Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 37 (11.9.1840)
- Date
- 1840-09-11
- Page
- Seite 312 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3133765-3133820-3133858--0829-3135011- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
312 Prospectus zu einem philosophischen Lehrgebäude -er jüdischen Religion. Nach so vielen Versuchen, sogenannte Religionslehren und Katechismen sür die Jugend und für alle, die lediglich die ersten Elemente zu wissen brauchen, um im praktischen Leben von festen Grundsätzen gehalten zu werden und von jedem Aberglauben entfernt zu bleiben, ist es wohl endlich an der Zeit, daß auch die Philosophie wieder einmal von dem Standpunkte aus, den sie jetzt einnimmt, unsere Reli. gionslehre näher in's Auge fasse und mit wissenschaftlichem Blick burchbringe, um sie mit sich selbst (nämlich der Philosophie) in Urdereinstimmung zu dringen, und ihr die Stellung anzuweisen, die ihr unter den Doktrinen angehört. — Zn dieser Beziehung begrüßen wir gern den uns zugegegangenen Prospectus eines Werkes, welches diese Frage zu lösen unternommen hat, und theilen ihn unfern Lesern hierunter mit; für manche flüchtige Beurtheiler unsrer religiösen Quellen ist schon die Uebersicht des hierbei zu bearbeitenden Materials lehrreich. Wir bescheiden uns allerdings, daß der erste Versuch dieser Art in unsrer Zeit, die ihre Forderungen etwas hoch gespannt, nicht das Thema allseitig erschöpfen werde; dagegen müssen wir es bei einem so schwierigen Unternehmen, welches sich erst Dahn zu machen beginnt, zumal bei der Nothwendigkeit, den Umfang des Ganzen so wenig als möglich auszudehnen, immer für sehr verdienstlich halten, wenn auch nur eine gute Vorschule geliefert werde, eine wohldurchdachte Grundlage zum Fortbauen. Herr vr. Formstecher verspricht eine quellenmäßige und philosophische Entwickelung der Aufgabe in gedrängter Kürze zu liefern, und wir hoffen und wünschen, daß sein Werk Aufmunterung und Theilnahme finden werde. Zu diesem Zwecke sehen wir die Uebersicht des Inhalts hierher: Die Religion des Geistes, eine wissenschaftliche Darstellung des Judenthums nach seinem Wesen, Charakter, Entwicklungsgang, Berufe und seiner Stellung in der Menschheit, von vr. Formftecher, Prediger der israel. Gemeinde zu Offenbach. Die Aufgabe, welche der Verfasser in dieser'Schrift zu lösen sich setzt, ist die wissenschaftliche Nachweisung, daß das Zudenlhum als eine absolut nothwendige Erscheinung in der Menschheit zu betrachten sei, und daß es in seiner wesentlichen Fortbildung sich als universelle Religion der civilisirten Menschheit entfalten müsse. Der Zn halt dieser Schrift beginnt mit der Entwickelung des Begriffs von Menschheit und von Zudenthum, gehet dann über auf die Darstellung der charakteristischen Grundzüge deS letzter» in seinem Verhältnisse zum Heidenthume, seiner relativen und absolutei^Wahrheit, seines historischen Entwickelungsganges bis auf die Gegenwart und schließt mit dessen Verhältnissen zu den übrigen positiven Religionen. Die Methode ist die strenge wissenschaftliche. Don einem rein unpartheiischen und voraussetzungslosen Standpunkte aus bewegt sich die Darstellung in systematischer Folgerichtigkeit mit genauer Angabe der Quellen, und sucht an dem objectiv Gegebenen die Wahrheit des subjectiven Urtheils nachzuweiscn. Der zu erzielende Zweck dieser Schrift ist theils die Erkenntniß des Unterschieds zwischen den absoluten und den relativen Wahrheiten des Zudenthums in seiner Vergangenheit und in seiner Gegenwart, theils eine Apologie desselben gegen die Angriffe der Publicisten sowohl als der Philosophen. Inhalt. Einleitunng. Capitel I. Gott und die Welt. — n. Natur und Geist. — in. Vernunft und Offenbarung. — IV. Das Gute und das Böse. — V. Die göttliche Vorsehung und der menschliche Wille. — VI. Oie Bestimmung des Menschen. — vu. Vorhistorische und historische Offenbarung. — viii. Heidenthum und Zudenthum. — IX. Charakteristische Grundlinien des Zudenthums. I. Quellen der Religion: 1) Offenbarung, 2) Prophezeihung, 3) Heilige Schriften und Tradition. — X. Fortsetzung. n. Znhalt der Religion: 1) Lehren über Gott und sein Derhältniß zur Welt. a) Theogonie, b) Cosmogonie, c) Fatum oder Vorsehung. 2) Lehren über die Welt und ihr Verhältniß zu Gott. a) Natur, b) Engel, c) Mensch. <0 Der Mensch als Theilhader an der Natur. ö) der Mensch als Träger des Geistes. — XI. Geschichte des Zudenthums. i. Zeitraum der Prophetie. a) Patriarchalische Vorzeit b) Israelitisches Volksleben. a) Begründung der Theokratie. b) Behauptung der Theokratie. — xil. Fortsetzung. II. Zeitraum der Tradition. a) Periode der subjectiven Objectivität. a) Streben nach politischem Separatismus. (Von der Zurückkehr ver Zuben aus Babylon dis zu deren gänzlicher Zerstreuung durch die Römer.) bj Streben nach religiösem Separatismus. (— bis zur Rebaction der unter dem Namen Thalmud bekannten Schriften.) b) Periode der objectiven Subjectivität (- bis auf das Zeitalter von Moses Mendelssohn.) — XI». Das Zudenthum und die Menschheit in der Gegenwart.