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Israelitische Annalen · 1840-09-11 · Heft 37 (11.9.1840) · p. Seite 313

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 37 (11.9.1840)
Date
1840-09-11
Page
Seite 313 (sequence 5)
Language
German
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313 Nachrichten mtfc Correspondenzen. Frankreich. — Die Maßregeln des Consistoriums im Dep. Ober-Rhein zur Abstellung der Bettelei und Unterdrükkung des Wuchers haben nicht die gewünschte Unterstützung gefunden, und ein Jahr ist verflossen, ohne baß etwas geschehen ist. Inzwischen vernehmen wir, daß das Nebel durch die Zunahme der Industrie und durch die bessere Gesinnung der Heranwachsenden Jugend sich von selbst täglich mindert, und so wird es denn am Ende der Gesittung überlassen bleiben, das Gute zu bewirken, das ohnehin durch öffentliche Maßregeln schwer zu erringen ist — Der Reorganisationeentwurf, von welchem wir genügend gesprochen haben, ist nach genauer Erwägung aller eingegangenen Prokestativnen nunmehr mobificirt worden. Der Wunsch, daß eine Synode berufen werden solle, findet bei dem Central-Consistorium keinen Anklang, andere Bemerkungen und Besorgnisse aber sind gebührend berücksichtigt worben, namentlich wirb den Krault« kakbm« eine bedeutende Stimme im Cultus zugestanden, und dem Wetteifer der Rabbinen überhaupt Aufmunterung dargeboten, sich auszuzeichnen. Mehrere §. welche allgemein gemißbilligt worden, sind unterdrückt. Das Ganze hat jetzt eine schönere und sicherere Haltung. Wir werden darauf zurück kommen, sobald sich eine Wirkung des neuen Projekts zeigt, dessen Specielles für's Ausland kein großes Interesse hat. (Arch. isr. de France 7 & 8) Specielles aus Bössmen. (Schluß.) 2) Im Saatzer Kreise haben die Verbesserungen im Cultus einen größern Fortschritt gemacht, hervorgerufen durch die im I. 1838 in der unbemittelten Gemeinde Bielenz, neu erbaute und eingeweihte Synagoge, wovon damals in den öffentlichen Blättern Erwähnung geschehen, aber daS Lehrwefen ist mehr zurückgeblieben durch den hemmenden Einfluß der alten Rabbiner, die vor dem Amtsantritte des gegenwärtigen Kreisrabdiners dort waren und noch sind. So bestehet in Micholup ein schön ausgestattetes Gotteshaus mit geregeltem Gottesdienst nach der in Lichtenstedt eingegeführten Synagogenordnung. In Horschenz wird eine Synagoge mrt großem Aufwand ganz nach dem Prager isr. Tempel gebaut, und man will nach Vollendung derselben auch einen Prediger aufnehmen. Gegenwärtig ist im ganzen Saatzer Kreise aus der angeführten Ursache kein Prediger, wenn man nicht etwa dem Weitentrebitscber etwas zeitgemäßer gebildeten Rabbiner, David Levi, der ein oder zwei Mal im Jahre eine deutsche Rede hält, dieses Präbicat beilegen will. In Ei blitz bestehet ein ausgezeichnet schöner Chor, und wird der Gottesdienst nach der Lichtenstedter Synagogenordnung abgehalten. Die Synagoge wird jetzt renovirt und dem Töplitz er Gotteshause gleich gebaut. Hinter diesen allen bleibt aber die bedeutende und bemittelte Gemeinde zu Postelberg zurück, die nicht zur Regulirung ihres Synagogenwesens zu dringen ist — Ursache ist (wer sollte es glauben?) der Wohlstand der von einander unabhängigen Gemeindeglieder, die durch Privatitzteressen und Rivalität noch mehr von einander getrennt werden, daher kein gemeinsames Wirken; — doch befindet sich der Jugendunterricht da in einem weit bessern Zustande als in irgend einem andern Orte, und leistet die Schuljugend dasselbe, was der zu Armibzgrün nachgerühmt wurde, ungeachtet der Lokalrabbiner den Unterricht auf keine Weise fördert. Es sind aber da zwei geprüfte Lehrer, die in Religion, hebräischer Grammatik , Bibel und den Gegenständen der vierten (Hauptschul-) Klaffe unterrichten. — Die Gemeinde zu Ei blitz hatte schon von früher Zeit eine gesetzliche Trivialschule, wo zum Unterrichte der deutschen Lehrgegenstände, durch Einwirkung des Kreisrabdiners, auch der der Religion gekommen ist; aber der hebräische Unterricht liegt durch den Einfluß des Lokalrabbiners noch im Argen. In der kleinen Gemeinde Litschkau besteht eine vielversprechende Schule, wo nebst den mehrmals bezeichneten hebräischen Lehrgegenständen und denen der dritten Klasse sogar Thalmud und zwar recht gut vorgetragen wirb; aber in vielen andern Gemeinden wie z. B. Weitentrebitsch, Libosckih, Lischnitz u. s. w. will sich keine geregelte Schulbildung lange halten. In dem erwähnten Bielenz wird die schöne Gottesbienstorbnung auf eine in kleinern Gemeinden sehr nachahmungswürdige Weise erhalten. indem alle singfähigen Gemeindeglieber harmonisch und feierlich mitsingen und recitiren, was einen eben so ergreifenden als erhebenden Eindruck hervorbringt. Nur Schade, daß die guten Leute nicht vermögend sind, einen Prediger aufzunehmen. — Durch diese einfachen Thatsachen erscheint daS amtliche Wirken des Hrn. Kreisrabbmers Sachs hinlänglich beleuchtet, und kann jedes weitere Lob füglich entbehren. Ist es auch nach den gegebenen Andeutungen nicht zu verkennen, daß auf die Regulirung des Cultus die Beispiele von Prag und Töplitz sehr wohlthätig influirlen. so bleibt dpch Hrn. Sacks das Verdienst, die Gemeinden dazu angeregt und ermuntert zu haben, und gebt sein Streben dahin, durch Empfehlung — nicht Ausbringung — der von ihm in Lichtenfredt zuerst eingeführten Synagogenordnung allmählig im Wege der Güte und der Ueberzeugung Einheit in die gottesdienstlichen Angelegenheiten der beiden Kreise zu dringen. Und welcher Sachverständige wird nicht gestehen, baß dieser langsam scheinende Weg der einzige richtige, am sichersten zum Ziele führende sei. — Mit größerm Rechte noch muß die Umgestaltung des Iugendunterrichles ihm zugeschrieben werden, für den er auch fortwährend wirkt, nicht dlos durch Belehrung und Ermunterung der Eltern privatim und in öffentlichen Reden, sondern vorzüglich durch die strengen Prüfungen, die bei der jedesmaligen Visitation vorgenommen werben, und in mancher Gemeinde oft mehrere Tage dauern. Da werden die Schüler, klassificirt, und um die Forfchritte besser wahrzunehmen, die frühern Cataloge verglichen, die Eltern und Lehrer auf die Mängel aufmerksam gemacht, und die Jugend zu neuem Fleiße angespornt, auch zuweilen belohnt oder bestraft. Zur Hebung und bessern Aufnahme des Religionsunterrichtes scheint auch der Umstand beizutragen, daß die Brautleute, die bei der von den Kreisämtern auf Veranlassung des Kreisrabbiners verordneten Vorprüfung aus dem Bnezion nicht die Hauptprincipien ihrer Religion inne haben, zurückgewiesen und gar nicht zur Prüfung vorgeführt werden, was die jüngere Generation sehr antreibt, sich der Religionskenntniß zu befleißen. Der beste Theil seines Wirkens in diesem Fache bestehet aber wohl darin, daß er die Familienväter von der Aufnahme unfähiger oder unwürdiger Subjecte abhält und ihre Wahl auf besser unterrichtete und wür. digere Lehrer zu leiten sucht. So verschafft er sich thfitige Gehulfen. die im Weinberge des Herrn wacker Mitarbeiten, und die erquickende Frucht wird hoffentlich um so weniger ausbleiben, als er die Andern, die nicht für eine bessere Mitwirkung zu gewinnen sind, weder anfeindet, noch von dem Platze, von dem sie rechtmäßigen Besitz genommen, zu verdrängen sucht, und folglich zu keiner verderblichen Reaction aufreizt. Bericht aus Mähren. (Fortsetzung.) 18) Kremsier. 116. F. H. In dieser regelmäßigen Sommerresidenz des Fürsten Erzbischofs von Ollmütz. besteht eine vortreffliche Hauptschule und ein wohleingerichtetes Gymnasium für die Grammatical- und Humanitälsstudien; aber die Gemeindeglieber machen von diesen schönen Lehranstalten, um deren Besitz sie von vielen Nachbargemeinden beneidet werden, so vre! als gar keinen Gebrauch. Die jüdische Trivialschule ist in einem unbeschreiblichen Verfalle und als sich mehre jüngere Männer, besonders die wackern HH. Iosue A d l e r und Jacob Turnauer, im vorigen Jahre für Begründung einer allgemeinen Lehranstalt interessirten. wies ein einflußreicher Mann auf die Stelle im Jore Dea, 245, 15 hin, wonach die Anzahl Schüler mehre Lehrer nöthiq mache, die doch die Gemeinde nicht besolden könne. Der schöne Plan ward dadurch im Keime erstickt, und wir haben nichts als die Hoffnung, baß die Unternehmer der guten Sache, nicht muthloü gemacht durch dergleichen wvbl erwartete Beirrungen, recht bald den Faden wieder aufnehmen und auf die Unterstützung der wenigen Männer rechnen werden, die sich auch ihrer Pflichten gegen die Mitwelt bewußt sind, und zu

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