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Israelitische Annalen · 1840-09-25 · Heft 39 (25.9.1840) · p. Seite 328

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 39 (25.9.1840)
Date
1840-09-25
Page
Seite 328 (sequence 4)
Language
German
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328 zurückzugeben. Jetzt kam die Menge in noch stärkerer Eile zurück, und man warf die Bücher durch Thür und Fenster in's Haus herein, und schrie so sehr über die beabsichtigte Verlockung derselben zum Christenthum, daß Moslems und Christen sich versammelten, um dieses merkwürdige Schauspiel mit anzusehen. Dazu kamen noch einige Chassidim und erzählten, der Rabbiner hätte Verfälschungen in der Bibel bemerkt, und sie mit Füßen getreten. Ließ bewog Simeon zum Rabbiner der Sephardim zu gehen, der ihn kannte und artig aufnahm. Alsbald füllte sich das Haus mit polnischen Juden und den andern Rabbinen, welche jenen bitter tadelten, daß er sich mit einem Getauften einlasse. Jener aber erklärte, er werde nicht dulden. Jemand in seinem Hause zu beleidigen, und wer zu solchem Zwecke gekommen wäre, möge sich entfernen. Dann kam er zu einem religiösen Disput, welchem der Rabbiner ein Ziel setzte, indem er gleich seinen Collegen Allen befahl, die Bibeln zurückzugeben, und sich dafür die Namen zurückforderte. Alsbald ward ein Bann darauf gesetzt, daß keiner mehr Bibeln annehmen sollte. Dieser ward nur von Wenigen verletzt. Eben daselbst liest man, daß sechs Israeliten, welche sich nach Damask begeben wollten, von den christlichen Insurgenten aufgefangen und als Opfer für die Manen des Thomas hingeschlachtet worden sind! — - Hamburg, 5. Sept. — In den Synagogen hiesiger Gemeinde hat man endlich auch für gut befunden, einige Verbesserungen eintreten zu lassen. Freilich trifft alles, was man anzutasten gewagt hat, nur sehr geringfügige Aeußer- Nchkeiten die den Anstand in unsrer Zeit gar zu sehr verletzen, - als die Auktion mit den gottesdienstlichen Funktionen, das Geschrei und desgl. In ersterer Beziehung läßt man dem Armenstock sein Recht dadurch, daß die Meldungen am Tage zuvor geschehen und ein bestimmter Tarif erhoben wird. Die Ordnung und Ruhe soll durch eingeführte Inspektionen erhalten werden. Dies ist bis jetzt von gutem Erfolge. Viel ist allerdings nicht damit ausgerichtel, wofern nicht dem Gottesdienst mehr Lebenselement zuertheilt wird, um yas Hauptübel zu bannen, das die Andacht am meisten stört, die Langeweile, besonders bei denen, welche den Inhalt nicht verstehen, oder nicht mit Wärme in sich aufnehmen. Wie es heißt, werden indessen noch wichtigere Fortschritte beabsichtigt. Utioam! — Don dem Distriktsraddiner zu Burkundstadt, H. L. Stein, welcher sich hier aufhielt, um die Stelle am Tempelverein zu erlangen, und mit außerordentlichem Beifall gepredigt hat, so daß nur eine Verschiedenheit der Prinzipien bei den Wählern für den ebenfalls mit einem vortrefflichen Rednertalentbegadten vr. Frankfurter den Ausschlag geben konnte, sind die beiden Concurrenzpredigten hiesclbst im Druck erschienen. Beide sind schöne Beweise seiner Fähigkeit eben so sehr wie seiner muthvollen Offenheit in Darlegung seiner Uederzeugungen. Wir halten es für angemessen, burch diese Annalen, insbesondere auf die zweite Predigt aufmerksam zu machen, welche in homiletischer Beziehung mustergültig zu nennen ist. Es bleibt nur zu wünschen, daß Herr Stein ebenfalls Gelegenheit finden möge, in einer bedeutenden Gemeinde einen seinen Fähigkeiten angemessenen Wirkungskreis zu erlangen! Frankfurt a. d. O. — Im Anfänge der vorigen Woche hat Herr vr. H o l d h e i m Frankfurt a. d. O. unter den besten Wünschen seiner bisherigen Gemeinde verlassen, um seine neue Stelle in Mecklenburg-Schwerin anzutreten, in welcher er durch die Selbstständigkeit der Stellung Gelegenheit haben wird, noch segenreicher als bisher zu wirken. — Wir .werden mit Freuden darüber seiner Zeit berichten. Tarnopol, 24. August. — So eben wohnte ich einem Trauergottesdienste bei, gehalten in unsrer neuen Synagoge zum Andenken des verewigten Weisen Nachman Kr schmal. Der ausgezeichnete Gelehrte, Hr. Jsaac M. Moni es, hielt bei dieser Gelegenheit einen Vortrag, voll der ergreifendsten Anregungen zu Schmerz und Trauer ob diesem Verlust, und der kräftigsten Ermahnungen zu Eintracht und gemeinsamem Forlschreiten auf der Bahn des Bessern. Der geistreiche Redner -machte darauf aufmerksam, daß die Juden in den k. k. österreichischen Staaten im Laufe eines Jahres vier ihrer hervorragendsten Männer zu Grabe getragen. Er tadelte es als höchst verwerfllich, wenn gebildete Juden dem Beispiele ihrer irregeleiteten Brüder folgend, sich über die eigenen Verluste mit den Verlusten der sogenannten Gegenparthei trösten wollten, als ob diese Verluste nicht auch uns betroffen. „Alle waren sie unser!" rief er mit Begeisterung, „Alle, Joseph Perl, wie Moses Sopher, Nachmann Krochmal, wie Jacob Ornstein!" Es war die Sprache der Versöhnung, die wir vernommen; es war die Idee der gemeinsamen Lehre der Gottesgemeinde, der alle spaltenden und trennenden Vorurtheile und Meinungsstreitigkeiten verbannenden, alle Mitglieder einigenden Bruderliebe, die er in uns erweckte. Nie fühlten wir uns enger und inniger von den Glaubensbanden umschlungen und vereinigt mit den Millionen Brüdern in Ost, West, Süd und Nord, in Synagogen, Tempeln und Klausen, Alle Einer und derselben Offenbarung zugethan. Alle den Einen Vater verehrend. — Am Schluffe sprach der Redner seine Hoffnung aus, daß uns für unfern Schmerz doch noch ein Trost erblühen werde, in der Heranwachsenden strebenden Generation, und er forderte diese mit begeisternden Worten auf, mit Eifer und Liebe fortzuschreiten auf der Bahn der Religion, der Bildung und Wissenschaftlichkeit, und uns bald durch die frohe Erfüllung jener Hoffnung zu trösten und zu beglücken. Aus Alexandrien, vom 30. August. — Ein Theil der großen Mission, welche Herr Moses Montefiore und Herr Adolph Cremieux übernommen haben, und welche in der eingetretenen politischen Krise nur noch an wahrhaftem Tugendglanze gewinnen konnte, ist erfüllt; die Sache der Menschheit hat über die Barbarei geblendeter Völker gesiegt. Die unglücklichen Opfer zu Damaskus, welche noch ihr trauriges Schicksal zu überleben Kraft genug

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