erholen. Diese nun scheint S. 21 etwas anderes ausdrücken zu wollen, wie eine wörtlichere Uebersetzung deutlich darthun möge: ., R. M. b. M. trifft meistentheils den Sinn der H. Sch. genau, und sein Eommentar zum Pentateuch sagt mir sehr zu, mit Ausnahme der Stellen, wo er ein fremdes Weib umarmte. Hätte nicht dieser hochgestellte Moscheh jene von den Räubern erlös't, so wahr ich lebe! sie wäre noch eine Jungfrau, hättenicht gekreiset und nickt geboren, und wäre wie ein verlassenes Weib dahingewelket." Hiernach wäre der Sinn, baß der Nachmenibe den Vorwurf zu tragen hat, der eben aufblübenden Kabbalah, anstatt sie von sich zu weisen, gleichsam den Empfehlungsbrief gegeben und sie eingeführt zu haben; welcher Sinn in der obigen kurzen Uebersetzung wohl nicht erkannt wird. Rosenthal, aus Hannover, j! Nachrichten und Correspondenzen. Triest, 11. October 1840. — In einem verbreiteten j Blatte lesen wir eine der Zeitung für die elegante Welt entnommene Notiz über Triest, welche mehre Unrichtigkeiten enthält, die wir nicht mit Stillschweigen übergehen können. Es heißt nämlich: unter den 60,006 (?) Einwohnern Triest's giebt es 15,000 (!!) Juden. Der Berichterstatter hat entweder übertreiben wollen, oder sich etwas aufbinden lassen: Nach den neuesten amtlichen Angaben zählt die Gemeinde zu Triest in Allem nur 2494 Seelen; ferner haben die Juden hier nicht fünf, sondern vier Synagogen, und endlich kennen wir keinen Millionär Hirsch er (vielleicht Hierschel?) mit dem der Referent groß thut. Uebrigens wissen wir nicht, warum derselbe, wenn er schon anders die diesseitigen Verhältnisse der Juden besprechen wollte, so vieles unberührt ließ, das allerdings Erwähnung verdient. Die hiesigen Israeliten nehmen einen sehr bedeutenden Rang in der Gesellschaft ein; von Seiten des Staates genießen sie (öffentliche Aemter abgerechnet) gleiche Rechte mit allen christlichen Einwohnern: sie dürfen Häuser, Güter und Schiffe auf ihren Namen besitzen, alle Künste und Handwerke treiben; und so wie der Kaufmannsstand durch seine überaus große Thätigkeit einen mächtigen Einfluß auf den Handel, man mochte sagen, der ganzen Monarchie, übt, so zeichnen sich auch mehre Israeliten als Aerzte, Gelehrte, Dichter, Künstler und Handwerker sehr vortheilhaft aus. Auf der Börse herrscht kein Religionsunterschieb, eben so wenig in der Gesellschaft, die jüdischen und christlichen Familien leben in der größten Harmonie, ja in Freundschaft miteinander; desto mehr muß man sich aber freilich wundern, daß keinem Israeliten der Zutritt in die Casinv's (das griechische macht eine Ausnahme) gestattet ist. — Die jüdische Gemeinde unterhält eine gut dvtikte Hauptschule für Knaben und Mädchen, die indeß nur von den Kindern unbemittelter Eltern besucht wird, die Reicheren lassen meist ihre Kinder im Hause von Privatlehrern unterrichten. — Das israelitische Hospital sucht seines Gleichen in wenigen großen Städten; arme Waisen werden im allgemeinen Armeninstitute untergebracht, wo für sie eine besondere Küche besteht und ein Religionslehrer gehalten wird. — Mehre jüdische Kaufleute sind Mitglieder der Börsendeputation, des Stadtraths, der Theaterdirection k. An der Spitze der Gemeinde als i Seelenhirt steht der Rabbiner (Morenu) Herr S. Treves, j ein Mann, dessen öffentliche Vorträge (in der Regel alle 14 Tage in der deutschen Schule nach vollendetem Sabbathgottesdienste gehalten) sich durch rhetorische Schönheiten hervvr- > thun, der aber mehr wirken könnte, wenn er wollte. So z> B. steht der Gottesdienst hier noch auf einer sehr nicdern Stufe und ist noch schlechter bestellt als in manchen polnischen Städten, und es liegt lediglich an Herrn Treves, ihn nach jetzigen Bedürfnissen umzugestalten. Die Gemeinde ist reif dazu, und einige Männer aus alter Zeit abgerechnet, die sich übrigens auch fügen würden, fühlt jeder die Mängel in der Synagoge zu gut, als daß er nicht lebhaft eine Reform wünschen sollte. Wer könnte sich wohl dei'm Anblicke der vielfältigen Störungen aller Andacht in den Tempeln noch am jüngst verflossenen Versöhnungstage des Ausrufs erwehren, den bereits Jesaias an die Gemeinde richtete: LVIH. 5. Soll dies ein Fasttag sein, an dem ich Gefallen habe? re. Die Mordgeschichte in Damaskus hat hier großen Antheil erregt und die Unschuld kräftige Verfechtung gefunden; wir glauben sagen zu dürfen, daß die von hier ausgegangenen Vertheidigungsartikel (welche, wie wir nicht ohne Grund vermuthen, alle der Feder des Herrn I. Löwen thal, Redakteurs des Journals des österreichischen Lloyd, entflossen sind und die theils in der Augsburger Allgemeinen Zeitung, theils in französischen und italienischen Blattern abgedruckt i: waren) viel dazu beigetragen haben, die ganze Sache in ein besseres Licht zu stellen. — Herr Montefiore ist bereits in Syra angekommen, und wird mit dem nächsten Dampfdoote! hier erwartet, mir werden uns dann beeilen. Ihnen sowohl! über diesen interessanten Mann, als über mehrere jüdische! Zustande überhaupt Berichte zu erstatten. *** Oefterreichische Zustande. Von der Donau. (Fortsetzung.) In den gottesdienstlichen Angelegenheiten hat sich im vergangenen Synagogenjahre einige Beweglichkeit gezeigt. In Preß bürg hat sich ein Verein gebildet, der die Gründung einer anderen Synagoge, nach Muster des Wiener Bethauses, zur Absicht hat. Wenn irgendwo, so ist es in Preßburg, dem Sitze des ungarischen Reichstages, wünschenswerth, daß sich der isr. Gottesdienst in würdiger, ansprechender Form darstevte. Die Beffergesinnten'des ganzen