Mannheim
Compact Memory

Israelitische Annalen · 1840-10-09 · Heft 41 (9.10.1840) · p. Seite 344

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 41 (9.10.1840)
Date
1840-10-09
Page
Seite 344 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3133765-3133820-3133862--0865-3135051
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

344 1833 feierlich eingeweiht. Man versammelte sich zwischen 3—4 Uhr Nachmittags. Sa'mmtliche Standespersonen und hohen Behörden, wie viele Nichtisraeliten aus der gebildetsten Classe, fanden sich ebenfalls ein, die Damen nahmen Platz in der Gallerie. Gegen 5 Uhr war die Gemeinde an ihrem zeitigen Betplatze zusammen, sang den lOLten Psalm, und zog nach der neuen Synagoge in folgender Ordnung: 1. Das beständige Licht, getragen von einem älteren besteuerten Mitgliede, mit dem Vorbeter rechts und dem Aufseher links; 2. eine Gesetzrolle, getragen von einem besteuerten Mitgliede, mit je einem Knaben zu beiden Seiten, jeder eine Kerze tragend; 3. eine zweite, mit zwei Choristen zu beiden! Seiten; 4. eine dritte, wieder mit zwei kerzentra-! genden Knaben zu beiden Seiten; 5. wie 3.; 6. drei j andere Gesetzrollen, jede von einem besteuerten Mit-! gliede getragen; dann folgte die Gemeinde. — Wahrend der Procession sangen der Vorbeter und die Choristen den 118ten Psalm, V. 19 — 26. In dem Augenblick, wie die Worte: „Oeffnet mir die Pforten der Gerechtigkeit" erschallten, thaten sich die Thüren der Synagoge auf. Am Portale ward angehalten, und der Vorbeter sprach mit einem j ergreifenden Ausdruck den Segen: „Gepriesen seift! Du Ewiger, unser Gott, der Du uns das Leben verij liehen und uns aufrecht erhalten Haft, daß wir diej sen Tag erreichten!" Man trat ein (wobei alle!j anwesenden Christen sich erhoben) und schritt vor, j! singend die letzten Verse des 118tcn Psalms, bis ij man vor dem Schranke stand. Das beständige Licht; ward hier dem Aufseher überreicht, der es den!« Kohanim gab, welche cs in sein Behältniß setzten; die 7 Gesetzrollen wurden in den Schrank gestellt; zwei der Kerzen wurden vor dem Schrank, zwei am Pulte aufgestellt. Während dessen sprach der Vorbeter Ex. XXIX. 20 und 21. Dann nahmen der Aufseher, der Vorbeter und die Choristen ihre Plätze ein, und man sang den letzten Psalm. Der Einweihungsgottesdienst begann mit einer - besonders dazu gedichteten Hymne, mit den Akrostichen Tn:, wie die Gemeinde sich nennt. — Diese Gemeinde zählte damals nur 93 Mitglieder; eine geringe Zahl, welcher es dennoch nicht schwer fiel, 4000 Lst. zusammen zu schießen, um ein solches Gebäude zu errichten. Wir haben cs uns nicht versagen wollen, diesen gedrängten Auszug der von einem Christen gegebenen Beschreibung dieser Feier hier mitzuthcilen, welche, obwohl schon mehrere Jahre verflossen sind, doch noch einiges Interesse haben dürfte. Kalenderw esen. Bemerkung über das Buch Jbronoth. Habent sua fata libelli. Dieses Werk von R. Elieser Bellin wird selten genannt und enthält doch fast alles, was man über die jüdische Kalenderberechnung geschrieben hat. So findet man die Auflösung einer Fundamentalaufgabe, welche bis jetzt, so viel ich weiß, noch Niemanden beschäftigt hat, und die also lautet: Es ist ein Moled gegeben, und man soll dazu Jahr und Monat finden. Bellin löst sie mit Hülfe einer kreisförmigen Tafel, die er deutlich erklärt, ohne die zu Grunde liegende Methode mitzutheilen. Folgendes mag das Mangelnde ergänzen. Die Woche hat 181440 Theilchen, der monatliche ^itbron hat deren 39637 97.409. Bezeichnen wir nun durch m eine beliebige Anzahl von Wochen, und durch s eine beliebige Anzahl von Monaten, so läßt fich die Aufgabe auf folgende zurückführen: Für welchen Werth von m und von s ist 39637m —1814408—1, welche Gleichung fich durch die unbestimmte Analytik sehr leicht auflösen läßt. Die kleinsten Werthe sind m—74377und s=16263 19.13. 139. Diese Auflösung stimmt mit der Bellinischen überein, und es lassen fich aus ihr ohcke Mühe alle übrigen Auflösungen ableiten. Hier folgen nur einige Anwendungen. 1) Der Moled Beharad kann für den Monat Tischri nur im 1. 14. 16. Jahre eines Mondcyklus Vorkommen. Er trifft ein im 14. Jahre des 6177, im 16. Jahre des 36178 und dann wieder im ersten Jahre des 36289. Mondcyklus. 2) Der Moled Batuthakpat war im Jahr 5404, oder im ersten Jahr des 238. Mondcyklus und kommt erst wieder im 9. I. des 4693., im 12. I. des 5205. und im 15 Jahr des 22303. Cyklus. Es ist daher nicht auffallend, daß Ben David kein einziges Jahr finden konnte, in welchem dieser Moled vorkam, da er in der ganzen Machsorperiode nur vier Mal eintritt. Sie erklären die Discussion über Creizenach's schönes embolismisches Gesetz für geschloffen; es ist nicht recht zu begreifen, wie sie beginnen konnte. Nach der Bemerkung Ihres Corresponbenten U. in Amsterdam kann dieses Gesetz auf folgende Weise ausgedrückt werden: Die emdolismischen Zahlen sind, wenn man immer den gebrochenen Theil wegläßt, die 7 ersten Stellen einer arithmetischen Progression, deren erste Stelle V, und deren Differenz ist. _ Tsarphati. Ueb.er Luzzato's Behauptungen schreibt derselbe uns Folgendes: Wenn ein Mann von vielem ^eist und starker Phantasie einmal eine halb wahre Behauptung ausgestellt hat, arbeitet er gewöhnlich so lange daran, bis sie ganz falsch wird. Der berühmte Commentator, welchem allein Luzzato alles Verdienst zuerkennt, war ohne Zweifel der trefflichste Kopf seiner Zeit, ohne ihn wäre uns der Talmud unverständlich; aber in grammatikalischer, kn»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.