Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 38 (18.9.1840)
- Date
- 1840-09-18
- Page
- Seite 322 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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322 recht erwerben kann; indeß kann derjenige, der eine Fabrik anzulegen das Vermögen und den Willen hat, sich hierzu überall einen Platz ankaufen. Auch ist cs Aerzten gestattet, außerhalb der Iudengasse zu wohnen. Ueberhaupt wird diesfalls, wenn nur die andersglaubenden Mitbewohner des Ortes tolerant genug sind, von Seiten der humanen Regierung stillschweigend aller Vorschub gestattet. In Proßnitz, wo die Stabtvertretung trotz der augenscheinlichen, für die Gesammtheit höchst schädlichen Beengung des Judenquartiers, die Pachtnahme christlicher Häuser den Israeliten nicht gestatten wollte, wurde kürzlich von Seiten der höchsten Stelle die gnädigste Resolution herausgegeben, daß das Kreisamt zur Abhülfe die nöthigen Schritte thue, was auch geschah und in dessen Folge die der Iudenstadt Nächstliegenden Häuser den Israeliten zur Pachtung frcigegeben wurden. 23) Die Wissenschaften werden von den mährischen israelitischen Jünglingen sehr fleißig gepflegt, und obwohl jene für diese wenig Aussicht zur Lebcnsversorgung dardieten (da der ärztliche Stand ohnehin sehr zahlreich, und die Advokatur, trotz höchsten Willens vom Jahre 1790, durch gewisse Innungsrechte wenig zugänglich ist) so treibt sie ihre Wißbegier unablässig in die mährischen, böhmischen und ungarischen Lehranstalten. Möge der Wille unseres gütigen, glorreichen Herrschers ihnen recht bald ein Feld für ihre Thätigkeit öffnen, damit wir es nicht erleben, Doctoren der WellweiSheit mit der Krämerclle in der Hand zu erblicken. 24) Von schönen Künsten wirb nur Musik ämsig betrieben. Ernst und Broch gehören uns an. Der übrigen eigentlichen Künste sind von unfern jungen Leuten im Lande Wenige beflissen; dagegen werden die Handwerke mit Eifer und Gründlichkeit erlernt. Selbst sehr reiche Männer cz. B. Herr Benjamin L-öw in B.), lassen ihre, noch dazu sehr talentvollen Kinder, die Lehr- und Wanberzeit mit der strengsten Pünkllichkeit aushalten. Von den Vereinen zur Beförderung der Handwerke zu Nikolsburg und Proßnitz ist bereits gehörigen Orts gesprochen worden. 25) Wir wollen zum Schlüsse noch folgendes Derzeichniß der gegenwärtigen uns bekannten Schriftsteller unter den Israeliten Mährens folgen lassen. n) Nikolsburg. Herr OLR. Nehemias Trebitsch (Commentar zum jerusal. Thalmud, Glossen zum Mischne Tbora des Maimonides, kleine Trauerrede auf den höchstsei. Kaiser Franz, in's Deutsche, von Herrn Joseph Deutsch übertragen.) Herr A. Trebitsch (Jüd. Geschichte.) b) Proßnitz. Hr. Rabbiner Hirsch Fasse! (Predigten und Polemik.) Hr. Mag. Chir. Gideon Brecher (phil. Commentar zum CoSri.) Hr. Oberlehrer Jos. Weisse (Commentar zu mehren Libeltheilen.) Hr. Montz Steinschneider (Kleine Arbeiten.) v) Boskowitz. Hr. Löbisch Löw, Candidat der Philosophie zu Wien (Theologie), ck) Leipnik. Hr. Löb Reinitz (Polemik), e) Trebitsch. Hr. H. Engländer (Gebete, Piutübersetzung.) k) Rausnitz. Hr. Joseph Flesch (UebersetzungPhilons, Bibelforschungen). Hr. Feit Heimrath (Geschichte.) 8) Ung. Br ob. Hr. Joachim Pollach (Gedichte.) Hr. E. I. Blücher (aram. Sprachlehre.) Ii) Hotzenplotz. Hr. Rabb. Schmidel (Rede.) i) Weiskirchen. Hr. Brück (Theologie.) j) Triesch. Hr. Lichtenstern (Gedichte.) k) Kroman. Hr. Rabbiner Löb Schwab (Mehre Kanzelreden.) l) Per an. Hr. Wolf (Commentar zu Aden Esra auf den Pentateuch.) Außerdem giebt es viele Gelehrte unter den Genannten! und noch manche nicht Erwähnte z. B. der sehr gelehrte j Rab. zu Trebitsch, Hrn. Pollak) die uns viel wahrhaft Gej diegenes und Treffliches erwarten lassen. Auch sind Hr. vr.! Ludwig August Frankl (berühmter Lyriker) und Hr. Dr. | Alois Ieilteles (Lustspieldichler) mährisch-jüdische Landeskinder. Literatur. 'lywb "Mfiö Feftgebete der Israeliten nach der gottesdienstlichen Ordnung im israelit. Belhause! zu Wien und in mehreren andern Gemeinden, mir einer neuen Uebersetzung von I. N. Mannheimer,! Religionslchrer und Prediger, 3 Bande, gr. 8., j Wien 1840 bei Franz Ed. v. Schmid und I. I. I Busch. — Th. 1) für die Neujahrstage, 2) für den! Versöhnungsrag, 3) für die 3 Festuud Fastlage. Die Auswahl, welche der Wiener Ritus für gut befun-! den, tritt hier zum ersten Male mit deutscher Uebcrsktzung an's Licht, und blese von der Hand des würdigen Predigers, - welcher als Urheber dieser Reform sich bereits eben so sehr I durch die schöne, feierliche und jeden Sachkundigen anspre-! chende Gestaltung des Gottesdienstes, wie durch die innere | Wahrhrheit, die Kraft und Anregung und die Eleganz seiner! Predigten in Israel unsterbliche Denkmale errichtet hat. Alles dies zusammengefaßt gewährt schon ein erfreuliches Dorurtheil für ein Werk, das ohne Zweifel durch sein Erscheinen einen größern Einfluß auf auswärtige Synagogen üben wird, als alle zersplitterten und oft völlig ungleichartigen LäuterungS- ' versuche; und es wäre sehr zu wünschen, daß dieser Einfluß; bald sichtbar werbe.! Ader abgesehen davon ist auch dies Werk eine gute lite- ' rarische Erscheinung, musterhaft in der Ausführung. Die! Uebersetzung hat augenscheinlich danach gestrebt, nicht sowohl; einen wortgetreuen Ausdruck zu geben, als vielmehr den Kern! des hebräischen Gedankens durch deutsche Worte auszubrük-! kcn, welche eine ähnliche Erhebung des Gemüthes hervor-! bringen, wie die Urschrift, deren getreue Ueberrragung sonst! zur Verhütung der Mißverständnisse eines Commentars be-! dürfte, der hier gewiß nicht am rechten Orte wäre. Die j freie Uebersetzung bewährt sich überall; wem darum zu thun > ist, in vielen Beispielen zugleich die Methode des Hrn. Manni heimer kennen zu lernen, der vergleiche insbesondere das! Nischmath, wo die starke Häufung der Worte des Originals j vielerlei Abweichungen hervorgerufen zu haben scheint,'die! sich theils durch ansprechendere Fügung des Sinnes, theils durch die Euphonie empfohlen zu haben scheinen. Die den Festen eigenen und besonders charakteristischen Gebete sind mit wahrer Kraft und Weihe übertragen, oft sind die Verse des Originals sehr glücklich nachgeahmt; so daß Melech EIjon S. 73—75 z. B. „Seine Engel sind die Gluthen, wo er winket, brausen Fluthen; und doch schirmt fein Erbarmen in der Noth den Armen. Sein Reich rc. Vor ihm ist kein