Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 41 (9.10.1840)
- Date
- 1840-10-09
- Page
- Seite 343 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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348 Wir wollen mit diesen Bemerkungen nur soviel sagen, daß jeder, welcher über Cultusform urtheilen will, zunächst dieselbe nicht als ein bloß objectives auffasscn darf, sondern die subjective Seite und die von ihr ausgehende Wirkung vorzugsweise im Auge behalten müsse; wofern er nicht darauf ausgeht, alle wahre Religiosität der .Gesinnung zu zerstören. Indische Synagoge zu Bridgetown auf der Insel Barbados (der östlichsten der Antillen.) Von den ersten Niederlassungen der Israeliten in Weftindien haben wir nur schwache Kunde, jede neue Notiz muß uns daher willkommen erscheinen. Folgende Nachricht aus dem Lardados Clobo and Colonial advocate dürfte es wohl verdienen, als Beitrag zur Geschichte der Israeliten aufbewahrt zu werden: „Seit unfern ersten Niederlassungen auf dieser Insel hatten die Juden unter uns sich angesiedelt, und man muß ihnen die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß sie stets einen nützlichen und schätzbaren Antheil an unserer commerciellen Industrie und unfern Unternehmungen gehabt haben.-Wir haben keine bestimmte Angaben, um genau die Zeit zu ermitteln, wann die Juden zuerst sich förmlich niederließen, oder in dieser Stadt (Bridgetown) eine Synagoge erbauten; daß sie aber schon eine solche seit ungefähr 150 Jahren hier an derselben Stelle, wo die Synagoge jetzt steht, besaßen, ersieht man aus den Daten der Leichenftcine auf ihrem an dieselbe angränzendcn Friedhofe. Die Synagoge, in welche sie so lange gewohnt waren, sich zu versammeln und in einer alten Sprache ihren feierlichen Gottesdienst zu halten, war, wie die meisten Tempel christlicher Frömmigkeit, durch den furchtbaren Orkan von 1831 so sehr erschüttert worden, daß sie bis auf den Grund abgetragen werden mußte; und durch die Freigebigkeit der Gemeinde, die unermüdlichen Anstrengungen des Vorstandes und den ausdauernden Eifer des besonders dazu ernannten Comite's besitzen sie jetzt ein höchst geschmackvolles und einfach schönes Gebäude zur Verehrung des lebendigen Gottes." „Dies Gebäude hat einen Flächenraum von 2000 Quadrat Fuß, nämlich 50 F. lang und 40 breit. Die Höhe beträgt 37 Fuß. Das Ganze gewinnt eine bedeutende Kraft durch die Rundung der Ecken, mit antiken Rauchbeckenformen oben und Gitterwerk rundum laufend, während das ziemlich flach gehaltene Dach nicht gesehen wird. Die Fenster sind lanzettförmig und stimmen sehr geschmackvoll zu den Verhältnissen des Ganzen. Eine doppelte Treppe an der Nordseite mir einem gothischen Schutzdach, führt zur innern Frauen-Gallerie. Die Außenseite ist leicht übertüncht mit Steinfarbe und in einzelne Felder gekerbt; was einen klassischen, zarten Anblick gewährt. Die Mauern, welche früher den Zugang zur alten Synagoge düster und finster machten, sind jetzt niedriger, so daß man beim Eintritt in den Gang eine vollständige Ansicht des Ganzen har. Der Hof rund um das Gebäude ist trocken und sauber gepflastert und ein schöner marmorner Springbrunnen befindet sich in einer Nische des Hofraumes, mit einem eisernen Gitter umgeben." „Wer in das Innere eintritt, fühlt sich mächtig ergriffen von Bewunderung und religiöser Ehrfurcht, so sehr wirkt alles auf die Sinne und fesselt die edelsten Gefühle. An der Schwelle erblickt man rechts den heiligen Schrank mit der hebr. Inschrift: „Wisse, vor wem du stehst;" oben die Gesetztafeln mit der königlichen Krone oberhalb; gerade darüber glänzt ein Stern von Glas in verschiedenen glühenden Farben. Links wird die Aufmerksamkeit angezogen von dem prächtigen Pult oder Lesetisch, ein wenig erhöhet, so daß die Dienftthuenden überall hervorragen; und gerade vorn ist der Stuhl des Aufsehers von schön geglättetem Mahagoni. Eine Helle und geschmackvolle Gallerie läuft um die innern Wände, ruhend auf hübschen, wunderschön gemalten und gefirnißten dorischen Säulen. Von der Decke herab hängt in jedem Winkel vor der Gallerie ein eherner Kronleuchter zu ze 8 Lichtern und in der Mitte einer mit 24. Viele Lampen sind an den Wänden umher, deren Glanz vermehrt wird durch die dicken Wachskerzen auf den massiven Leuchtern an den Gittern des Pultes und vor dem Schranke. Der Boden ist mir viereckigen Marmorplatten abwechselnd schwarz und weiß gepflastert. Die Decke ist in Relief gemalt. 300 Personen haben Raum. Das Ganze macht einen überaus angenehmen Effekt, sowohl in der künstlerischen Ausführung, wie durch die Schönheit der Verhältnisse." Dieses Gebäude ward am Freitag den 29. Marz 41*