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Israelitische Annalen · 1840-10-23 · Heft 43 (23.10.1840) · p. Seite 359

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 43 (23.10.1840)
Date
1840-10-23
Page
Seite 359 (sequence 3)
Language
German
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359 einen Punkt, welcher einer näheren Erwägung werth ist, obwohl wir nicht eigentlich von einer Anbetung der Tobten gehört haben. Der Vf. berichtet aber, wie er sagt, aus eigenem Leben, und wir halten es immer für recht, daß der Aberglaube, wo er irgend noch exiftirt, durch gründliche- Belehrung vertilgt werde. —• Was er sonst noch über die Gebräuche der Bußtage vorbringt, ist nicht neu, und es ist sehr zu verwundern, daß dergleichen Aufsuchung kleinlicher Specialitäten, deren es in der christlichen Kirche unzählige giebt, für ein Mittel zur Bekehrung gehalten werden kann. Wer darauf hält, wird stch nur ärgern, so dem Spotte preis gegeben zu werden, und wer darüber hinaus ist, bedarf dieser Belehrung nicht. In der That aber finden wir cs seltsam, daß die Mängel an dem jüdischen Gottesdienst hier in englischer Sprache und als ein 'ganz neuer Beitrag zur Charakteristik desselben ausgestellt werden, während in Deutschland und den Nachbarsländern schon seit mehr denn 10 Jahren der Gottesdienst öffentlich besprochen und von einsichtsvollen Israeliten nicht nur gehörig gewürdigt, sondern wesentlich verbessert worden; für den Orient könnte man nur durch hebräische Schriften wirken, nicht aber durch die englischen und mittelst Hinweisung auf Christenthum. Freilich, sollte insbesondere das viele Branntweintrinken in Polen und in polnischen Gemeinden Paläftina's, mindestens aus dem Gottes-, hause und den religiösen Uebungen verdrängt werden, das kann aber erst von der allgemeinen Civilisation erwartet werden, und diese hängt von der Gesetzgebung einerseits und von der Erziehung andrerseits ab. Her Calman hat sich durch die vorliegende Arbeit kein Verdienst erworben; was er schildert, ist längst vollständiger in Wagen sei ls, Schudr's und Anderer Werken zu lesen. Zum Widerlegen eignet sich ein solches Luch nicht; es bezieht sich auf Thatsachen, die mehr oder minder der Verbesserung bedürfen. Dagegen halten wir es für zeitgemäß, daß die Stimmen der Israeliten , überall, wo ihnen das freie Wort gegönnt wird, sich gegen das Ansinnen,. ihren Glauben zu wechseln, offen und freimüthig erheben. Gebräuche und einzelne Handlungen lassen sich durch Uebereinkommen umgeftalten, und alles Mißfällige und Unzweckmäßige ist leicht zu entfernen. Ander Lehre .aber läßt sich nichts modeln, und hier hat jeder, bevor er sich zu etwas bekennt, genau zu erwägen, j wie das Bekenntniß in seinem einfachsten Verstände beschaffen sei, um aus Ueberzeugung abgelegt werden zu können. Hier befinden wir uns wieder auf dem Gebiet der Controverse. Ob es gut wäre, dieselbe vor den Augen des Volkes zu führen, bleibe dahin gestellt; aber wo der Angriff gestattet wird, muß auch die Abwehr zulässig sein. England und Amerika sind die Länder, wo am wenigsten Hinderniß in den Weg gelegt wird, und der Erfolg der Freiheit ist gegenseitige Achtung und ein Kampf in gemessenen Formen. Darum lassen wir Schriften, wie die obigen, immerhin gelten, müssen sie doch darauf gefaßt sein, ihre Erwiederung zu finden. — Richtig und klar erkannte seine Aufgabe Abraham den Jaddai, Rabbiner zu Knoxville im Nordamerikanischen Staate Tenessee, welcher zur Abweisung des andringenden Proselytenwesens eine Broschüre herausgegeben hat, die binnen vier Jahren dreizehn Auflagen erlebte, was starke Theilnahme Seitens der Christen darlegt. Dieselbe ist jetzt auch in deutscher Uebersetzung von Benjamin Wöllstein e r in Rothenburg bei Wünsche erschienen. Sie führt den Titel: Es ist nur ein Gott! Vertheidigung des jüdischen Volkes zu den Zeiten des Jesus von Nazareth gegen die harten Beschuldigungen der Christen. — Dies Werkchen ist für sich allein ein Beweis der ungemeinen Fortschritte unsrer Zeit. Der Ton des Ganzen, welcher, zum Ruhme des wackern Uebersetzers sei cs gesagt, auch in der deutschen Sprache vortrefflich gehalten ist, zeugt von einer Mäßigung, Ruhe und Besonnenheit, wie sie nur in englischen Controversen gefunden wird, bei Rabbinen aber wohl noch niemals in diesem Grade sich erwiesen hat. Der Inhalt ist viel reicher, als der Titel besagt. Die Schrift ist nicht eine bloße Vertheidigung der Juden vor 1800 Jahren, sondern eine Begründung der Abneigung, welche sie beständig gegen das Christenthum haben müssen, sowohl von Seiten ihres eigenen Bekenntnisses, als von der Art, wie mitunter das Chriftcnthum bekannt sein will, angesehen. Sie läßt sich auf die wilikührlichen oder philosophischen und theologischen Auslegungen des christlichen Bekenntnisses gar nicht ein, sondern nimmt dasselbe, wie es sich dem gemeinen Menschenverstände als Glaubensartikel giebt, und zeigt, was davon dem Israeliten, vermöge seines biblischen Glaubens, widerstrebe, so daß ein Zugeständniß aus Ueberzeugung 43*

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