Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 36 (4.9.1840)
- Date
- 1840-09-04
- Page
- Seite 301 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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4. September. 36. 184V. Israelitische Annalen. Ein Centralblatt für Geschichte, Literatur und Cultur der Israeliten aller Zeiten und Länder. Hcrausgezeben von vr. I. M. Jost. Don diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer, bisweilen 1V2 Bogen; Preis des Jahrganges 3 Rthlr. fl. 5; man subscribirt bei allen 1651. Postämtern und in allen Buchhandlungen des In- und Auslandes. Schreiben auS Galizien. — Bedenken über manche Berichte betreffend Israelitische Angelegenheiten. — Literarische und historische Analekten, von vr. Carmolq. — Nachrichten und Eorrcfponvenzen: Berichte auS Mähren (Fortsetzung); Spezielles au» Böhmen; Rheinpreußen; Frankreich. — Literatur. Zu erwartendes musikalisches Werk. — Anzeigen. Schreiben aus Galizien. Nachman Krochmal. Wieder ist eine Leuchte erloschen am Himmel Israels, wieder eine Säule gebrochen am Hause Jakobs! Als Joseph (Perl) sich zu seinen Vätern legte, da wehklagten wir laut; denn in ihm ftarb uns ein weiser Führer und muthiger Vorkämpfer, in ihm begruben wir einen Schatz von Erfahrung, Weltklugheit und Thatkraft, in ihm beweinten wir unfern Schirm und Hort. Doch blieb uns noch ein Trost übrig: Noch weilte Rapaport, noch lebte Krochmal in unserer Mitte. Aber nun ist auch dieser Trost dahin! Das unerbittliche Prag hat uns Rapaport, der noch unerbittlichere Tod uns Krochmal entrissen. — Auf der Höhe der Zeit stehend, waren diese drei Männer die Schöpfer und Träger der Civilisation unter unfern galizischen Brüdern. Mit wehmüthiger Empfindung blicken wir nun auf jene kurze Glanzperiode unserer Gemeinde zurück, wo wir dies herrliche Dreigeftirn mir vereintem Strahle unter uns und auf uns leuchten gesehen. Ein göttlich Feuer: Liebe zur Menschheit, zum Glauben der Väter, zu allem Wahren, Guten und Schönen, alle Drei gleich durchglühend, strahlte es von dem Einen in wirksamer schaffender Kraft, als That leuchtete es von dem Andern in einer alles Dunkel erhellenden Flamme, als Schrift, strömte es von dem Dritten in sanfter, erquickender Wärme mündlicher Belehrung, als Wort aus. Perl handelte, Rapaport schrieb und Krochmal lehrte. — Nachman Krochmal war eine jener antiken, 'klassischen Naturen des Juventhums, denen Gottes freie Natur zum Hörsaal, die wundervollen Schöpfungen göttlichen und menschlichen Geistes zum Gegenstände und die Fülle ihres eigenen Herzens und Geistes zum Lehrbuche ihrer ambulanten Vorträge dienten. Man wähnte wahrlich einen unserer Lehrer des Alterthums sammt seinen Jüngern zu schauen, wenn man den edeln Krochmal, von einer Schaar wißbegieriger Jünglinge umgeben, auf offenem Felde lustwandelnd erblickte, wie er ihnen hohe, inhaltschwere Lehren und heilige Wahrheiten, die Ergebnisse seiner jahrelangen Forschungen und Studien, in sanftfiießender Rede enthüllte. Von äußerst schwachem Körperbau und von Jugend auf kränkelnd, hatte er sich frühzeitig mit Eifer den Wissenschaften zugewendet, und von Umständen begünstigt, die ihm hiezu fast ungestörte volle Muße gewährten, häufte er unermeßliche Schätze von Gelehrsamkeit in seinem Geiste auf. Mit einer gründlichen Kenntniß der hebräischen und deutschen Sprache und ihrer Literaturen verband er eine nicht