Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 43 (23.10.1840)
- Date
- 1840-10-23
- Page
- Seite 360 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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360 ihm unmöglich erscheint. Der Vers, spricht mit Achtung, ja Verehrung von dem Stifter der christlichen Religion, bestreitet abee die Göttlichkeit desselben und die geschichtliche Wahrheit dessen, was den Beweis für diese enthalten soll. — Von einer höher« Wissenschaftlichkeit darf hier nicht die Rede sein, auch will der Vf. gar nichr mit Gelehrsamkeit prunken, wiewohl man an ihm eine gewisse Sicherheit wahrnimmt; er kämpft mit denselben Waffen, deren sich seine Gegner bedienen, und wir zweifeln sehr, daß er wird gehörig widerlegt werden können, wenn wir auch zugestehen, daß er an einzelnen Stellen seine Behauptungen nicht stark genug unterstützt. Er wendet sich an den einfachen gesunden Sinn, um darzuthun, daß das christliche Bekenntniß mit dem reinen biblischen Glauben der Israeliten in direktem Widerspruch steht, und darin har er, nach unserer Ueberzeugung, alles mit richtigem Takte, die wesentlichsten Punkte klar entwickelt. Dabei wird man zugleich seiner attischen Urbanität, welcher das Salz nicht fehlt, Gerechtigkeit widerfahren lassen müssen. Und somit wünschen wir, daß dieses Schriftchen die gebührende Beachtung finden möge. Sollte es auf Gegner stoßen, so werden wir über den Fortgang des Kampfes berichten. Nachrichten und Correspondenzen. Ankona, Octoder. — In Betreff des vom Jnquisitionsgerichte verhaftet gewesenen Oesterreichers (s. vor. Nr.) verdient nachträglich berichtet zu werden, daß auf Verwendung des österreichischen Gesandten die bereits erlegte Geld, strafe von 60 Scudi zurückerstattet werden mußte, woraus die völlige Schuldlosigkeit des Ueberfallenen und Verhafteten hervorgeht. Auch ein französischer Israelit bedurfte neulich der Intervention seiner Regierung, wegen eines neugebornen Kindes, das die Amme, angeblich nicht wissend, daß sie bei Juden sei, getauft hatte. Das Kind mußte indeß aus dem Kirchenstaate entfernt werden. Mehrere der wohlhabenden eingeborenen Israeliten haben deßhalb ihre Familien im Auslande, die Aermeren aber werden überhaupt weniger belästigt, weil sich da nicht viel erpressen läßt, was zur Charakteristik der hiesigen Verwaltung und der Behandlung der Juden einen Beitrag liefert. Oesterreichische Zustande. Von der Donau, Ende Sept. — Da meine Nachrichten aus dem österreichischen Kaiserstaate in einer Zeit beginnen, um welche die Synagoge ihr neues Jahr feiert, so fühle ich mich um so mehr veranlaßt, auf die Begebenheiten deS eben abgelaufenen Jahres einen Rückblick zu werfen. als mehre derselben eben jetzt zu einem gewissen Abschlüsse gelangt sind, und nach ihren Quellen, so wie nach ihren Erfolgen hin, ein unbefangenes Urtheil gestalten. Dieß ist namentlich bei den jüdischen Angelegenheiten in Ungarn der Fall, wo die Gesetzartikel deS letzten Reichstages erst vor Kurzem publicirt worden, und ihre volle gesetzliche Kraft und Gültigkeit erreicht haben. Der ungarische Adel leistet jetzt, bei der Ausübung der wenigen Zugeständnisse den Juden eben so allen Vorschub, wie er ihre Sache bei den gesetzgebenden Tafeln mit unvergleichlicher Menschenfreundlichkeit vertreten hatte. Ein großer Theil des Bütgerstandes kann sich, wohl nicht aus Haß, aber aus Brodneid, noch immer nicht an die neue Judenordnung gewöhnen; namentlich sind manchen Bewohnern königlicher Freistädte, denen zumal, die Handel treiben, die neuen Concurrenten nicht sehr willkommen, und es kann unter diesen Umständen an kleinen Neckereien nicht fehlen. Indessen ist es in Ungarn bekannt und anerkannt, wie sehr die jüdische Bevölkerung zum Flor und zum Gedeihen der Städte beitrage; es wird nicht geläugnet, baß ihnen das herrlich blühende Pesth manches zu danken habe; ein warnendes Beispiel konnte schon früher Debreczin liefern, das seine engherzigen Erclusionen fast zu spät bereuet: man kann demnach der Hoffnung Raum geben, daß die Bürger ihr eigenes Interesse besser verstehen, und bei ruhiger Ueberlegung die Wohlthätigkeit der neuern Maßregeln selbst einsehen werden. Anfeindungen und philisterhafte Ausfälle, wie die eines G«sparich, können die öffentliche Meinung nicht mehr irre führen, zumal die Juden auch nicht müßig bleiben, und dem Jrrthume, so wie der Böswilligkeit kräftig entgegen zu treten wissen. In Beziehung auf Gasparich's Jnvectionen hat dies in einer ungarisch erschienenen Broschüre *) der Pesther Rabbiner Schwab gethan. Oie Controverse über die Moral der Thalmudisten ist eine sehr alte, wiewohl selten mit Ruhe-und Unbefangenheit geführte; auf polemischem und apologetischem Wege ist hier kaum etwas Neues zu erwarten. Es scheint aber die Zeit nicht mehr ferne zu sein, in welcher die bürgerliche Stellung der Juden eine ruhige, kritische Untersuchung dieses, für die Geschichte der Sittenlehre, wie für die Geschichte des Judenthums gleichwichtigen Gegenstandes gestatten, und eine wissenschaftliche Behandlung der Thalmude und der rabbinischen Literatur zu einem historisch begründeten Resultate führen wird. Herrn Schwab's Abhandlung verdient durch ihre Klarheit und durch den darin herrschenden ruhigen würdevollen Ton alle Anerkennung und Auszeichnung. Vielen Lesern dieser Blätter dürste die Notiz nicht uninteressant sein, daß der Vf., der es bisher sorgfältig vermieden, über die jüdischen Zeitfragen sein Votum abzugeben, auf eine Unterscheidung des traditionellen und nicht-traditionellen Moments im Thalmud elngeht, und letzterem nur eine rituelle, aber durchaus keine ethische Autorität beigelegt wissen will. Herr Schwab hätte dem Hrn. Gasparich, einem katholischen *) A’ Zsidök. Irta Schwab Arszläo. Magyarül közlötte Bloch Moritz. Budän 1840.