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Israelitische Annalen · 1840-10-02 · Heft 40 (2.10.1840) · p. Seite 335

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 40 (2.10.1840)
Date
1840-10-02
Page
Seite 335 (sequence 3)
Language
German
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335 Stimmen der Rabbinen unsrer Zeit. ) II. David Graziadio Viterdi, über Erziehung der Armen zur Arbeit. Wenn man die vielfachen Klagen über die Arbeitsscheu der israelitischen Armen vernommen und gewürdigt hat, welche, wenn gleich als eine Folge der bürgerlichen Mißverhälnisse früherer Zeit gewissermaßen zu entschuldigen, doch auf keinen Fall jetzt, wo sie sich noch findet, gleichgültig angesehen werden darf, vielmehr zum Heil der Armen selbst wie der bürgerlichen Gesellschaft die ernsteste Aufmerksamkeit verdient, so muß cs jeden Menschenfreund mit Freude erfüllen, immer mehr wahrzunehmen, daß gerade die Volkslehrer, welche das Vertrauen des Volkes haben, und welche früherhin diesen wichtigen Umstand außer Augen ließen, ja durch beständige Aufforderung zur Mildthätigkeit die Arbeitscheu beförderten, und niedrige Dienstleistungen wohl gar als entehrend betrachteten, jetzt mit der ganzen Kraft ihres Ansehens darauf dringen, eine verwahrlosete Menge durch Erziehung zur Arbeit aus dem Elende zu ziehen und der Gesellschaft nützliche Mitbürger zu schaffen. — Wir haben die Darstellung der noch sehr traurigen Erzichungsweise in Italien mitgetheilt; desto angenehmer ist es uns, den Anfang eines kräftigen Fortschrittes ebenfalls berichten zu können. — Bei Gelegenheit der ersten Verthejlung der Aufmunterungspreise an die zum Handwerk bestimmten israelitischen Jünglinge zu Padua, am 23. Mai dieses Jahres, sprach sich der wortführende Rabbiner D. G. Vitcrbi folgendermaßen aus: „Die Kinder der Armen zu Künsten und Hand¬ *) Discorso del Habbino David Graziadio Yiterbi da Mantova, allievo dell’ istituto Rabbinico, prirno maestro netto scuole israelische di Padova, detto nett' oratorio uiaggiore il di 23. Maggio 1840 in occasione della prima solenne distribuzione de' premii d'incoi* raggiamento ai Giovani israelitici che si educano alle arti. Padova 1840, Gewidmet dem Regierungsrath Anton Edelm von Groller, Provinzial - Abgeordneten von Padua, — welcher dem Institute seine besondere Theilnahme zuwendet. Datirt 21. Juli, c. — Dies Institut ist am Tage der Krönung des Kaisers als König des Lomd. Den. Reichs errichtet. werken erziehen, wie ihr es vorhabt, ist die schönste, die nützlichste und die heiligste Art der Mildthätigkeit, die angemessenste den Zeiten, in denen wir leben, und die dem Gott der Barmherzigkeit wohlgefälligste. Die Kinder der Armen zu Künsten und Handwerken erziehen, heißt sie dem Müßiggang entreißen, der furchtbaren Geißel der Menschen, sic der Trägheit und Nichtswürdigkeit entziehen, sie an ein thätiges und fleißiges Leben, an Ordnung, Gesittung, Mäßigkeit gewöhnen, sie geistig und körperlich gesund, sich selbst nützlich und der Gesellschaft werthvoll machen. Die Kinder der Armen zu Künsten und Handwerken erziehen, heißt die Armuth mit der Wurzel ausreißen, den Gefunkenen aufrichten, den Bettler aus dem Kothe erheben, ihn veredeln, ihn den Großen der Erde gleich setzen (?s. CXIII. 7.8.) „Preis daher und Ehre den würdigen Mitgliedern des Beförderungs-Comite, welche von den achtbaren Vorsitzern zur Ausführung eines so herrlichen Planes berufen, durch ihre energischen und regsamen Bemühungen gezeigt haben, wie sehr weise es war, ihnen diese schöne Sorge zu übertragen. Sie wählten aus unserer Jugend die geeignetsten Knaben, brachten sie an in den Werkstätten der tüchtigsten Meister, wirkten thätig mit, deren Geist zu richten, ihre religiöse Erziehung zu leiten, ihre Sitten zu bilden, ihre Fortschritte durch Aufmunterung zu erhöhen und auf alle Weise durch väterliche Ermahnungen und eindringliches Zureden sie dahin zu bringen, daß sie die chrenwerthe Laufbahn, welche ihnen die Bruderliebe eröffncte, gern verfolgten. Seid mir daher tausendmal gesegnet rc." „O ihr Armen, ihr Armen! (fährt der Redner fort) jetzt wende ich mich an Euch. Eure Aufgabe ist, zu krönen die Anstrengungen, zu erfüllen die Wünsche Eurer edeln Wohlthäter. Ich will Euch zum Fleiße und zur Arbeit ermahnen, ich will Euch Eure heiligsten Pflichten Vorhalten, von den Übeln Gewohnheiten reden, die ihr abzulegen verpflichtet seid, von den Lastern, die ihr ausrottcn müßt, und ich werde zu euch mit der Offenheit reden, welche mein heiliges Amt mir einfiößt" rc. Nach einer sehr beredten Darstellung der Leiden Israels und des herrlichen Trostes, welchen die Leidenden stets in der unerschöstichen Mildthathigkeit ihrer Brüder fanden, fährt er also fort: „In den Tagen des Schmerzes mußte die Mildthätigkeit gewissermaßen blind sein, durfte kei- 40*

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