Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 38 (18.9.1840)
- Date
- 1840-09-18
- Page
- Seite 323 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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323 Schlaf und Schlummer, seine Ruhe trübt kein Kummer. In dem innern Heiligthum, kündet alles seinen Ruhm. S. R. ic. Unbegränzt ist seine Macht, unumwölkt ist feine fßra&t, und so lang die Welten stehen, wird sein Ruhm doch nie vergehen." S. R. rc. (Schluß folgt.) Jeschurun, Taschenbuch für Schilderungen und Anklänge aus dem Leben der Juden. Auf das Jahr 601 lsraelitischer Zeitrechnung. Herausgegebcn von Carl Maien und Sicgm. Frankenberg. Leipzig 1841. Bei L. Fort. Mit Riesser's Bildniß) 447 S. Tschbformat; in sehr eleganter Form. Die Ankündigung dieses Taschenbuches ließ uns eine jener Fabrlkarbeiten erwarten, die mit der äußern Einfassung und Bekleidung auf Meßfremde berechnet, keiner sonstigen Beachtung werth sein dürfte; ja wir fürchteten fast in dieser partikulären Belletristik eine Ausgeburt jener Selbstgefälligkeit zu sehen, die einer eben erst entstehenden Literatur eigen ist, in welcher die Mvdefvrmen sich versuchen, und so lange sich lächerlich machen, bis der männliche Ernst eine beständige und charakteristische Einkleidung für ächte Geistesprodukte gefunden bade. Zu solcher Besorgniß finden wir leider in mancherler ästhetischen und poetischen Faseleien unreifer oder unwahrer Schriftsteller unsrer Zeit genügenden Anlaß. Aber wir gestehen gern, daß diesmal unsre Besorgniß durchaus ungegründet war, und daß wir hier eine Sammlung von Pvesieen und Schilderungen erkalten haben, die es wohl verdienen, einer ernsten Aufmerksamkeit gewürdigt zu werden, und welche die Herausgeber nicht mit Unrecht durch eine gefällige Ausstattung in die Well einführen. Mag es immerhin Lesern, die nur durch ein buntes Vielerlei unterhalten sein wollen, langweilig erscheinen, hintereinander nur eine Saite des Lebens tönen zu hören, und zwar oft mehr klagend und mancherlei Dissonanzen einmischend; dennoch verkennen wir nicht, baß die poetische Auffassung vieler als höchst trivial betrachteter Lebensverhältnisse, die farbenreiche Schilderung mancher Scenen, und die muntere Frische, welche in Gedichten und Erzählungen durchweg herrscht, und die gesunden Ledensansichten, welche aus der Wanderschaft mitten durch Trümmer und Gestrüpp gewonnen werden, eben so sehr unterhaltende Mannigfaltigkeit, als auch kräftige Anregung, Berichtigung der Begriffe und wir setzen gerne hinzu, auch moralische Veredelung mit sich fuhren. Und in dieser unsrer Ueberzeugung empfehlen wir bas genannte Taschenbuch als ein sehr schönes und werthvolles Produkt unsrer Zeit. Ueber den Inhalt desselben folgen hier einige Andeutungen Den Anfang macht eine Skizze von G. Riesser's Wirken v. K. Sidon. Sie ist im Allgemeinen nicht schlecht geschrieben. Neues bietet sie nicht bar. Die aus Riesser's Schriften angeführten wenigen Aeußerungen konnten schönern und treffendem Stellen den Platz raumen. Die erste Einleitung S. 3 - 4 scheint uns nicht geeignet, richtige Ansichten zu geben. —' Es folgen nun poetische Versuche, unter denen viel Gelungenes. Die Gesetzgebung, angeblich ein Bruchstück aus einem großem Epos, von M. Rappaporl, in ottava rima, enthält recht gute Ideen und manche Beweise poetischen Talentes. Einzelne gesuchte Ausdrücke und Bilder werben wohl späterhin noch die Feile erfahren. Dahin gehört z. B. Sein Antlitz glänzt, und himmlisches Entzücken Erwählt zum Throne sich sein Augenpaar. Ein schneller Pilger bist du bloß hienieden. Erlahmen soll daS unheilschwangre Rad (?) Uud die so lang kein Freundesstrahl erreichte Umlodert hell des Glückes Flammenleuchte! Don Erdenpracht bleibt eitel Staub und Trümmer (?) Voran in weißen wallenden Talaren Der Stämme Greise, Marmorbildern gleich; (?) Die Männer folgen, reich an Glanz und Jahren So wie an Kraft und Mild' und Weisheit reich. Diese Halbstrophe ist ganz unverständlich; soll das zweite Paar die Reihenfolge angeben? oder sind andere gemeint, die den Erstem folgen, welche wie Marmorbilder aussehen? Macht man in Marmor überhaupt nur Greise? Außerdem finden sich seltsame Bilder und Wiederholungen. In der vierten Strophe finden wir einen goldenen Baum mit süßen Früchten, in der zwölften einen Lebenstraum der goldne Früchte trägt. Ferner: Wenn solche Flamme deine Brust erweichte Wenn du der Sünde nur so fühlend bist (?) Kein Hoffnungsstrahl wird dir vom Himmel steigen. Die letzte Strophe scheint uns ganz mißlungen. Es leidet keinen Zweifel, daß der Verf. Talent hat, aber die Correctheit muß sich noch viel strenger ausdilden. — (Fortsetzung folgt.) Kleine Schriften. 4) Predigten auf Veranlassung des Regierungswechsels in Dänemark gehalten von vr. Al. Abraham Wolfs. Copenhagen bei Trier 1840. Es sind dieß vier Predigten, deren erste zwei wir schon erwähnt haben; die letzten betreffen das Jubelfest des Königspaares, und die Krönungsfeier. — Die Leistungen des Redners sind bekannt genug, und er bedarf daher nur einer Anzeige. 5) A sermon on tlie importance of the holy law with its effect in proraoting unity and peace, delivered at the Spanish and Portuguese Jews’ Synagogue, Bebis Marks, on the Sabbath Prior to the Festival of Passover, 8^ Nisau — 11“* April 1840. By the Rev. I). Meldola, Presidiug Rabbi. London 5600. Eine reckt scköne, populär gehaltene, gut durchdachte, wohlgeordnete und elegant ausgefuhrte Predigt, welcke von einem so anerkannten Rabbiner als Einleitung zum Passahfeste gerprocken den triftigsten Beweis von dem Fortschritt des guten Geschmackes rn der Synagoge darbietet. Notizen. Die Arehives Israelites de France bringen die nicht uninteressante Nachricht, daß zwei Israeliten in Paris, Tantenstein und Corvel, ein neues Verfahren, Musiknoten mit beweglichen Typen zu setzen, erfunden haben, welches jetzt bereits vielseitig benutzt wird. Bei der Ausstellung 1839 haben sie eine Medaille erhalten. — Es ist charakteristisch, daß unter den Künsten unsrer Zeit die Musik vorzugsweise sich den Israeliten anempfohlen, wie denn zu den längst bekannten Virtuosen jetzt wiederum neue hinzugekommen, welche sich Lorbeeren erwerben. Ohne Zweifel hat dieß Streben auf den gottesdienstlichen Gesang großen Einfluß, dessen Verbesserung wir für eins der ersten Bildungsmittel halten. Die Werke, die jetzt an's Licht treten, werden hoffentlich einen starken Fortschritt beurkunden.