Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 39 (25.9.1840)
- Date
- 1840-09-25
- Page
- Seite 327 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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32? Selbst die strengsten Orthodoxen möchten heute sich nicht zur Heilighaltung alles ressen, was er für unerläßlich ausgiebt, bekennen. Derselbe Gelehrte hat sich aber andere Verdienste um die Quellenkenntniß erworben, die wir nicht übergehen dürfen. Zur Vorbereitung der Heranwachsenden Jugend für die rabbinische Literatur schrieb er ein Werk in 2 Theilen unter dem Titel ijizb “pjn; im ersten Theile kurze rituelle und moralische Lehrsätze, freilich ohne Ordnung und gehörige Eintheilung und wiederum mir sehr harten Urtheilen fanatischer Art untermengt, im andern Theile Sagen und Legenden in ihrer ursprünglichen Form mit Nutzanwendung. Beide Bücher, welche zum Zwecke haben, die Schüler an die rabbinische Sprache zu gewöhnen, werden in mehreren Schulen gebraucht. — Derselbe lieferte noch eine Grammatik unter dem Titel pnb'njny, und gab eine Einleitung in die thalmudischen Studien, unter dem Titel ■nyty heraus, so auch ein sehr unvollständiges hebräisches Wörterbuch (j'itt'bn n:TO. Geistreicher und anregender ist sein Mischnisch-Lexicalischer Versuch nns* new mit einer trefflichen Vorrede in beiden Sprachen, in welchem er eine Menge der scheinbar später» Stämme der alten Sprache vindicirr, und über manche Form und Derivation sehr treffende Bemerkungen macht. Dies Werk verdient die Aufmerksamkeit der Sprachforscher. Endlich haben wir von ihm ein Werk bv2 mDD# welches von allen in der Bibel vorkommenden Götzen handelt, und ihre Bedeutung, ihre Gestalt und die Art ihres Dienstes nachweift. Dies Buch ist ein Beleg für seine ausgezeichnete Belesensenheit, namentlich in der wissenschaftlichen und klassischen Literatur, und gleichzeitig bekundetes gesunde Kritik. Den Grundideen nach stimmt er vorzüglich mit Dupui Origiue de tous les Cultes überein. Nachrichten und Correspondenzen. Palästina. — Missionsbericht über dieBibelvertheilung unter den Juden. Im Intelligence August 1840 berichtet Herr Nicola»)ion folgendes nach der mündlichen Darstellung des Missionärs Simeon, unterm 10. April, o. Die erste Gelegenheit, seinen kostbaren Schatz zu vertheilen, fand sich in Nablus, wo etwa 20 jüdische Familien wohnen. Erbezog eine Wohnung bei'mSchochet,Isaak Kimchi, welcher ihn freundlich aufnahin, und da er die Absicht seines Besuches erfuhr, ihn uin Eremplare des heiligen Buches bat, theils für sich, theils für 11 Bekannte; auch nahin er keinen Anstand, die Namen aller Empfänger aufzuschreiben. Jetzt vermehrte sich die Nachfrage; da aber ein Geldwechsler bei den Leuten den Verdacht erregte, daß man nur deßhalb die Nainen verlangte, um solche nach England zu senden und sie als ein Versprechen, das Christenthum anzuehmen, betrachten werde, so brachte dieß eine Unruhe zu Wege, die Menge (?) bewegte sich zum Hause des Schochet, und tobte dermaßen durcheinander, daß Simeon nicht recht die Ursache des Lärms und des Unwillens unterscheiden konnte. Der gute Hauswirth war anfangs verlegen und wollte ihm gar nicht den abgeschmackten und undankbaren (?) Grund der Besorgniß sagen, er suchte vielmehr sie zu beschwichtigen und erinnerte sie an die Menschenliebe, welche die englischen Missionäre so lange und eininüthig ihren armen und kranken Brüdern in Jerusalem.bewiesen hatten. Allein zuletzt sah sich Simeon veranlaßt, dazwischen zu treten und sich des Nähern zu erkundigen, worauf er ihnen auseinandersetzte, daß man der Namen nur bedürfe, um über die Verwendung Rechenschaft zu geben. Es gelang ihm nicht bloß, das Volk zu beruhigen, sondern sie küßten ihm noch (wie es dort Sitte ist) die Hand, baten um Entschuldigung und viele wünschten noch Bibeln zu erhalten, welche er ihnen bei seiner Rückkehr oder später zu liefern versprach. In TiberiaS traf er einen Juden, denselben, der ihn vor vier Jahren dem Nicolayson in Smyrna zugeführt hatte, und der ihn bat, in seinem Hause zu wohnen. Am Tage darauf schickte bas Oberhaupt der Chassibim zu dem Wirthe und ließ ihm erklären, er würde ihm seinen Antheil an der Spendevertheilung nicht liefern, wenn er nicht augenblicklich Sirneon fortschickte. Er widerstrebte. Der Dajan sandte zu Simeon, den er schon früher kannte, und unterhielt sich freundlich mit ihm, das bestärkte jenen und brachte den Rabbi zu»n Schweigen. Nach mehreren Regentagen, in denen kein Besuch kam, erschien der Schwiegersohn des portugiesischen Rabbinen und bat uin eine Bibel. Der Schwiegervater untersuchte diese. Am Tage darauf kamen zwei Lehrer der Sephardim, und der Begleiter des Rabbi mit allen Schülern, welche Simeon die Hand küßten, und dankten für die große Güte, daß man ihnen unentgeltlich Bibeln schickte, und baten um Eremplare, nachdem alle Schüler bewiesen hatten, daß sie den Inhalt verständen. Simeon gab, nach einer kurzen Erklärung der Absicht solcher Bibelvertheilung, den bessern Schülern vollständige Pentateuche, den Schwachem versprach er Haftaren. Da die übrigen Juden erfahren hatten, daß der Rabbi die Bibel' gut fand, so strömten sie in solcher Masse herbei, baß das Haus sie nicht fassen konnte, und Siineon sie nur einzeln einließ, um von jedem erst die Ueberzeugung zu haben, daß er lesen und übersetzen könne; und den Bessern eine Bibel zu geben, den Schwachem aber Haftaren zu versprechen, die noch in der Kiste verpackt lagen. Eine ganze Kiste voll Bibeln ward so vergeben, dann ging's an die Haftaren; als zwei deren hatten, eilten sie zum Rabbiner, welcher zwar bei'm Anblick der angehängten Prophetenstellen nichts dagegen zu haben schien, aber bald von eifriger» Leuten angetrieben, befahl, alle Bücher 39*