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Israelitische Annalen · 1840-09-04 · Heft 36 (4.9.1840) · p. Seite 302

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 36 (4.9.1840)
Date
1840-09-04
Page
Seite 302 (sequence 2)
Language
German
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302 geringe Kenntniß der dem Hebräischen verwandten Dialekte, so wie der klassischen Sprachen und des Französischen. Und alles das hatte er sich autodidaktisch angeeignet. Mit besonderer Vorliebe aber widmete er sich dem Studium der Geschichte und der Philosophie alter und neuer Zeit. Die von ihm klar aufgefaßien mannichfachen Beziehungen zwischen den gangbaren Systemen der Philosophie und der jüdischen Religions- und Moral-Philosophie boten ihm Stoff und Gelegenheit dar zu den interessantesten Reflexionen, die er mit der seinem mündlichen Vortrage eigenthümlichen Klarheit und Faßlichkeit seiner lehrbegierigen Umgebung mirzutheilen verstand. Wiewohl mir seiner Bildung noch in das vorige Jahrhundert hineinragcnd, und an einer strengen Uebung der äußern Formen des Judemhums aus Gewohnheit und Wahl sich haltend, thcilte er doch nicht jene rücksichtslose Abneigung gegen alle Reformen, mir manchem Gebildeten aus jener Zeit, welche jede noch so vernünftige, noch so zeitgemäße Reform, ohne Prüfung, ohne Befragung der Zeit, als kezzerische Neuerung verdammen und verwerfen. Aufmerksam lauschte er dem Flügelschlag der Zeit und jede neue Idee, die von ihrem Fittige niederrauschte, senkte sich als befeuchtendes Samenkorn in seinen empfänglichen Geist.— Erst in letzter Zeit entschloß er sich, seine vielfachen reichhaltigen Erzeugnisse und Selbftschöpfungen im Gebiete spekulativer Wissenschaft in ein gemeinsames Werk nicderzulegen. Doch seine immerwährende Kränklichkeit und sein zuletzt erfolgter Tod gestatteten ihm nicht, diese höchst gediegene, in hebräischer Sprache abgefaßte Schrift zu vollenden. Auf seinem Sterbebette trug er seinem Schwiegersöhne, dem sehr geachteten hiesigen Dr. med. und praktischen Arzte, Herrn Nathan Horwitz, auf, seine Schriften zu sammeln und an! vr. Zunz einzusenden, was hoffentlich demnächst geschehen wird. Ich versuchte hier bloß die Erscheinungen des inner« geistigen Lebens und Strebens dieses Denkwürdigen , um die Geifteskultur unserer hierländischen Glaubensbrüder hochverdienten Mannes mit flüchtigen Zügen zu zeichnen; sein äußeres Leben dagegen floß ohne Oeffentlichkeit, ohne Auszeichnung — den kurz vor seinem Ableben an ihn ergangenen Ruf nach Berlin, als Rabbiner, etwa ausgenommen — in stiller patriarchalischer Häuslichkeit fast wellenlos dahin. In Brody geboren und nach Zolkiew verhcirathet, lebte er in letzterer Stadt bis zum 1.1837, wo er dann hieher zu seiner geistreichen Tochter, der Gattin des erwähnten Herrn vr. Horwitz zog, um da den Rest seines Lebens zu beschließen. Er starb, nachdem er zum Genüsse der Molkenkur nach einem benachbarten Orte gegangen, von dort aber schwer erkrankt wieder abgeholt worden war, hier am 31. Juli 1840, im 56. Lebensjahre. Seine Religion und Philosophie hielten bei den schmerzlichsten Leiden in seinen letzten Augenblicken seinen Geist aufrecht, und der von ihm oft im Munde geführte Goldspruch des deutschen Dichterkönigs schien ihm auch in diesen qualvollen Momenten des Scheidens vorzuschweben und Trost und Hoffnung einzuhauchen : „Drum, edle Seele, entreiß' dich dem Wahn Und den himmlischen Glauben bewahre: Was kein Ohr vernahm, was die Augen nicht sah'n. Es ist dennoch das Schone, das Wahre!" Tarnopol am 7. August 1840. Bedenken über manche Berichte betreffend Israelitische Angelegenheiten. In dem Magazin für Die Literatur des Auslandes vom S2sten Juni d. I. findet sich ein Bericht über Syrien unter der Verwaltung Mehemed Ali's, dargcftellt in einem Schreiben des ehemaligen'Britischen General-Consuls zu Damaskus an Lord L..., also gewiß aus der glaubhaftesten Quelle in Betreff aller der, Gegenstände, welche seiner Beachtung nahe lagen. Derselbe enthält aber eine Stelle, welche offenbar starkes Bedenken gegen manches Andere mit erregen muß. Sie lautet also: „Auch noch lebende Reste des Alterthums bietet uns Syrien dar. Zu Naplus nämlich, dem alten Sichem, leben noch einige, vielleicht die einzigen Abkömmlinge der zehn Stammes?) Israels. Sie bewahren noch immer ihren alten samaritanischen Pentateuch, und beobachten auf dem Gipfel des Berges Garisim (?) die Gebräuche und Opfer des samaritanischen Kultus. Ich hatte ihnen einen kleinen Dienst geleistet, dafür machten sie mir einen Brief zum Geschenks?), den sie vor zweihundert

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