Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 36 (4.9.1840)
- Date
- 1840-09-04
- Page
- Seite 303 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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303 Jahren von einer Colonie ihrer Brüder in Indien! erhielten, die sich damals über den Zustand Sama- . riens erkundigten, von denen man aber seitdem nichts weiter Höne. Als ich einmal gegen Sonnenuntergang vor dem Friedhofe von Sich cm vorüberging, der am Fuße des Garisim liegt, bemerkte ich zwei! Samariranerinnen, die mit sichtlicher Wehmuth auf j Die Gräber schauten, worin die Trümmer ihres! Geschlechtes enthalten sind, das jetzt für immer zu verschwinden droht. Als ich ihnen nähere, brachen sie das Schweigen, und mir einem Ton voll tiefer Trauer fragten sie mich, ob ich keinen Ort auf dem Erdboden wüßte, wo noch Glieder ihres Volkes zu finden wären; und wenn ich solche fände, so sollte icks ihnen doch im Namen der Brüder sagen, daß sie in's Land ihrer Vorfahren zurückkommen mögen, damit doch die Gräber nicht ohne Wartung und der heilige Berg nicht ohne Anbeter (?) bliebe." Wir sind, offen gestanden, schon lange gewohnt, jeden Bericht über innere Rcligivnssachen, selbst aus viel zugänglicherer Nahe, mit Mißtrauen zu betrachten , sobald der Darsteller sich nicht als durchaus sachkundig erweist; dennoch pflegen englische Staatsmänner so sorgfältig zu Werke zu gehen, daß man von ihnen eher Zuverlässigkeit erwartet. Was bietet aber hier der gewesene General-Consul für historische Facta dar? Schweigen darf man dazu um! so weniger, als leicht ein Unkundiger wiederum darauf fußend, weiter berichten dürfte, die Samaritaner „opferten jetzt noch aufdem Berge Garisim."! Das ist aber durchaus unwahr, und wir wundern j uns, daß der General-Consul einem so offenbar rmßjj verstandenen Gerüchte trauete, ohne einmal, da er jj ja doch in Sichem war, sich von dem sogenannten! Samaritanischen Kultus auf dem Berge durch den Augenschein zu überzeugen, was gewiß mehr Interesse hatte, als die Elegie der trauernden Samaritanerinncn. Zog ihn diese Merkwürdigkeit nicht an, so hätte er lieber davon schweigen sollen. — Ferner haben ihm die Samaritaner einen Brief geschenkt — von Samaritanern empfangen — aus Indien — zweihundert Jahre alt. Wahrscheinlich doch nur eine Abschrift, denn das Original werden die Leute wohl nicht weggeben. Nun warum ist nicht gesagt, in welcher Sprache und Schrift? Aus welchem Orte? Von welchem Datum? Welchen Inhalts? Versteht es der Besitzer nicht, warum lei-, me ihn seine Wißbegierde nicht, dies alles zu ermitteln, oder doch bei der Wichtigkeit dieses Dokumentes dem Lord L . . einen Begriff von dessen Beschaffenheit zu geben? — Wir unsrerseits sind geneigt, das Papier für weiter nichts zu halten, als für die Abschrift eines der bekannten Briefe, die vor zwei hundert Jahren mit ihnen gewechselt wurden, und wovon sie sich gewöhnlich mir Fremden unterhalten. Die Hauptsache ist, daß die armen Familien in so drückender Armuth leben, daß sie stets wünschen, von andern gleichen Kultus übenden Gemeinden etwas zu vernehmen, um von denselben Unterstützung zu empfangen. Es ist merkwürdig genug, daß man über diese geringen Reste einer früher ziemlich ausgedehnten Gemeinde (s. Allgemeine Geschichte des israelitischen Volkes rc. in 2 Bänden, wo wir mehrere bestimmte Nachrichten gegeben haben), noch nicht alle Einzelheiten genauer weiß. Solche sentimentale Aeußerungcn aber, womit die Samaritanerinnen den Lord plötzlich angercdet haben sollen, gehören so wenig in den Charakter der höchst eingeschüchterten samaritanischen Frauenzimmer, daß dieß allein den ganzen Bericht verdächtigt. Schwerlich reden solche einen Fremden an, außer um sich eine kleine Gabe zu erflehen, und allenfalls können ihnen durch ein längeres Gespräch ähnliche Gedanken gleichsam in den Mund gelegt werden, aber dann ist es mit der vorgeblichen Trauer nichts, und jedenfalls wäre diese Darstellung ungetreu. Wir bitten unsre auswärtigen Freunde, die etwa Gelegenheit haben, den vormaligen Britischen General-Consul zu sprechen, sich vor allem den angeblichen -indianischen Brief zeigen zu lassen, und wo möglich, uns darüber einen kurzen Bericht zuzusenden. — Derselbe spricht eben so unbestimmt über die Juden. Er sagt: Die Juden in den Städten haben eben so wie die Christen vom Hochmuth der Muhammedaner zu leiden; sie besitzen überdieß kein eigenes Land; dennoch haben sie Mittel gefunden, ihr Joch zu erleichtern. So beherrschte die Familie Farhi indirekt viele Jahre die Angelegenheiten zu Akre und Damaskus. (Wie ist dies zu verstehen?) Eben so wird in demselben Blatte (10. Juni), in einem Auszuge aus Lukaszewicz historisch-statistischer Beschreibung der Stadt Posen behauptet, das 36*