Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 41 (9.10.1840)
- Date
- 1840-10-09
- Page
- Seite 345 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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345 tischer und philosophischer Hinsicht ihn mit AE. vergleichen zu wollen, kann Niemanden einfallen. Letzterer hatte freie Studien gemacht und weiß selbst Eleganz der Sprache zu beurtheilen, wovon bei Ersterem keine Spur. Dennoch geht L. so weit, dem französischen Gelehrten eine kühne Kritik zuzuschreiben, und dem Spanier alle Kritik abzusprechen; und eben so legt er dem Maimonides den Ursprung der Kabbala zur Last, während aus der französischen Schule sich die Philosophie gebildet haben soll; und doch haben fast alle jüdische Philosophen zunächst aus dem More geschöpft! Mit gleichem Rechte könnte man dem Mendelssohn alle Verdienste um die neuere Bildung absprechen, und dem Verf. des Zeena urena zuschreiben, welcher im Grunde auch nur der alten französischen Schule nachgeht. Die ganze Literaturgeschichte müßte hiernach sich ändern! — AE.'s Jnconsequenzen und Irrungen finden ihren Grund in seiner beständigen Wanderschaft und in seiner Armuth, welche ihn wohl genöthigt haben mag, bisweilen sich zu accomodiren. Er hatte keine Bibliothek bei sich, er citirt immer auswendig, und da kann dann wohl ein Fehler sich einschleichen. Nur darin muß man L. beivflichten, baß der französische Commentator stets klar und einfach schreibt, während der Spanier gesucht und dunkel sich ausdrückt, auch aus Eitelkeit seine Kenntnisse ausstellt. Allein auch die Summe der Kenntnisse hat dieser voraus, und er verdient beßhalb nicht, gegen jenen heruntergesetzt zu werden. Literatur. Israelitischer Musenalmanach. Von vr. S. Mayer, Rabbiner in Hechinqen. Erster Jahrgang. Dinkelsbühl, Walther. 256 S. 12. ' Streng genommen halten wir nach unsrer individuellen Ansicht jede sich äußerlich beschränkende Belletristik, die nicht durch Naturgränzen ihr Gebier abgeschlossen findet, etwa durch Lage des Landes, Elgenthümlichkett eines lange unverwischt gebliebenen Volksstammcs, und dergleichen, — zu sehr gezwungen, als daß wir gern eine jüdische Belletristik besonders begrüßten, es wäre denn die liturgische und überhaupt kirchliche Poesie, welche indeß kein Moment eines Musenalmanachs bildet. Auch glauben mir, baß der hier gewählte Titel nur durch Neuheit sich empfohlen hat, an und für sich aber gar nickt bezeichnet, was das Buch enthält, und daher das Werk unverdienter Weise bloß seines Titels wegen verkannt werden dürfte. Ein Musen-Almanach soll seiner Bestimmung nach den Standpunkt der Poesie eines Landes durch Sammlung des Gediegensten aller Art und der tückllgsien Meister alljährlich veranschaulichen. Das wäre nun hier ganz am Unrechten Orte. Der böckste Glanzpunkt einer particulären Poesie, die weder die Ideale der Kunst erstrebt, noch eigentlich das allgemeine Interesse des gebildeten Volkes anspricht, ist immer kein Zusammenwirken der Musen, sondern nur ein erkünsteltes Leben. Also keine Musenalmanache! wohl'aber Sammlung poetischer Versuche zur Darstellung der Ideen und Zustände, welche im israelitischen Leben Vorkommen; - eine solche Sammlung kann, mit Takt gewählt und sonst zweckmäßig bearbeitet, ein sehr nützliches Buch, lehrreich und anregend sein. Man legt nicht den Maßstad der Kunst daran, sondern kümmert sich mehr um die innere Wahrheit und um schöne Form und zugleich Zweckmäßigkeit (wozu auch Wohlfeilheit gehört), und in allen diesen Hinsichten müssen wir dem vorliegenden sogenannten Musen-Almanach große Vorzüge einräumen. Er enthält: - Joseph, ein Eros, (erster Gesang) in Jamben, leicht und nicht übel gedacht, im Volkston gut versificirt. Ida Nelkenduft, eine moralische, ganz aus dem Leben gegriffene, gewöhnliche Situationen in einfachem Gewände vorstellende Erzählung, vorzüglich gegen Uederbildung und Verkehrtheit gerichtet. Starrsinn und Leichtsinn, Erzählung aus der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts, eine recht gemüthliche, ein wenig orientalisch gehaltene Reibe von Skizzen, die Zeit charakterisirend, imUebrigen die allgemeinen Lehren der Sittlichkeit berühreud und veranschaulichend, wobei das jüdische Element der alten Weisenschulen gut benutzt ist. (Hier und da fanden wir den Ausdruck nicht gefeilt, sonst alles fließend und gut vorgetragen, bisweilen manierirenb). Ueber Simon Barcocheba hat schon der Vf. selbst einige Andeutungen (s. Nr. 39) gegeben; sie trägt denselben Typus, wie die vorherige Novelle, und ist noch mehr angefüllt mit Erinnerungen aus der alt-jüdiscken Zeit. Zuletzt folgen die 5 Lieder in den BB. Mosis nach einer ganz neuen Ansicht bearbeitet. Wir müssen diese Ansicht für jetzt unbeurtheilt lassen, da die Ausführung nickt eigentlich in's Gebiet der nützlichen Volkspoesie, sondern der biblischen Hermeneutik gehört. Wir möchten es darum auch nicht gut heißen, daß diese Uedertragungen hier ausgenommen sind, da die Leser dadurch leicht mit ihrer anderweitigen Bibelkunbe in Verwirrung gerathen könnten. — Ueber die Auffassung selbst sprechen wir wohl ein anderes Mal. — Im Uebrigen halten wir diesen sogenanntenMusen- Almansch für ein sehr zweckmäßiges Lesebuch, das der großen Mehrzahl, welche gern innere Zustande mit Ernst betrachtet und innere Lehren kennen lernen möchte, recht sehr empfohlen zu werden verdient. □'»EHttfn '□ Ozar haschoroschim, Hebräischdeutsches und deutsch-hebräisches Wörterbuch über das A. T. v. I. L. Bensew. Dritte Auflage vermehrt und verbessert von M. Lettens. Zweiter Theil, hebräisch-deutsch. 464 S. 8. Somit ist die erste Adtheilung des Werkes, das wir schon in Nro. 7 angezeigt haben, vollendet, und kann für sich allein benutzt werden. Herr Letteris hat um diese Ausgabe viele Verdienste. Alle Nachweisungen und Citate sind hinzugefügt oder berichtigt, viele neue sind außerdem beigebracht worben. Wir erfahren mit Vergnügen, daß Herr Leiteris auch noch ein Wörterbuch der biblisch-aramäijchen Wörter hinzufügen wirb. Der dritte Theil, welcher unter der Presse ist, hat eine gänzliche Umschaffung und Erweiterung erfahren; ein Beweis, daß Herr Letteris die Mängel der ällern Ausgaben, welche kaum dem einfachsten Schulbedürfniß genügen konnten, richtig erkannt bat, und wir sehen dem Erscheinen dieses Theiles mit freudiger Erwartung entgegen. In dem vorliegenden Wörterduche finden wir Alles beachtet, was für den praktischen Gebrauch von einigem Wcrthe ist, um den Sinn der h. Schrift lexikalisch zu erfas-. sen, und wo möglich den hebräischen Ausdruck entsprechend' auf deutsch zu übersetzen. Wir glauben, daß es hauptsächlich Denen empfohlen zu werden verdient, welche bereits in dev h. Schrift bewandert find, aber große Schwierigkeiten finden, die Bedeutungen mancher Wörter klar zu erkennen, oder, was noch häufiger vorkommt, die Schatttrungen, welche ein Ausdruck in seiner besonderen Stelle annimmt, zu unterscheiden. Wir haben eine Menge Stämme verglichen und eine recht erfreuliche Reichhaltigkeit in dieser Beziehung gefunden. Die Aehnliches bedeutenden Wörter find stets verglichen. Sehr zweckmäßig ist in diesen W. B. die siete Hinweisung auf diejenigen Bedeutungen, welche die Wörter in den angesehensten rabbinischen und dichterischen Schriften annehmen, so wie hie und da antiquarische, mythologische und andere Bemerkungen, welche allenfalls noch zahlreichev sein könnten.