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Israelitische Annalen · 1840-10-23 · Heft 43 (23.10.1840) · p. Seite 362

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 43 (23.10.1840)
Date
1840-10-23
Page
Seite 362 (sequence 6)
Language
German
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362 Humes gleichsam sein Glaubensbekenntniß ablege, nicht bloß weß Geisteskind, vielmehr weß Glaubenskind er sei, unzweideutig beurkunde. — Dies hat Herr vr. Frankfurter, den wir jetzt mit Freuden den Unsrigen nennen, redlich gethan; entschieden, wahr, bescheiden und freimüthig zugleich, entschiebner noch als in seinen Probepredigten. Es sind auch dieß freilich nur Worte; aber so weit wir beide den Mann kennen, ist hier das Wort von dem Manne nicht zu trennen. Fr. lebt in seinem Glauben, und sein Glaube lebt in ihm und tritt lebendig und belebend aus ihm heraus in's Wort, und, wo es wird sein sollen, gewiß auch in That. Zu dieser Meinung hat er mich und wohl die Meisten berechtigt; dieser Meinung werde ich gern treu bleiben, so lange er selbst sich—und des Menschen Wort soll ja sein Ich sein — treu bleibt. — Wenn Ihre Annalen nun gewöhnlich, und dieß mit Recht, auf den Inhalt von Predigten sich nicht einlassen, so dürften Sie dieses Mal eine Ausnahme machen können, ohne von der Tendenz des Blattes sich zu entfernen, wenn der Inhalt dieser Antrittsrede, der über den Beruf und dieAufgabe des israelitischen Predigers sich verbreitet, Aufnahme findet. — Im Einführungsacte, der, wie ich vorläufig meldete, am Freitag Abend vor dem Kiddusch statt fand, beantwortete er die an ihn etwas zu ausführlich gerichtete Rebe kurz und würdig: es sei ihm dieser Vorabend zu dem morgigen Tage wie der Vorabend zum Versöhnungstage; wie dann, so gehe auch diesem Tage voran: aufrichtige Selbstprüfung, unbefangene Selbstkenntniß, fester Entschluß zum Wandel im Licht, in der Lehre des Herrn, Bittean Gott um seinen Beistand, festes Vertrauen, daß er höre und erhöre das Flehen seiner Kinder. — Schon an diesem Abend sprach er es so kurz als wahr aus: „es giebt für den Lehrer in Israel, er heiße Rabbiner oder Prediger, nur Einen Weg, nur Eine Aufgabe: ti’ipön das Heiligthum, das entweihte, wieder herzustellen. Diesen Weg deutlicher zu zeichnen, diese Aufgabe ausführlicher zu besprechen, war der Antrittspredigt am folgenden Tage Vorbehalten, da er nach einem herzlichen und aufrichtigen Gebete an der Schriftstelle Iecheskel 3, 16. 17. den Beruf des israel. Predigers (wohl eines jeden Lehrers) als den eines Wächters zu entwickeln suchte. In diesem Worte sei mit wenigen aber scharfen Umrissen die ganze Aufgabe gezeichnet: Wächter sollten sie sein über Israel, oder Hüter des Volkes, des Glaubens. — „Aus dem Leben, aus den Schriften der ältesten Lehrer in Israel, der Propheten, erkennen wir, wie diese den Ruf verstanden; und-ob auch die Offenbarung an uns schweigt, so zeigt sich in jenen der Herr und sein Geist, und spricht er durch jene zu uns, und lehrt er die Lehrer der Völker, die treuen Wächter derselben zu sein? — Sehet die Prophe. ten: in dem Volke — aber über demselben stehend, wachen sie über Beides, — daß nicht die äußere Pracht den Glauben verdränge. Glanz und Ueppigkeit die Kraft und die Macht desselben schwäche — und nicht der Glaube selber sein geistiges Element verliere; daß nicht über dem Erdendienste der Dienst des Herrn vernachlässiget werde, und daß nicht dieser Dienst in Sklavendienst und Knechtessinn ausarte. Und als Wächter in Israel war bald das Eine, bald das Andere mehr Gegenstand ihrer Sorge. — Die Aufgabe derer, die nach den Propheten lehrten und lehren sollten, blieb dieselbe; die Auffassung derselben ward nur oft verfehlt. Als Wächter über bas Volk sahen sich wohl alle an; aber wie sie nach den beiden genannten Beziehungen wachen und sorgen sollten, das verstanden sie nicht. Die Vereinigung des Glaubens mit dem Wissen, des Herzens mit dem Geiste begriffen sie, — begriff ein großer Theil —zu verschiedenen Zeiten nicht. Sie bauten ein Gebäude, das der Herr nicht gebaut — und darum müheten sie vergeblich sich ad; sie wachten und hüteten vergeblich, weil des Herrn Wort sie nicht hütete, rc." Nach dieser Einleitung kehrt er zu seinem Thema zurück, um zu zeigen, wie er seinen Beruf aufgefaßt habe. — „Mit dem Größten fange er an. Was haben wir Größeres, Kostbareres als den Glauben? Darum sei des Wächters in Israel erste Aufgabe, zu wachen, baß Leben im Glauben, in der Lehre erhalten werde." Ich hebe hier folgende, der weitern Kundwerbung und Beherzigung werthe Stelle heraus. (Forts, folgt.) Bemerkungen zu Herrn Dr. Creizenach's neuestes Werk Dorsche haddoroth. Von Raphael Kirchheim. (Schluß.) S. ,210. 211. „Warum hat der Verfasser die neun Einrichtungen nicht nach der Angabe des Thalmuds das. 31 aufgebracht, wo sich die, welche der Verf. unter Nro. 6 angeführt, nicht befindet, weil solche keine Einrichtung war, und der Ausdruck Geserah steht; statt derselben wird aber dort die Einrichtung mitgerechnet, daß die Zeugen zur Bestimmung des Neumondes nur in den Monaten Nisan und Tisckri, zur Erreichung dieses Zweckes, die Sabbalhgebote übertreten dürfen (ldid 21.) (Was ich unter 6 angeführt habe, rührt unstreitig von R. I. b. S. her, und ist allerdings eine wichtige Einrichtung. Die Barailha ist dadurch viel besser erklärt, als durch die Annahme von TiEj? oder rmtm b'& welche die Gemara selbst widerlegt. Die Einrichtung über die Zeugen für den Neumond habe ich «ob 9 mitgczählt.) S. 216. Z. 12 muß es nach den Worten des Textes heißen, „daß es den Dollmetscher rc. zu schweigen nöthigte." (Ich glaubte nicht, daß Raschi's ungewisse Erklärung hier die wörtliche Uebersetzung ausschließe.) S. 230. „Durstete er," soll heißen, hungerte er, bis er Wasser genug bekam, (»er. 61.) (Soll heißen Irubin 21. Hätte er gehungert, so wäre dies ein übermäßiger Rigorismus gewesen, weil er in der That die Hände gewaschen und in Nothfällen ein einmaliges Waschen für den ganzen

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