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Israelitische Annalen · 1840-09-11 · Heft 37 (11.9.1840) · p. Seite 311

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 37 (11.9.1840)
Date
1840-09-11
Page
Seite 311 (sequence 3)
Language
German
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311 Civilbehörden fanden sich ein; der Herr Marschall- Statthalter ward durch seine Tochter, Frau Baronin von Salles, und seine Enkelin, Fräulein Marie vsn Salles repräsentirt." „Diese Versammlung bot einen entzückenden Anblick dar. Der Hof des Hauses war mit den Flaggen der verschiedenen Nationen behängen und mit frischen Laubguirlanden geschmückt (was wir der Geschicklichkeit der Seeleute verdanken, welche der Hr. Admiral der Algier'schen Marine zu diesem Zwecke zu meiner Verfügung gestellt hatte), durchflochten mit Oleander (Lorbeerrosen) von der Mctidja und duftreichen Zweigen arabischen Jasmins; ferner trat der Fuß überall auf glanzende und weiche levantische Teppiche, und die in einzelnen Zwischenräumen auf Estraden angebrachten orientalischen Kiffen von Gold- und Silberbrokat und von goldgesticktem Sammt gaben dem Ganzen ein ächr orientalisches Ansehen. Mitten inne waren Bänkchen, ähnlich wie die Kiffen bedeckt, auf welchen die 80 Schülerinnen saßen, zur Hälfte französisch gekleidet in weiße Gewänder, während die andere Hälfte in einheimischer Tracht erschien, von Gold, Perlen und Edelsteinen schimmernd; sie trugen quer über ein breites himmelblaues Band, welches auf der Schulter durch einen Knoten gehalten wurde, indem die Enden mir silbernen Franzen herabhingen." „Vorn war die Estrade für den Civil-Jntendanten, den Ober-Inspektor des öffentlichen Unterrichts, Herrn Lepescheux, einen Professor der königlichen Schule, welcher als Sekretär diente und für mich; zu beiden Seiten saßen alle Behörden und die Damen in großer Anzahl. „Ich kann Ihnen nicht sagen, wie glücklich ich mich fühlte, die Theilnahme zu bemerken, die man diesem aufblühenden Institute widmete. Ein Kind von 3V2 Jahren eröffnen die Feier mit einem Gebete für den König der Franzosen; es erhielt dafür den Preis für gute Gedächtnißübung. Meine jungen Zöglinge haben schnelle Fortschritte gemacht. Von denselben nenne ich eine, Lazira Abraham, 9l/2 Jahr alt, welche den Ehrenpreis und alle ersten Preise der obersten Abtheilung erhielt. 9iie har eine frühreife Anlage sich so schnell entwickelt; kaum zwei Jahre befindet sie sich in meiner kleinen Heerde, und bei ihrem Eintritte verstand sie nicht ein Wort französich, jetzt ist sie allen altern Mitschülerinnen zuvorgekommen, selbst denen, die schon etwas wußten. Sie hat außerdem 6 Preise und ein Accessir erhalten und hatte die Ehre, von Frau von Salles bekränzt zu werden. — 61 Preise wurden verrheilt, und die ausgezeichneten Schülerinnen wurden von angesehenen Personen bekränzt. Als Preis für eine Arbeit wurden zwei mit Silber beschlagene Necessaires gegeben. Der Oberst, Herr Bede au, vom tapfern 17tcn leichten Regiment, welches sich in der letzten Expedition so ausgezeichnet hat, war so gütig, die ganze Musik seines Regiments zu schicken, welches bei jedem Preise ein herrliches Stück spielte, was die Feierlichkeit sehr erhöhete. „Am Tage darauf (28ftcn) sandte Frau von Salles für die zwei von ihr bekränzten Schülerinnen, zwei schöne Geschenke als Belohnung für ihren Fleiß. Dieser Beweis des Wohlwollens von einer durch ihre Stellung, wie durch seltenes Verdienst so ausgezeichneten Dame hat lebhafte Dankbarkeit bei denen erregt, die solche verdient haben, und heilsamen Wetteifer bei den Andern. Mir war sie ein süßer Ersatz für die körperlichen Leiden, welche mir die Last der alleinigen Leitung einer Schule von 70 — 80 Zöglingen, bei schwächlicher Constitution, verursacht/-' Sie bitter schließlich die Israeliten in Frankreich, auf die trefflichen Folgen der in Algier somit bestehenden und fortschreitenden Schulbildung, um welche Herr Lepescheux große Verdienste hat, aufmerksam zu machen, und wo möglich die Unterstützung solcher Anstalten zu veranlassen. Es leidet keinen Zweifel, daß dies Anklang findet, und daß auch die französische Regierung sich der Sache annehmen wird. Freilich wäre zu wünschen, daß die Inhaber solcher Schulen einmal recht gründlich darftellten, wiefern die europäische Schule die israelitische Jugend umschaffe, was Alles bereits geleistet sei und sich noch leisten lasse, wie fern die Eltern die Sache anerkennen und fördern, was in Betreff des Religionsunterrichts geschehe, und andern Fragen, welche erheblicher sind, als die bloße Schilderung pompöser Feierlichkeiten, denen wir gleichwohl ihren Nutzen nicht ab sprechen wollen. 37*

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