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Israelitische Annalen · 1840-09-18 · Heft 38 (18.9.1840) · p. Seite 319

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 38 (18.9.1840)
Date
1840-09-18
Page
Seite 319 (sequence 3)
Language
German
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319 eine mit dem Rabbiner Lemans an der Spitze, hält mit unerschütterlicher Orthodoxie am Alterthum mit allen seinen Formen, die andere ist ultra-liberal, alles verwerfend, und die Historie gänzlich wie eine leere Fabel behandelnd. Die mittlere Parthei ist zu gering, um einen Einfluß zu üben, und so ist der Fanatismus mit seiner ganzen Härte auf der einen, und der Leichtsinn mit seiner Gleichgültigkeit für inneres Fortschreiten auf der andern, dem Aufkommen der zeitgemäßen Verbesserung hinderlich. Jeder, der es gut meint, fühlt den Schmerz, sieht sich aber vergebens nach einer heilenden Hand um. Ein tüchtiger, mir Umsicht und Sachkenntniß ausgestatteter charakterfester Mann könnte indeß viel ausrichtcn. Günstiger gestalten sich hier die socialen Verhältnisse, und zwar besonders gegen die zu Amsterdam. Hier bilden nämlich die Israeliten nicht solche zahlreiche und gedrängte Masse, wie dort, wo der erste Eindruck selbst bei ganz Unbefangenen ein unerfreulicher sein muß, und mannifache Eigenheiten das Ausschließungssyftem befördern, welches hier niemals so stark geherrscht hat. So viel ist gewiß, daß während in Amsterdam eine Menge Vereine zu gemeinnützigen Zwecken, oder für Kunst und Wissenschaft, die nichts mit Religion zu rhun haben, die Israeliten statutenmäßig ausschließen, hier im Haag solche Unduldsamkeit durchaus nicht ftattfindet, und nur die Ges. tot uut van’t algemeen, deren Hauptmilglieder zu Amsterdam wohnen, behalten seltsamerweise ihre Abschließung bei. Kürzlich ist vom Haag'sehen Departement auf Zulassung der Israeliten angetragcn worden, aber man hat diesen Antrag zu Amsterdam verworfen, „weil der Verein auf christlicher Moral beruhe!" Wie fern diese nun von unsrer sich unterscheide, mögen andere Nachweisen! Der sittliche Zustand der diesseitigen Israeliten zeigt die herrlichsten Früchte der Anstrengungen jener wackcrn Männer, welche den Israeliten einen kräftigen 'Bürgersinn einzuflößen wußten, wie ein Aster, Meier, Bromet, Belinfante, Edersheim und viele andere in der jüngsten Vorzeit. Heutiges Tages sehen wir in allen Fächern Männer von Kenntnissen und Talenten, die ihrem Stande und Lande Ehre machen, wie sich's denn überall bewährt, daß die Hinwegräumung gesetzlicher Hemmnisse die Gesittung erhöht. Sowohl bei den Landesals Stadtregierungen sind auch hier bereits talentvolle und getreue Beamte; unter andern mögen nur die in verschiedenen Fächern hervorragenden genannt werden. Wir sehen hier einen de Castro als Mitglied desStadtrathes, einen A sse r auf dem Richterftuhle, der Mathematiker Labato als Adviseur im Dep. des Innern; dann die sehr ausgezeichneten Advokaten van Gigeh wegen seiner Beredsamkeit berühmt, Levysohn und de Pinto als vorzügliche Rechtsgelehrte; unter den Aerzten sind Stein, Loup und Heim a ns in Ansehen; der Dichter Kali sch übertrifft durch Einfalt und Wohlklang der Verse selbst die meisten modernen niederländischen Sänger; der Maler Verveer ist ein würdiger Nebenbuhler des zu früh verstorbenen Nuyer. Viele Israeliten gehören den Wissenschaften an, mehrere sind Offiziere im Heere. Auch im Handelsftande stehen sie sehr^ achtbar da; neben vielen großen Häusern erwähnen wir noch zwei Buch- und Kunsthandlungen, so wie die große in ihrer Art einzige Fabrik des Herrn Enthoven, nahe dem Stadtthore, in welcher viele Christen und Israeliten als Arbeiter ihre Nahrung finden. Bei so bewandten Umständen sind hier nach Verhältniß wenig Arme. Zur Versorgung alter Leute beider Geschlechter, hat man ein Hospital zu errichten beschlossen, wozu Herr Zurkan sogleich ein werthwolles Gebäude nebst Landftück geschenkt hat. Eine Collecte, wozu auch Nicht-Israeliten beisteuerten, trug 20,000 fl. ein. Der Theil, welcher zur Aufnahme der Männer bestimmt ist, steht bereits fertig da; 40 Greise finden darin Aufnahme; es wird auch ein Saal für Kranke eingerichtet und eine Synagoge hergeftellt. Aus dieser Skizze ergiebt sich, daß alles im Fortschreiten zum Guten begriffen ist und nur der Kultus noch besondere Pflege bedarf. Schreiben aus Padua. 3. August tSiO. In den Archives Isr. de France Janvier 54 findet sich folgende Stelle: L’ecole de Padue, les Reggio, les Luzzato, adoptent comrne un asyle et proclament comme derniere raison les principes de Mendelssohn. Ils sont ou se trouvait l’AUemagne a la kn du dernier siede, ä l’epoque des Biouriin et des Measphirn j ils y sont, et pretendent s’y arreter. Mais, comme il arrive toujours, leurs 38*

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