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Israelitische Annalen · 1840-10-30 · Heft 44 (30.10.1840) · p. Seite 366

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 44 (30.10.1840)
Date
1840-10-30
Page
Seite 366 (sequence 2)
Language
German
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366 ciren der Gründe, wie solche seit Jahrhunderten in Büchern, immer von einem partheiischcn Standpunkte ausgehend, wiederholt worden, ohne daß irgendwo eine ausreichende objektive Kenntniß sich zeigt, welche der Gesetzgebung eine sichere Grundlage darböle. Die meisten Argumente werden hergeleiret, entweder aus den literarischen Quellen der Israeliten, worin die Einen lauter Menschenhaß und Verderbniß, die Andern lauter Pietät und erhabene Gesinnung finden, oder aus den am Meisten hervortretendcn Lebenserscheinungen, in welchen die Einen nur Absonderung, Niedrigkeit, Starrheit erkennen, die Andern Demurh, Besonnenheit, Treue und Ausdauer rühmen, — die Lireraten aber lassen außer Augen, daß alle diese Aeußerungcn und Zu-! stände nicht die Gesetzgebung bedingen, sondern von j ihr bedingt werden, und daß die Beweise dieser | Wahrheit bereits vorlicgen und lautes Zeugniß ab-! geben. — Hie und da hat auch mancher P u b l i c i ft! schon diese Erkenntniß in ihrem Keime entdeckt und als Prinzip entwickelt, aber die Belege dazu fehlen. Wer darf auch hoffen, sich eine so umfassende Kunde von den so vielfach verschiedenen Verhältnissen der so weit und breit zerftreueten Israeliten, selbst durch die fleißigste Forschung zu verschaffen, wofern nicht scharfblickende und aufrichtige Beobachter aus allen Gegenden und Gesetzgebungen, welche es zugleich verstehen, zeitliche und örtliche Nebenbedingungen zu würdigen, ihm hülfreich zur Seite stehen? — Selbst der edelste Wille erschlafft aber, wenn er auf beschränkte Beobachtungen gestützt , aus einzelnen Erscheinungen auf allgemeine Nothwendigkeiten folgert, und überall eher Hemmungen erblickt, als fördernde Aufmunterung. DiesemUebelstande dient die Centralisation aller speciellen Erscheinungen, sowohl der Vorzeit wie der Gegenwart, auf's Entschiedenste abzuhclfen. Aus den statistischen Angaben und der immer mehr sich enthüllenden historischen Entwickelung werden die Zahlenverhältnisse nicht nur der Population, sondern auch der vielseitigen Leistungen und der verschiedenen Capaciräten, so wie die durch fortschrci-!j tende Humanitär hervorgebrachten Veränderungen der Lebenszustände, und kurz die ganze Unwahrheit der meisten noch jetzt geltenden Grundlagen, deutlich vorgeführt und zur allgemeinen Kunde gebracht. Die Gesetzgebung lernt ihr Objekt und ihre Gewalt erkennen, und — die wohlthatige praktische Wirkung muß früher oder später cintreren. Eine gleicheBewandtniß hat es mit der inner» Organisation, sowohl des bürgerlichen Lebens als der kirchlichen Angelegenheiten. Uebcrall, wo der Horizont beschränkt ist, bleibt der Wirkungskreis beengt, eben so wohl in seinem Umfange, wie in dem Begriff. Die Gewohnheit macht den Menschen mit Leiden und äußerm Druck vertrauter als mit Frohsinn und Freiheit. Es ist leichter, den Schwung zu lähmen, und den Geist an's Dulden zu gewöhnen, als ihn aus der Erstarrung zu wecken, zur Lebenslust zu ermuntern, und besonders ihm die heilsame Richtung zu geben, daß er auch mit Bewußtsein sich bewege. Die Gesetzgebung kann hier vieles vorbcreiten, kann mit Erfahrung vorleuchtcn und mit Weisheit anleiten. Das wahre Lcbcnsprincip aber muß von innen heraus sich entfalten, um wahrhaft zu gedeihen. Viele Hoffnungen sind bis jetzt unerfüllt geblieben, weil eben das Selbftbewußtsein noch nicht gleichmäßig erwacht ist, weil die Schlummernden zwar vom Zeirgeifte stark berührt worden, aber noch immer nicht die Welt um sich her gehörig erkannt haben. In einem unsichcrn Taumel versuchen sich einige in dem neuen Elemente, während andere noch im halben Traume Schreckenserscheinungen sehen, die ihnen Verderben drohen. Daher tausend und abermal tausend Mißverständnisse und einander durchkreuzende Bestrebungen und Wünsche, oft mir lei-!! denschaftlicher Aufregung geäußert, oft zu blindem! Eifer erstarkt, welcher, in dem Wahne, das Gute? zu erhalten oder zu erreichen, das Zunächstliegende! übersieht oder gar zertritt. Diejenigen aber, welche z! bereits zu vollem Bewußtftin gelangt sind, finden '! sich mehr und minder isolirt, oder gar in geradem; Widerspruch mit den Verhältnissen, in welche sie jj durch die bisherige Geschichte versetzt sind; manche jj Mitglieder der israelitischen Gemeinden, und deren jj Zahl ist bereits nicht geringe, sind um Jahrhun- | dem ihrer Masse vorgceilt, und schauen mit Beküm-!j mcrniß zurück auf die Trägheit derer, welchen die Kraft nicht fehlet, wohl aber die rechte Kunde und das rechte Selbstvertrauen. Auch hier ist es dringend nothwendig, alle Strahlen geistiger Kräfte nach einzelnen Brennpunkten hin zusammen zu ziehen, um ein starkes Licht zu erzeugen. Nicht bloß die im Dunkeln

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