Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 40 (2.10.1840)
- Date
- 1840-10-02
- Page
- Seite 337 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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337 bessere Bürgschaft für die Erfüllung gerechter Wünsche, als eben der Rückblick in die kurz verstrichene Geschichte darbietet. Wir benutzen daher gern die Gelegenheit, manche minderbekannte charakteristische Specialitäten aus der Geschichte der eben Dahingeschiedenen Generationen zu geben; sie mögen dazu dienen, tröstliche Vergleiche zu veranstalten und manchen, welcher am Förtschreilen des Bessern verzweifeln möchte, zu beruhigen. Das hier folgende Schreiben eines vormaligen K. K. Oesterr. Staatskanzlers *) ist in der Thar charakteristisch, indem die darin berührten Rechtsverhältnisse damals mehr und minder im ganzen Reiche obwalteten. Wohlehrwürdiger, Hochgelehrter, Lieber Herr Pastor! Es ist in dem Kauf-Contracte ü. 6. 21. August 1767, wodurch die Kammer Petrischen Häuser dem Juden■ Salomon Levi von meiner Kammer käuflich überlassen worden sind, ausdrücklich Vorhalten worden, daß die einem zeitlichen Pa8tori in Neukirchen davon zukommende Weinkäufe für Mann und Frau, so oft solche verfallen sein werden, sollen bezahlet, auch wegen der unterhabende Ländereyen der jährlich Canon a drey Mudde Rocken entrichtet werden müsse. Außerdem hat man in Rücksicht, > daß diese Häuser vorhin durch Christen bewohnt > worden, wovon ein zeitlicher Pastor die Jura Stolae zu genießen hatte, dem Kaufverträge beigcfügt, daß demselben jährlich durch die Jüdischen Inhaber dieser Häuser wegen Abgang solcher Jurium achtzehn Mgroschen und dem Küster Sechs Mgroschen bezahlet werden sollen, womit dann der Herr Pastor zufrieden sein kann. Weil aber das Judenhaus, welches neulich an den Jtzig Levi käuflich überlassen worden, niemalen von Christen bewohnt gewesen, und folglich keiner Bezahlung der ^ursiuil Stolae unterworfen war, so will Ich nicht, daß umer dem Praetext der abgehenden Jurium Siolae den Juden das Geringste aufgebürdet werden soll, welches einem Eigennutze gar sehr ähnlich sein würde. Wegen Erbauung der Synagoge müssen meine Landesherr!. Befehle ohne Ein - und Widerrede befolgt werden, und da aller Orten in der Christenheit, und selbst in den Landen der christlichen Fürsten Synagogen *) Wortgetreue Copia, mitgetheilt von S. L. Liepmannssoh n zu Essen an der Ruhr. anzutreffen sind, und sich Niemand daran ärgert, noch stößt, so wird es dem Herrn Pastor wohl anstehen, wenn er den Geist der Toleranz seinen Pfarrkindern beibringcn, und ihnen lehren wird, wie sie dem Juden Volke mit dem Beispiele der christlichen Liebe, und des guten Betragens Vorgehen mögen. Womit den Herrn Pastor dem Schutze Gottes empfehle. Wien, den 14. April Anno 1768. Wentzel Anton. An den Herrn Pastor zu Neukirchen. Nachrichten und Correfpondenzen. Frankreich. — Professor Frank, bisher Lehrer der Philosophie am College zu Versailles, hat provisorisch die Stelle eines Professors der Philosophie am College Charleraagne zu Paris erhalten, (.^roliives Isr. 9.) Ebendaselbst liest man, daß gegenwärtig mehrere Israeliten sich im Seedienst als Schiffscapiräne auszeichnen, unter-denen Ed. Patto und I. Julian, welche große Schiffe führen, nahmhaft gemacht werden. Man sieht also, daß die volle bürgerliche Freiheit die Talente nach den verschiedensten Richtungen hin entwickelt. — Die Commission, welche im vorigen Jahre vom Ober- Rheinischen Consistorium autorisirt worden war, gegen den Wucher und die Bettelei wirksame Maßregeln zu ergreifen, ist, nachdem sie noch unterm 25. Dec. v. I. genauere Instructionen erhalten und demnach die besten Einleitungen getroffen hatte, gerade in Colmar auf unerwarteten Widerstand gestoßen, dadurch auch mit dem Consistorium, Lessen Beistand sie nachsuchte, zerfallen, und in Folge dessen wieder aufgelöst worden. Dieser Beschluß ist v. 26. Juli, und circulirt gedruckt. Herr Werth, vormaliger Präsident jener Commission, giebt unterm 4. September in den Archives Israelites eine ausführliche Darstellung des Verhaltens des Consistoriums, welche mit den merkwürdigen Worten schließt: „Das enttäuschte Publikum wird nun einsehen, welch Vertrauen ein Consistorium verdient, welches seit seiner Erwählung noch durch gar keine Anordnung bemerkbar gemacht hat, die zur Entwickelung der von der israelitischen Beölkevrung im Oberrhein so sehr gewünschten Fortschritte beitragen dürfte." Straß bürg. — Das bisher im Elsaß noch immer zurückgebliebene Erziehungswesen beginnt immer stärkere Ansprüche zu machen, und wir sehen der Errichtung guter nach den besten Mustern Deutschlands eingekschteter Anstalten entgegen. Hier in Straßburg wird allem Anscheine nach, binnen kurzem eine solche in's Leben treten, geleitet von Herrn vr. Mayer*), Bruder des schon rühmlichst erwähnten *) Der Herausgeber dieser Blätter, welchem beide Brüder näher befreundet sind, kann nicht umhin, seine Theilnahme darüber auszubrücken, und sieht er sich gleich.