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Israelitische Annalen · 1840-09-25 · Heft 39 (25.9.1840) · p. Seite 332

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 39 (25.9.1840)
Date
1840-09-25
Page
Seite 332 (sequence 8)
Language
German
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332 Literarische Entgegnung. In Nr. 33 v. A. Z. deS I. werden aus Anlaß der Beurtheilung meines „israelit. Musenalmanachs'" (1. Iahrg. VIII. 256 S. Dinkelsdühl 1840. Preis 1 fl. 12 Kr.) einige Bemerkungen vorgedrachi, die ich berichtigen zu müssen glaube. Es wird nämlich angegeben, daß „Joseph" oft falsch gemessene Prosa sei. Wo aber falsch gemessen wurde? wirb nicht gesagt. Es würde den unschulbvollen Charakter Josephs und der kindlichen Einfalt der Erzählung zu nahe getreten werden, wenn der einfache epische Styl mit hochtrabenden Floskeln überladen würde. Darum habe ich dieses Versmaaß gewählt. Der letzte Vers (?) kann von Jedermann, welcher der deutschen Sprache kundig ist, selbst berichtigt werden. Er soll heißen: „Er nahm ihn liebreich auf und sprach" statt: „spricht." Bei noch nicht abgeschlossenen Gedanken müssen die Endungen oft einsyldig sein. Ich habe vielmehr erwartet, daß erörtert werden wird, ob in einem biblischen Epos die Personen und das Wesen, wie Rahel und Raphael, nach homerisch-mythologischer Manier, welche der cabdalistischen Darstellungswelse nicht unähnlich ist, vorgeführt werden können oder sollen? Ich habe geglaubt, daß die Antwort Gottes, welchen ich sagen ließ: „Ich neige dir mein Haupt und schwöre, daß er gelangt zu Ruhm und Ehre!" gerügt werden wirb, weil dieser Ausdruck an das Bild des römischen Dichters zur Bezeichnung der Allmacht des durch einen Wink Alles erschütternden Gottes (euocta superellio moventis) erinnert, während der Hebräer zur Bezeichnung des Schwures Gott sagen läßt (Mos. V. 32, 40): „Ich heb' empor die Hand und schwöre." Statt dessen wird geklagt über die Ungereimtheit der „Ehre" mit „schwöre," eine Klage, die nur gegen die deutsche Sprache, in welcher solche Reime beinahe unvermeidlich sind, geführt werben kann. Es ist widerlich, wenn prosaische Bibelstücke im poetischen Style übersetzt werden, wie z. B. Rudolph von Hohenems im 12ten Jahrhundert solche Versuche von metrischen Uebersetzungen aus der Vulgata gemacht hat (Sellelllioru. Amoenit. lit. II.); aber eben so widerlich ist es, wenn poetische Bibelstücke prosaisch übersetzt werden. Dadurch wird den heiligen Dichtern die poetische Weihe entrissen, und bas Volk Israel erfährt oft nicht einmal, daß seine göttlichen Propheten auch erhabene Poeten waren. Ich selbst hörte einmal einen sonst nicht unwissenden Glaubensgenossen staunen und zweifeln, als ich ihm sagte, daß unser Iesaias ein von heiliger Begeisterung entflammter Dichter gewesen sei, wie jener Naturmensch in einem Moliec'schen Stücke sich wunderte, baß man gewöhnlich in Prosa spreche. Warum sollten hebräische Lieber, wenn sie deutsch übertragen werden, nicht der Liederform übertragen werden dürfen, wenn dem Sinne und Worte nichts vergeben wird, da doch ihr ursprünglicher Zweck war, daß sie, wie z. B. das Straflied von Moses (V. 31.19), vom Volke auswendig gelernt werden sollten? Sind doch sogar zwei Gesänge der Aeneide von einem großen Meister in deutsche Octave übertragen worden, Druck und Verlag von Johann David obgleich sich der Dirgil'sche Hexameter für solcheUebersetzungSweise nicht zu eignen scheint. Dem Hebräer ist der Reim nicht ganz fremd; schon der Parallelismus der Versglieder labet zum Reime ein, da auch dieser eine rhythmische Parallele ziehen will. Schon Herder bemerkte in Beziehung auf den Choralgesang am rothen Meere: „Sein Bau ist einfach, voll klingender Assonanzen und Reime, wovon die hebräische Sprache voll ist." Der speculalive Handelssinn und bas Studium des Tyalmuds, mit Ausschluß jedes andern Unterrlchiszweiges, haue den Geschmack für Poesie unterdrückt. Daruin ist auch unser GolteSdienst noch nickt poetisch, und darum auch noch nicht erhebend genug. Daher soll zunächst durch derartige Uederseyungen für den gottesdienstltchen Gesang vorgearbeitet werden, damit unsre Nationallieber zum Zwecke des ChoraleS dereinst umgeschassen werden sollen.*) So soll und kann vorläufig die Fortsetzung der erhabenen, göttlichen Muse nur eine Wiederholung oder Reproduction ihrer uralken Kinder in zeitgemäßem vaierländlschen Gewände sein, um sich nach Inhalt und Form an die vorhandenen Ideen anzuschließen, damit Israel vom biblischen Geiste immer mehr durchdrungen werde. So hat auch die deutsche Nation ihre Cultur größtentheils den deutschen Dichtern der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts zu verdanken. Wenn die von mir beantragte Eintheilung des erwähnten Strafliebes nicht als angemessen erschien, so hälle eine andere in Vorschlag gebracht werden sollen, da ausdrücklich gesagt wird (V. 32. 44), daß das Lied von Moses und Iosua, und zwar, nach Edn Es ra, wie der Choralgesang am rothen Meere, vorgetragen wurde. Die thalmubische Interpretation (Sota 13): nrp~ vflpn ytf rijltf, beutet vielleicht eine Eintheilung nach Art der griechischen Chöre in Strophen und Anlistrophen an. Der Name „Ida Nelkenduft" sollte wirklich eine Parodie auf schwülstige Namen sein. Die Ironie war um so mehr Hervorgehoden, als auch andere Personen in dieser Novelle solche Namen erhielten, wie z. B. Heldenthal uud Felsenhelm. In Betreff des „ Simon Barcocheba" habe ich eine Bemerkung erwartet, daß ich mir erlaubte, einen Cuthaer, der im Midrasch VQ-1 nD'X (U. 2) erwähnt wird, mit dem im babylonischen Thalmub (Beracholb 61, b) benannten Papos als eine und dieselbe Person vorzuführen. Statt dessen wird bemerkt, daß Barcocheba keine von messianischen Ideen beseelte Persönlichkeit sei. Derselbe aber sollte nicht als ein idealer oder cadbaüstischer Schwärmer dargestellt werden, sondern als ein muihiger Hrld von glühender Vaterlandsliebe beseelt, heflig in seiner Liede wie in seinem Hasse, so daß er den Beruf der Messiaswürde nicht in sich suhlte, sondern nur den unstillbaren Drang nach Freiheit des Vaterlandes und deS Glaubens. Im Bewußtsein seiner Schuld mußte er im Kampfe mit dem Geschicke unterliegen, wodurch man mit der Vorsehung, welche die erhabene Idee nicht vollbringen ließ, ausgesöhnt wirb. Oieß ist die Aufgabe der moralisch-tragischen Dichtkunst. Die Druckfehler kann vorläufig jeder Leser selbst berichtigen. Ich glaube hier nur bemerken zu müssen, daß S. 135. Z. 1. zu lesen ist: er wird dich rühmen mit den Worten feiner Feder. S. 202. Z. 16. Wie war'st an Hermons Bergesfuß. S. 256. Z. 6: Im Arm der Unterwelt. Schließlich glaube ich auch, um Mißverständniffeu zu begegnen, erklären zu müssen, baß die Zueignung von der Verhandlung ohne mein Vvrwissen gemacht wurde. Hechingen, 7. Sept. 1840. Dr. S. Mayer, Rabbiner. *) Mehrere Lieder im würtemb. israel. Gesangbuche, „sind nichts anders als verdeutschte und in Verse gebrachte Psalmen," wie im Vorwort zu demselben bemerkt wirb. Sauerländer in Frankfurt am Main.

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