Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 39 (25.9.1840)
- Date
- 1840-09-25
- Page
- Seite 330 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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330 diese schlechten Verse »erfaßt wurden, konnte ihnen so lange Geltung verschaffen, — aber auf Kosten des Verstandes, der Sprache, des Geschmackes, und was das Schlimmste ist, der Erbauung. — Hier stnd alle übrigen Gesänge der Art aus der Liturgie ausgeschieden und nur einige vorzügliche beibebalten. Der Schlußgesang batte wohl eine metrische Urbersetzung verdient, zumal Die Prosa den Sinn allzumalt ausdrückt. Mit strenger Pietät sind aber (so wie die ersten Segensprüche, in denen der Unterschied der Geschlechter immer anstößig bleibt) die Gebete: Unser Herr und Vater rc. (den Ausdruck König finden wir überall gemieden, ohne Zweifel, weil er im Deutschen zu irdisch erscheint), und: die Sünde, die wir begangen rc. so auch das sogenannte alphabetische Sündenbekenntniß, trotz mancher unabweisbaren Einwendung ohne Abänderung belassen worden. Der Uebersetzer hat da eine schwere Aufgabe, wenn er den Inhalt, der in der Kürze des Originals noch einige Kraft hat, nicht gar zu sehr verflacht wissen will. Und wir gestehen, daß uns hier mehrere Ausdrücke nicht befriedigt haben, z. B. S. 80 „halte ab von uns des Feindes Haß,— und halte ab des Gegners Grimm und Tücke," und so das Folgende, stimmen nicht zum Original, und geben auch keine ansprechendern Begriffe. Auch ist: „halte ab" dreimal nach einander für die verschiedenen Ausdrücke des Originals gesetzt, während es nur dem letzten angemessen ist. S. 81 würden wir: „von schwerer Hast" nicht wählen, da dos Original von „Gefangenschaft" redet; und so erschienen uns einige dieser Gebete etwas zu frei übertragen; das Sündenbekenntniß sucht Herr M. (II. 24) mehr in einen innern Zusammenhang zu dringen; es gewinnt offenbar in der deutschen Sprache etwas mehr Innigkeit, als in der lockern alphabetischen Wahl der Worte. Bei der folgenden Ausführlichkeit der Sünden hat die Uebersetzung wieder ihre Noth; das Original hat durch das Alphabet seine Ordnung, die deutsche Sprache hingegen giebt lauter unzusammenhängende Ideen, deren logische Ordnung höchst verworren erscheint; das ist aber nicht die Schuld des Uebersetzers, welcher vielmehr die Ideen öfters durch Synonymen recht gut wieder zu geben verstand. — Recht schön und dem Originale angepaßt finden wir das Gebet zum Abend des Dersöhnungslages, wovon wir eine andere Uebcrtragung im vorigen Jahrgang S. 300 mitlheilten. Die hier vorliegende von Dr. Sachs in Prag ist einfacher und natürlicher, daher jedenfalls vorzuziehen. Hier einige Verse: 1. In der Brust Sündenlust ist uns cingegeben. Du voll Huld, tilge Schuld, künd' uns an: Vergebung.!. Stoße fort Klagers Wort seine Schrift verschmähe. Rufe laut uns vertraut freundlich zu: Vergebung. 5. Mild und lieb o vcrgieb schwere Sündenschulben. In den Höb'n hör' uns fleh'n und sprich aus: Vergebung. Wir geben hier noch einige Proben, die uns sehr angesprochen haben. So vom Vcrsöhnunstage S. 210. So lange wir da vor dir stehen Und unfern heil'gen Dienst vrrsebn Und breiten aus vor dir die Hand, Auch olme Spend' und Opferdrand Sei unsre Stimme, die dich ruft. Dir das, was sonst der Opferduft. Und wahre deinen treuen Knecht Und deinem Volk sein göttlich Recht, ic. Ferner das schöne historische Erinnerungen heranziehende Lied: „Die Glaudenshelden sind nicht mehr" ist bis auf kleine Harten vortrefflich übersetzt. I(. 258 ff. Wir heben folgende Strophen aus, deren ganze Kraft man nur empfindet, wenn man daS Original dabei hat und vergleicht: 7. Die Glaubenshelden sind nicht mehr. Nicht Einer, der so kühn und frei. So felsenfest im Glauben sei. Wie Elias auf Earmels Hob', Die Fe »erprob' vor dir besteh'. Er schirmete den alten Bund Und als da kam die Abendstund Ging Holz und Opfer auf in Duft, DaS Wasser warb zu Feuersluft. 10. Die Glaubenshelden sind nickt mehr. Nicht Einer, der wie Cbanajah Und Mischarl und Asarjah Dir je so nah Sein Herz halt' ausgeschüttet. Sie rühmten dick in Flamm' und Gluth, Du nahmst sie, Herr, in deine Huth. Sie blieben unversehrt. Die weil sie dich geehrt. Und Fürsten und Satrapen sahn. Was du für Wunder hast gclhan. Auf Metrum und eigentliche Regeln der Poetik nehmen wir hier natürlich nicht Rücksicht, wie der Herr Verfasser selbst die Schwierigkeit, der Kunst zugleich zu genügen , bekennt (H. 323); es handelt sich hier nur von der Wirkung, und hierin hat der wackere Vf. an seinem eigenen Gemüthe einen zuverlässigen Probierstein gehabt. Die Anmerkungen S. 321—34 sind sehr wichtig. — Der dritte Theil enthält die Ordnung für die Festtage und den Fasttag der Zerstörung Jerusalems. Nur wenige ältere Einschaltungen und Gesänge sind zugelafftn, und zu letztern einige erklärende Anmerkungen gegeben. Ausgezeichnet schön und erhebend finden wir in diesem Theile bas Gebet für das Seelenheil der Dahingeschiebenen, wo der Verf. sich ganz frei bewegt, und nicht so sehr vom Originale bestimmt wird. lieber die Auswahl und Ordnung selbst steht uns kein Urthcil zu; diese Liturgie ist bas Ergebniß fleißiger Forschung und eines frommen Willens, jetzt auch schon einer vieljährigen Erfahrung, auf keinen Fall demnach geeignet, in einer mehr literarischen Recension besprochen zu werden. Es gehört dies in eine streng theologische Erörterung. Wir fügen schließlich hinzu, daß das Ganze recht schön gedruckt und ausgestallet ist, und wir glauben, baß diese Sammlung auch da, wo mehr Gesänge eingelegt werden, doch den Frauen und denen, die des Hebräischen nicht kundig sind, zur wahren Erbauung dienen könne. Ieschurun, Taschenbuch für Schilderungen und Anklänge aus dem Leben der Juden. Auf das Jahr 601 israelitischer Zeitrechnung. Herausgegebcnvon Carl Maien undSiegm. Frankenberg. Leipzig 1841. Bei L. Fort. MitRiesser's Bildniß) 447 S. Tfchbformat; in sehr eleganter Form. Des Königs (David) Sünde von C. Maien ist sehr einfach und schön erzäblt. Auch der Tanzgesang am Sinai, von I. Fries spricht durch Einfalt und Wahrheit an. Esthers Bitte v. Ernestine Maien will uns etwas zu kalt Vorkommen. — Die Trauung von C. Maien, eine poetisch gehaltene Erzählung durch poetische Schilderungen anziehend, und insbesondere durch Erinnerungen an wirkliche Ereignisse anregend. Die Verse sind nicht immer gleichmäßig gehalten, bisweilen sehr wohlklingend, bisweilen sehr matt. Die Dichtung selbst von einem in der Kindheit mit seiner Gespielin versprochenen Jüngling, der eben seine Verlobte am Tage ihrer Trauung wieberfinbet, erkannt wird, und durch den Ebelmuth Aller in seine Rechte eintritt, ist im Ganzen sinnreich und auf eigene Art und sehr natürlich motivirt. — Der böhmische Oorfjube von I. Kaufmann, sehr schön geschriebene Prose in tief poetischer Auffassung, mancherlei, wo