Mannheim
Compact Memory

Israelitische Annalen · 1840-09-11 · Heft 37 (11.9.1840) · p. Seite 310

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 37 (11.9.1840)
Date
1840-09-11
Page
Seite 310 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3133765-3133820-3133858--0827-3135009
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

.310 Religion sie nicht zuläßt, ausschließt. Zu einer vollen Wählbarkeit für alle Communal-Aemter hat man es indeß doch nicht bringen können. Der Ausübung der juristischen Praxis steht nichtS im Wege, wogegen die Zulassung Israelitischer Rechtsgelehrten zu amtlichen Functionen große Hindernisse findet, sobald, wie dies bereits vorgekommen ist, der Anwalt sich nicht anheischig machen will, auch nöthigen Falls am Sabbath zu arbeiten. Und dieser Fall gehört mit zu den charakteristischen Zügen der Festigkeit, womit die Israeliten in England auch ihre Religionsformen beschützen, und nicht den äußern Vortheilen preisgeben. Freier hat sich die seit 1825 gestiftete universelle Studien-Anstalt in London entwickelt, in welcher jeder ReltgiMunterschied von vorn herein als unstatthaft entfernt worden. Das daraus nachmals entstandene College, welches einen bewundernswürdigen Aufschwung genommen hat, zählt unter den Lehrern zwei israelitische Professoren (Hu rwitz für Hebräische und Sylvester für mathematische und physikalische Wissenschaften) und es hat, trotz vielseitigen Widerspruchs von der Regierung endlich die Concession erlangt, die Grade conferircn zu können, so daß endlich die Israeliten, bisher durchaus nicht fähig, auf einer Universität zu promoviren, nunmehr von der London University examinirt und promovirt werden. Und in diesem Jahre har Herr Waly, ein talentvoller junger Mann, nicht blos seine Examina rühmlichst beendigt, sondern auch die goldene Medaille erhalten. Viele andere Jünglinge lassen bereits große Tüchtigkeit erwarten. Im Innern steht nun aber auch eine rasche Entwickelung bevor. Ueber den Gang der Verhandlungen der neu sich bildenden Gemeinde soll nächstens ein besonderer Bericht erfolgen, wenn die Berathungen zu einiger Reife gediehen sein werden. Gewiß ist, daß die ausgezeichnetsten Männer an der Spltze stehen, und daß man mit der gemessensten Besonnenheit zu Werke geht, um einerseits bei den beabsichtigten Verbesserungen keine wesentlichen Interessen der Religion zu verletzen, und andrerseits nicht durch schwache Nachgiebigkeit gegen eine falsche Besorglichkeit, den wahren Zweck, für die Zukunft einen sichern Gang zu gewinnen, wieder aus den Augen zu verlieren. Israelit. Mädchenschule in Algier. Die Eroberung Algiers hat in die düftern Länder der Berberei das Licht einer Cioilisation gebracht, welche für die ganze Zukunft unberechenbare Wirkungen verspricht. Wie sich auch das politische Verhältniß der vormaligen Raubftaaten gestalten möge, es ist wohl nicht denkbar, daß je die Folgen der französischen Occupatio» wieder vernichtet werden. In Betreff der israelitischen Bevölkerung läßt sich so viel mit Sicherheit sagen, daß diese die stärkste Empfänglichkeit für eine civilisirte Leitung in sich trug, und solche auch vor allen Andern in Thätigkeit gesetzt hat. Die Ursachen liegen nahe, und mögen theils in der bisherigen Lage, rheils in der Beweglichkeit des Geschäftslebens, theils in den Berührungen mit französischen Glaubensgenossen gesucht werden. Gewiß ist, daß die Israeliten in Algier in einem Decennium ungemein fortgeschritten sind, und einer völligen Umwandlung des Sinnes und Strebens entgegen eilen. Mit freudiger Theilnahme erfahren wir, daß auch das weibliche Geschlecht, bisher im Ganzen nach orientalischer Weise sehr zurückgesetzt, sich durch eine bessere Erziehung emanzipirt. Eine sehr unterrichtete israelitische Dame aus Paris, Fräulein Hcloise Hartoch, hat vor einigen Jahren eine Mädchenschule in Algier errichtet, und sieht ihre Bemühungen mit dem besten Erfolge gekrönt. Achtzig Schülerinnen sind bereits in dieser Anstalt , und es ist wahrscheinlich, daß dieselbe immer weiter emporblühen, und zur Eröffnung anderer Anstalten in den übrigen Städten Aufmunterung gewähren werde. Die Unternehmerin hat über die am 27. Juli Statt gehabte Preisvertheilung einen kurzen, mehr ihre Freude über Aeußerlichkeiten ausdrückenden, als das Wirken der Schule darstellenden Bericht an den Herausgeber der Archives Israelites de France gesendet, welchen dieser, im Interesse der guten Sache, der Oeffentlichkeit übergiebt. Derselbe lauter folgendermaßen: „Wie ich schon die Ehre hatte. Ihnen anzuzeigen, hat am 27. Juli die Preisvertheilung in der Schule inländischer Israelitinnen Statt gefunden, und zwar mir einer Feierlichkeit, wie die Anwesenheit des ausgezeichnetsten und gebildetsten Publikums unserer Stadt es erheischte. Alle Militär- und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.