Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 39 (25.9.1840)
- Date
- 1840-09-25
- Page
- Seite 326 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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326 Aber auch wenn von der andern Seire mit prophetischer Salbung im Namen Gottes gelehrt wird, der Israelit soll mit erkünsteltem Heldenmuthalle Vernunft ab schwören, und ohne Prüfung und ohne Wahl und ohne Erkenntniß, Alles und Jegliches, was je aus eines Menschen Mund ist gekommen, und im Namen der Menschen ist gelehrt worden, mit gläubigem Sinn und hingebendem Herzen auf Treu und Glauben als das Heiligste und Göttliche hinnehmen, und Allem und Jeglichem, was je zu gewissen Zeiten und unter gewissen Umständen, und wären diese von den heutigen noch so sehr verschieden, aus menschlichem Sinn und aus menschlicher Ansicht ist 'entsprungen, gleiche Verehrung widmen und gleiche Verbindlichkeit zuerkennen, als wäre es aus Gottes eigenem Munde geflossen und aus unmittelbar göttlichem Ursprung entquollen, und gälte es das ganze Lebensglück und die Glückseligkeit ganzer Geschlechter, so solle doch kein Titelchen von alle dem, was das Ansehen und der Ausspruch der Menschen, und wären sie an Zeit und Rang auch von uns gar nicht einmal entfernt, einmal hat erkannt, begründet und seftgeftellt, gelöst und gebunden, nicht der Prüfung der Menschen unterworfen und nicht davon um ein Haar breit gewichen werden, so ist solche Lehre, und wäre sie auch im Namen Gottes verkündet, doch nicht Gotteslehre, und es dürfe ihr keine Folge gegeben werden, weil sie, wenn sie folgerecht durchgeführt würde und im Leben Anwendung fände, die Würde des Menschen, die Selbstthätigkeit seiner geistig-göttlichen Kraft, im Israeliten auslöschen und ihn auf gleiche Stufe mit dem Thiere stellen würde, das ohne Fortschritt, weil ohne Erkenntniß, einem ehernen Gesetz der Norhwendigkeit immer und ewig folgt. Zustände in Italien, insbesondere die Jugenderziehung. (Schluß.) Frühere Gelehrte sahen die Nothwendigkeit eines systematischen Unterrichtes ein, und verfertigten Handbücher, die jedoch heutiges Tages nicht brauchbar wären, und mit Recht vergessen sind. Dahin gehört das Lekach tob von Abraham Jagel (von Chananiah Cohen verändert edirt). Eine Art Katechismus erschien von Kalimani, Rabb. zu Venedig, gegen das Ende des letzten Jahrhunderts, unter dem Titel: E8ame ad un giovane ebreo isruito nclla sua religione (Prüfung eines in der Religion unterrichteten jüdischen Jünglings), in schlechtem Italienisch geschrieben, in zehn Abschnitten ohne Ueberschriften und voll der unlogischesten Sätze. Z. B. auf die Frage: Was begreifst du unter Gott? Folgt die naive Antwort: Ich begreife ein unbegreifliches Wesen. Auch wird hier vieles vorgcbracht, was durchaus dem jugendlichen Alter nicht ziemt, und wiederum herrscht eine Ausführlichkeit in kleinlichen Ritualsachen, die mindestens nicht in die Schule gehören. Im Uebrigen ist das Material mit großer Vollständigkeit gesammelt, so daß eine neue logischer geordnete und besser ausgedrückte, wie auch gedrängtere Bearbeitung desselben gut wäre. Ein anonymer venetianer Rabbiner hat ein kurzes Glaubensbekenntniß für Confirmanden hebräisch und italienisch herausgegeben. Es enthält nur die 13 Artikel. David Sachut Modena lieferte vor etwa zwanzig Jahren eine Llorale Catechistica (hebräisch M in 15 Capiteln, 108 S. in 8. stark; höchst verworren und mangelhaft, weder für Anfänger, noch für gcprüftere Schüler brauchbar. — Em Büchlein von Joseph Tivoli zu Trieft (betitelt D'n'ijftn *02) ist nicht besser. Derselbe hat das in den K. K. Staaten leider autorisirte Ln«-Lion von Homberg in's Italienische übersetzt, auf jeden Fall gelungener als die Uebersetzung des berühmten Büchersammlers Jakob Vita Saraval. Wichtiger ist, wenn auch nicht gerade wegen seiner Religionslehrbücher, die besonders in Reggio noch gebraucht werden, so doch wegen seiner literarischen Leistungen, der schon genannte Chanania Elchanan Hai Cohen, früher Lehrer in Reggio di Modena, später Rabbiner in Florenz. Er war ein vielseitig gebildeter Gelehrter, der aus Begeisterung für die Sache arbeitete und unterrichtete. Er gab ein kleines katechitisches Anfängerbüchlein unter dem Titel rp'tfan hebräisch und italienisch, 24 S. stark, und ein anderes püiök nur hebräisch heraus; erfteres enthält nur die 13 Artikel und einige Zusätze moralisch-religiösen Inhaltes; das zweite ist eine nach seiner Art verständige Lehre, in großer Breite bei'm Cermoniel, auch die historischen Berichte von der Kette der Tradition nach den Quellen liefernd.