Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 43 (23.10.1840)
- Date
- 1840-10-23
- Page
- Seite 361 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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361 Priester, gegenüber, auch sehr leicht darthun können, daß er für alle, sociale Pflichten und Zustände betreffenden, Aeußerungen der Altrabbinen eben so wenig einstehen könnte, als sein Gegner alle entsprechenden Aeußerungen der Kirchenväter vertreten möchte. Dieses argumentum ad hominem wäre um so nachdrücklicher hervorzuheden gewesen, als es zur Einsicht in die Sache selber, zur Würdigung der ver-' schiedenen Zeiten und Zeitbildungen nicht wenig beitrüge. Uebrigens steht die GaSparich - Schwad'sche Fehde vereinzelt da, indem es selbst die ungarische Tagesliteratur verschmäht, Ergüsse des Haffes aufzunehmen. Dies zeigte sich besonders bei dem Damastener Proceffe, in welchem die ungarische Journalistik die würdigste Haltung und Stellung behauptet hat. Mit der Abwehr nach Außen ist nun auch ein veredeltes Streben nach Innen nicht zu verkennen, wiewohl hier gerade in Betreff Ungarn's Vieles, sehr Vieles zu wünschen übrig bleibt. Es ist bekannt, daß in Arad, Pesth, Kanischa, Altofen, Ofen, Preßburg und Szegedin recht zweckmäßige, nach dem Muster der österreichischen Hauptschulen eingerichtete Lehranstalten sind; minder bekannt ist es, daß in den übrigen Gemeinden eine unglaubliche Sorglosigkeit in Betreff der Jugenderziehung herrscht. Erst vor Kurzem hatte ich Gelegenheit, mich in einigen südwestlichen Gespannschaften von dem Zustande der Dinge durch persönliche Anschauung zu überzeugen; und ich war erstaunt, zu finden, daß in nicht wenigen Gemeinden ein Theil der ärmeren Jugend gar keinen, ein anderer nur sehr dürftigen Unterricht genieße. Die Reicheren und Gebildeteren in größeren, bereits vorgeschrittenen Gemeinden sollten zu der Ueberzeugung gelangen, daß ihre Wirksamkeit sich nicht auf ihre Gemeinde allein beschränken dürfe, und daß es nunmehr dringendes Bedürfniß sei, einen das ganze Land umfassenden Verein zur Förderung des Schulwesens zu bilden, an welchen sich denn in den Comitaten Filialvereine anschließen würden. Von der Errichtung einer Comitals-Schule ist in der Eisenburger Gespannschaft so eben die Rede; ich wünsche, Ihnen über die Realisirung des Projektes recht bald Bericht erstatten zu können. Die Begeisterung eines Israel Jacobson, die Großmuth eines Salomon Heine könnten einen Umschwung herbeiführen, und die ungarischen Juden um ein Bedeutendes der vollen Emanzipation näher bringen; bisher harren noch die bescheidensten Wünsche ihrer Erfüllung. vr. Horschetzky brachte einen Verein zur Förderung des Landdaues in Vorschlag; anderswo war von einem Jndustrievereine die Rebe; manche sprachen viel von einer Rabbinenschule: aber leider scheint die Begeisterung schon kulminirt zu haben, und mit Bedauern nimmt der Beobachter eine Lauheit wahr, ein Erkalten des Eifers, der vor sechs Monaten so viel Schönes versprach, und zu dessen Wiederbelebung gegenwärtige Zeilen das Ihrige beitragen mögen. (Fortsetzung folgt.) (Verspätet.) Folgende bereits durch die Karlsruher Zeitung veröffentlichte Notiz dürste auch anderweitige Leser der Annalen interessiren: Aus dem badischen Oberlande, im Juni —Mit vielem Vergnügen nehmen wir das fortschreitende Gedeihen unserer öffentlichen israelitischen Schulen wahr, und man muß dem Eifer und der Umsicht des großh. Oberraths, womit derselbe für die Organisation und Ausbildung des iörael. Schulwesens ungeachtet der mannigfachen Schwierigkeiten so erfolgreich wirkt, volle Gerechtigkeit widerfahren lassen. Die Lehrer an den öffentlichen israelitischen Schulen des Oberrheinkreises und einige der benachbarten israelitischen Gemeinden des Mittelrheinkreises haben auch nach Errichtung des israelit. Schullehrerwittwen- und Waisenfonds, zur Zeit noch des einzigen Jnstitus seiner Art bei den Juden Deutschlands, in einer ehrerbietigen Vorstellung dem großh. Oberrathe ihren tiefgefühlten Dank zu' erkennen gegeben, und insbesondere Hern Oberrath Epstein, diesem allein noch lebenden von allen bei Constituirung des Oderraths ernannten Mitgliedern, und schon seit 30 Jahren mit so vielem Erfolge für die immer wachsende Verbesserung aller israelltischen Verhältnisse und namentlich zum Gedeihen des Schulwesens wirkenden, hochverdienten Manne, die Gefühle der Aoerkennung und des Dankes unter Ueberreichung eines silbernen Ehrenpykals in herzlichen Worten dargelegt. — Auf eine ähnliche Weise haben übrigens schon die vielen Verdienste des Hrn. Oberraths Epstein bei einer feierlichen Gelegenheit die laute Anerkennung eines großen Theils der angesehensten Israeliten des Landes erhalten. Hamburg, den 4. Oktober 1840. — Spät erst kann ich mein gegebenes Versprechen lösen. Ihnen über den Eintritt meines Nachfolgers im Amte Ausführlicheres mitzutheilen. Doch war es mir ohnehin nicht um den flüchtigen Reiz einer Neuigkeits-Correspondenz zu thun, die heut gelesen und morgen schon vergessen ist, die gleich dem Kikajon des Propheten, jetzt wunderbar hoch übertreibt und binnen Kurzem in sich selbst zusammen fällt, weil der Wurmdarein kommt und daran nagt. Der Eintritt in das Predigtamt, namentlich in unserer Zeit und an unserem Institute, hat große Bedeutung für den Eintretenben selbst, wie für die Gesammtheit, für die Gegenwart gewiß, mehr aber für die Zukunft; an den Eingang knüpfen sich für den theilnehmenden Religionsfteund Hoffnung oder Befürchtung; von dem Eingänge hängt ja consequent — und wir sind leider oft nur zu sehr consequent — der Fortgang ab. Ist ja leider auch bei uns schon der Spruch anwendbar: Diele sind berufen, aber Wenige erwählt; sind ja bei Manchen schon die großen Hoffnungen, welche sie erweckten, schnell erbleicht, und wenn es allgemein so werben sollte, müßte man zu hoffen bald verlernen. Es ist gar zu wichtig, — und meines Wissens ist es nicht oft geschehen — daß der Prediger gleich von vorn herein sich mit seiner Gemeinde, und durch sie mit dem ganzen jetzt im Streben begriffenen Israel verständige, daß er bei der Verworrenheit, die noch in den religiösen Ansichten herrscht, und die viele Lehrer, anstatt zu entwirren, durch ein künstliches Helldunkel noch zu vergrößern suchen, klar und bestimmt ausspreche, wessen man sich bei ihm zu versehen habe; daß er an der Schwelle des Heilig-