Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 42 (16.10.1840)
- Date
- 1840-10-16
- Page
- Seite 353 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3133765-3133820-3133863--0875-3135062- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
353 Nachrichten über S. M. Montefiore und Cremieux. (Aus dem Morning Chronicle vom 24. September.) Der folgende Bericht enthält im Ganzen nur die Bestätigung dessen, was wir schon mitgetheilt haben, dock wird dasselbe als offiziell und einige Data mehr enthaltend, immer noch von einigem Interesse sein. Mein Herr Redakteur! Es ist von Sir Moses Montefiore ein Schreiben aus Alexandrien vom 29. v. M. an einen seiner Privatfreunde cingegangcn, worin derselbe berichtet, „daß er am 28. sich wiederum zu Seiner Hoheit dem Pascha, von dem er bis dahin keine Antwort erhalten hatte, in Begleitung derDoctoren Loewe und Madden und des Hrn. Wire begab und von ihm eine Entscheidung über seine Gesuche erbat, nämlich um einen Ferman um sich nach Damaskus zu begeben, mit der Befugniß, sich über alle auf die Verurtheilung und Gefangennehmung der Juden in jener Stadt bezüglichen Umstände Nachweisungen zu verschaffen; freies Geleit für! alle in dieser Angelegenheit aufzuftellenden Zeugen und unbedingte Entlassung aller noch verhafteten Personen; Erlaubniß zur Rückkehr für alle Entflohenen und gleichen Schutz für sie, wie für jeden andern Bewohner der Stadt. Sir Moses berichtet ferner, daß nachdem er sein Begehren nachdrücklich und lediglich im Interesse der Humanität und Gerechtigkeit vertheidigt hatte, der Pascha zu erklären geruhte: daß er den erbetenen Ferman gewahren wolle. Auch wolle er alle Gefangenen ohne Bedingung frei lassen und befehlen, daß alle Personen, die aus der Stadt entflohen waren, zurückkehren und den Schutz der Autoritäten, gleich allen übrigen Einwohnern von Damaskus, genießen sollten. Se..Hoheit fügten indeß als ein Zeichen seiner Rücksichten gegen Sir M. hinzu, er rieche ihm, in diesem Augenblick nicht nach Damask zu gehen, weil die Aufregung daselbst noch zu groß sei. Nachdem Sir M. den Pallaft verlassen, besuchte Herr Cremieux den Pascha, welcher das Gesagte wiederholte. Am 29. erfolgte der Ferman und zugleich ein Befehl zur unmittelbaren Freilassung der Gefangenen und zur Rückkehr aller derjenigen, die den Platz wegen dieser Verfolgung verlassen hatten. Diese Befehle wurden unverzüglich nach Damask befördert." Sie werden aus obigem Berichte bemerken, daß die Mission bis zu jenem Datum ausgezeichnet erfolgreich war, und dieß unter den kritischsten Umständen. Ich zweifle nicht, daß dieselbe gütige Gesinnung, welche Sie zur Bekanntmachung meiner früheren Mittheilungen veranlaßt hat. Sie auch vermögen wird, dem gegenwärtigen interessanten und befriedigenden Bericht die Aufmersamkeit nicht zu versagen. Ich bin überzeugt, daß sie jedem aufgeklärten Freunde der Gerechtigkeit und Humanität eben so willkommen sein wird, als mir selbst und allen meinen Glaubensbrüdern durch die ganze Welt. Ich bin rc. (Utz.) Hananel de Castro. Präses der deput. brittischen Inden. Nachrichten nn- Correspondenzen. Padua, 25. Sept. — Ich lese endlich in den öffentlichen Blattern, daß Mehemet Ali alle in Damask verhafteten Israeliten frei gelassen habe. Ewiger Ruhm gebührt allen den fühlenden Seelen Israeliten. Christen, Muhamedanern und Convertiten, welche zur Aufdeckung der Wahrheit und Rettung der Unschuld beigetragen haben! Jetzt erkennt Aegypten uns für unschuldig an, und die Ottomaniscde Pforte hat den Statthalter von Rhobus abgesetzt, weil er derVerläumdung Gehör gegeben hat. Nur in Italien fährt man fort, der Luge öffentliche, feierliche und pomphafte Verehrung zu zollen. An jedem 24. März nämlich feiert man in Trient mit großer Procession und religiösen Ceremonien das Fest des heil. Simon in, eines Kindes, welches angeblich im I. 1475 von den Juden grausamer Weise getödtrt werden sein soll. In einer Stadt, wo kein Jude eine Nacht zudringen darf, bestehen dennoch öffentliche Denkmäler der Schande gegen die unglücklichen Verläumdeten, und die Erzählung vom angeblichen Märtyrerthum wirb alljährlich dem Volke von neuem warm in's Gedächtniß.gerufen. Es ist zu hoffen, daß die österreichische Regierung, welche zuerst unsere Vater Stimmen der Humanität und Gerechtigkeit vernehmen ließ, und welche auch zuerst auftrat, um die Unschuld unsrer Brüder zu Damask zu vertheibigen, daß die österreichische Regierung, deren Gerechtigkeit, Wohlwollen und liebevolle Behandlung die Israeliten zu rühmen Grund genug haben, auch die alten Dorurtheile des Volkes besiegen und zu Trient bas Andenken jener schändlichen Fabel tilgen werde. Wäre auch die Unwahrheit und Abgeschmacktheit solcher Anklage nicht im Allgemeinen anerkannt, so würde die Geschichte des Märtyrerthums des h. Simonin genügen, um die Augen zu öffnen. Diese Geschichte ward von Johannes Matthias Tiberinus im April 1475 geschrieben und findet sich in Laur. Surii Heiligengeschichte bel'm 24. März, so wie auch in I. H. Hottinger's Kirchengeschichte IV. S. »17 ff. Der Styl ist declamatorisch, mehr poetisch als historisch. Dort heißt es, die Juden genießen Christenblut, um sich .dadurch vom Übeln Geruch zu bewahren! Was aber wichtiger ist, und apodiktisch die Unwahrheit der Darstellung beweist, ist eine Stelle, worin es heißt, daß die Juden dei'm Tobten eines Kindes folgende Worte aussprachen: Tolle Jesse mina eile parichief eile passusen pepnalen