Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 39 (25.9.1840)
- Date
- 1840-09-25
- Page
- Seite 331 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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331 nicht immer erfreuliche, so doch wahre und interessante Genrel dilder barbietenb und viele innere Mißverhältnisse grell und | herbe herausstellend. Solche Sittengemälde werben sicherlich auf die Gesittung gut einwirken. Die Lebens töne von C. Maien sind recht wahre Gefühle und aus dem Leben gegriffen, sie finden gewiß Anklang in mancher Brust; nur möchte der poetische Ausdruck sich besser im Schwünge erhalten, als es besonders am Schluß von Nr. IV. geschieht. Auch scheint uns ein und dasselbe Thema zu oft behandelt. Zwei Scenen aus dem Leben von Karl Beck, recht gut und j wahr doch etwas zu kurz, um klar seinen kräftigen Inhalt zu I zeigen. Das Opfer, von C. Maien, eine Novelle, die j trotz des am Ende ziemlich bald zerhauenen Knotens, doch j als nicht beendigt dargestellt ist und in der Thal denjenigen, die alle individuellen Charaktere bis zum Tode begleiten wollen, noch einiges für die Neugier übrig läßt, — giebt wieder einen Beweis, welche schiefe Richtung bas Talent annimmt, wenn es Sympathieen erzwingen will für Gegenstände, welche an und für sich solche nickt anregen. Es sind hier mehrere sentimentale Charaktere aufgestellt, der jüdische.junge Mann (Löwe) weint und träumt beständig, ohne irgend einen festen Sinn zu zeigen ober durch irgend eine Starke das Mitgegefühl zu gewinnen, und die Damen wissen eben so wenig, wo sie.mit ihrer fast in's Komische fallenden Schwärmerei hinaus wollen, wie der Jurist, dessen ganzes Wesen carrikirt erscheint. Ob es überhaupt möglich ist, diese ganze ro- > mantische Scenerei mit dem bürgerlichen Leben in Weimar in unsrer Zeit zusammen zu denken, überlassen wir denen, die den geselligen Ton daselbst näher kennen; wir aber finden nichts als Unnatur in diesen Zeichnungen und nirgends klare Motive in den Gesinnungen. Dabei tritt das Talent des Verfassers, der den Ausdruck recht gut handhabt, auch in der Nachahmung eines berühmten Schriftstellers so viel Geschick zeigt, daß man ihm mehr originelle Kunst zutrauet, dennoch klar genug hervor, um unser Bedauern über diese verfehlte Richtung nur zu vermehren. Ja der Verf. selbst muß sich nicht sicher gefühlt haben, und kommt deßhalb. seltsamer Weise am ganz ungehörigen Orte, den Reeensenten (S. 207) mit einer witzig oder kaustisch sein sollenden Tirade zuvor, die offenbar verräth, daß er selbst sich bereits innerlich recensirt, ohne etwas zuzugeben. Wir wenigstens finden die Worte: „Bevor ich mich noch der Furcht hingebe, daß die Herren gar keinen passenden Namen für mein Erzählungscuriosum finden und es umsonst verschneiden und auseinander foltern, um es in eine von den Schachteln einzufugen, welche sie mit unangreifbaren literarischen Etiquetten bezeichnet —ja bevor ich sie heranstürmen sehe, um mit schwerem, satyrischen Alpdrücken die Druckerschwärze aus meinen Worten zurück zu drucken, die doch nicht schwärzer ist als ihre Gefühllosigkeit"-weder treffend um das gesunde Urtheil abzuschrecken, noch witzig, um die Lacher im Voraus zu gewinnen, noch überhaupt geistreich genug, um zu Gunsten der Eigenthümlichkeit mancherlei Unsinn als Tiefe zu betrachten. Zudem ist die Einkleidung nicht neu und die Einführung eines Auszuges aus dem Tagebuche eines jungen Mannes, der weiter gar keine Bedeutung erhält, so wenig eigene Erfindung, daß schon deßhalb diese Form nicht ansprechen kann; weniger aber befriedigt der Inhalt mit seiner offenbar erlogenen Begeisterung, welche noch dazu gar keine Achtung hcrvorruft. Wir haben nichts dagegen, wenn die wirklichen Leiden, die aus religiösen Verfolgungen oder Mißverständnissen entstehen, lebhaft geschildert werben, jedermann fühlt dabei und mancher Gedanke reift unter dem belebenden Thau der frischen Natur, welcher im Eifer des Alltagslebens erstarrt und zurückgeblieben wäre; aber aus diesem Getändel weicher und weinerlicher Jünglinge, denen gar keine thätige Kraft inne wohnt, während sie stets von Kampf schwatzen, kann nie ein achtbarer Entschluß hervorgehen. Darum nennen wir diese ganze Begeisterung erlogen, und wünschen, wenn sie wahr ist und nur in so verkehrter Richtung sich bewegt, baß sie männlicher werde und einen festem Charakter behaupte. — (Schluß folgt.) T» nm Worte Gottes oder gottesdienstliche Vortrage, gehalten in der Synagoge zu Frankfurt a. d. O. v. vr. S. Holdheim (jetzt) Großh. Mecklenb.-Schwerinscher Landesrabbiner. Drittes Heft. Leipzig bei C. L. Fritzsche. Wiederum 6 Reden von nickt geringem Wertste, dahin abzielend, das Selbstgefühl der Israeliten zu heben und die Ansichten im Allgemeinen zu berichtigen, wenn gleich wir einzelne Mängel darin finden, die wir nicht verschweigen wollen. Die erste, zum Geburtstage des »erst. Königs von Preußen, 3. August 1839 gehaltene, dürfte der Kritik nicht genügen. Sie hat sich im ersten Theil eine Argumentation vorgesetzt, die weder in's Gotteshaus gehört, noch hier irgend erbaulich wirken kann, auch ist sie scholastisch gehalten, und die Sprache geradezu manierirt; daher ohne wahre Begeisterung; die anderen Tbeile jedoch sind populär und gut. Die Zweite, der wahre Eifer für Gott, ist durchaus vortrefflich und für die Israeliten im höchsten Grade bildend. Alle Seiten des Religionseifers werben wahr und hell beleuchtet, und der Eindruck des Ganzen ist eine starke Anregung zum edeln Streben. Die Dritte zum Neujahr 60t) enthält eine natürliche Betrachtung der Erinnerungen und Hoffnungen am Schluß des Jahrhunderts, das Bleibende im Vergänglichen darstellend; uns kommt es vor. daß die Beweise für den Werth der eigenen Religion hier zu sehr aus der äußern Geschichte entlehnt sind, an das innere Leben wendet sich der Redner gar nicht, obwohl das Fest Veranlassung geben mußte. Aus diesem Grunde ist der Vortrag nach unserm Gefühle nicht ganz dem Feste entsprechend und auch nicht recht wirksam. Die Vierte: „Der Mensch und seine Tbätigkeit," überzeugend in mancher Beziehung, aber im Ganzen nicht streng durchgeführt, auch wirklich ohne bestimmtes Ergedniß. Die Fünfte bespricht die „Tempelweihe" zum Theil allegorisch angewendet, auf den Gottesdienst im Hezen und im Hause, und dann auf die Synagoge, — sehr gut und erbaulich. Die Sechste bespricht die „vier Perioden in der geistig-religiösen Entwickelung der Menschen," darunter wird hier verstanden: das Erwachen des Bewußtseins, die Erlösung, die Gesetzgebung, die Errichtung des Heiligthumes. Wir halten dies für etwas gesucht, und nur durch den schön ausgebrückten Schluß ein wenig gerechtfertigt. — Im Allgemeinen sind diese Reden nicht eigentlich Musterpredigten, und die offenbar manierirten Passagen möchten wir eher mißbilligen, aber sie sind so reich an trefflichen Stellen, und so voll einer lebendigen aufrichtenden Gesinnung, daß sie schon deßhalb einem jeden Israeliten werth sein müssen. Notizen. Trier Aug. Auf die Anfrage des Hrn. L. H. Löwenstein in den Ännal. Nr. 19. 1840 erlaube ich mir. zu bemerken, daß eine samaritanische Version auf jeden Fall eine sehr erwünschte Zugabe wäre, sie aber mit hebräischen Lettern zu geben, nickt wissenschaftlich aussieht, wenn auch größerer Absatz dadurch zu erwarten wäre. Es ist übrigens sehr gut, wenn man literarische Projekte dem Publikum zur Beurtheilung vorlegt, um sich im Voraus darüber äußern zu können, wodurch die Literatur nur gewinnen kann. Zuvörderst sollte man die Editionen derselben Werke nicht so sehr häufen. Die Herausgeber werden sich nur einander schaden, die Gelehrten und die Freunde der Literatur können sich unmöglich alles, was sie zu besitzen wünschen, anschaffen. Daher wäre die Fortsetzung des eheö sehr willkommen, wenn sic ganz allein erschiene, ohne daß man genöthigt wäre, den Tert noch einmal zu bezahlen. Auch wäre es förderlich, wenn nicht bloß die Fortsetzung, sondern auch das schon Vorhandene noch einmal erschiene, weil sehr viele Liebhaber dieses Fragment noch nicht besitzen. Auch andere ältere Bibelcommentare würden jeder für sich allein von vielen Freunden der hebräischen Literatur gesucht. M. Heß in Trier.